Jendrik Sigwart vertritt Deutschland beim ESC. Foto: IMAGO / epd

Jendrik wird wahrgenommen, immerhin. Gut 1,3 Millionen Klicks bekam das Video des deutschen Startes beim Eurovision Song Contest (ESC) auf der offiziellen Seite des ESC schon. Die Meinungen zu seinem „I Don't Feel Hate“ sind dabei allerdings sehr gegensätzlich. Ein Fan verspottet ihn als von der Kinderfigur Spongebob inspiriert, für andere ist Jendrik ein gute Laune machender Geheimfavorit.

In einem Monat beginnt die diesjährige Ausgabe des ESC. Am 18. Mai steigt das erste, am 20. Mai das zweite Halbfinale und schließlich am 22. Mai - Pfingstsamstag - das große Finale in Rotterdam. Wie groß dieses Finale am Ende ausfallen wird, ist aber noch nicht mit Gewissheit zu sagen.

Anfang des Monats kündigten die Veranstalter an, bis zu 3500 Zuschauer zulassen zu wollen. Dies soll allerdings abhängig vom Infektionsgeschehen sein. Die Lage verbesserte sich seitdem nicht, die Niederlande sind von Deutschland als Hochinzidenzgebiet eingestuft und haben höhere Infektionszahlen als Deutschland.

Sollte die Lage schlecht sein, wird der ESC ohne Publikum stattfinden. Aber immerhin wird es den Wettbewerb in diesem Jahr auf jeden Fall geben - im vergangenen Jahr fiel er wegen der Corona-Pandemie aus.

Jendrik gehört unter den 39 Teilnehmern wohl zu denjenigen, für die die Präsenz von Publikum besonders wichtig wäre. Unter den Startern gibt es einige wie vom Reißbrett durchinszenierte Nummern wie Schwedens Tusse mit „Voices“, die auch ohne eine Reaktion von Livepublikum funktionieren würden. Dagegen könnte Jendriks natürlicher Charme durch fröhliches Publikum nur beflügelt werden.

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Geht es nach den internationalen Wettbüros, kann sich der 26-jährige Hamburger allerdings Hoffnungen auf eine vordere Platzierung komplett verkneifen. Mit weniger als einem Prozent geben die Buchmacher seine Siegchancen an. Einen Monat vor dem Finale rangiert Jendrik auf Platz 30 von 39 Teilnehmern.

2019 wurde Deutschland beim ESC Vorletzter

Wiederholt sich damit die deutsche Pleite von 2019, als beim Sieg des Niederländers Duncan Laurence das deutsche Duo S!sters auf dem vorletzten Platz 25 landete? Die miesen Wettquoten können ein schlechtes Omen sein, es dürfte sich mehr als vier Wochen vor dem Finale in dem großen Starterfeld aber noch einiges bewegen.

Beim Sieger waren die Buchmacher in den vergangenen Jahren allerdings oft schon recht früh treffsicher. Im Moment liegt die aus Malta stammende Sängerin Destiny mit „Je Me Casse“ in den Wettbüros vorn. Die gerade 18 Jahre alte Destiny gewann 2015 den in Deutschland eher unbekannten Junior Eurovision Song Contest. Und sie hätte Malta auch bereits 2020 beim abgesagten ESC vertreten sollen.

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Auch die in den Wettbüros knapp hinter Malta an zweiter Stelle stehende Französin Barbara Pravi mit ihrem „Voilà“ hat eine Vorgeschichte beim Junior-ESC. Sie schrieb das Siegerlied für Frankreich für den im vergangenen November trotz der Corona-Pandemie ausgetragenen Nachwuchswettbewerb. Ebenfalls mit vorn gehandelt werden die Schweizer Band Gjon's Tears und die italienische Band Maneskin - diese bringt mit ihrem „Zitti E Buoni“ eine handfeste Rocknummer in den oft von seichtem Pop getragenen Wettbewerb.

Die Veranstalter dürften mit großer Spannung darauf schauen, ob der weltweit am stärksten beachtete Musikwettbewerb in diesem Jahr Interesse seiner Fans findet. Üblicherweise beginnen einen Monat vor dem ESC-Finale Vorpartys, auf denen sich die Starter das erste Mal live zeigen. In diesem Jahr wird es wohl nur eine solche Party geben, veranstaltet vom spanischen Fernsehen. Jendrik wird bei der virtuell gefeierten Party dabei sein - eine gute Gelegenheit, sich international bekannter zu machen.