Jane Birkin, Schauspielerin aus Großbritannien, lächelt bei einem Fototermin bei den 74. Internationalen Filmfestspielen in Cannes. dpa/Brynn Anderson

Für „La Birkin“, wie die Franzosen ihre Lieblingsengländerin nennen, ist es eine echte Herausforderung, über sich zu reden. Nur in Liedern fällt es ihr leichter. Und das auch nur selten, wie in ihrem Album „Oh! Pardon tu dormais…“ (dt. Oh! Entschuldige, du schläfst ...). Eine wahre musikalische Biografie. Oder, wie sie selbst meint, ein Werk, das an der Oberfläche kratzt. Es seien Lieder, „die absichtlich alte Wunden wieder öffnen“, sagte sie im Radiosender RTL.

Es ist das 14. Album von Birkin, aber erst das zweite, das nach über zehn Jahren wieder Texte von ihr vereint. Songs, die von ihrem Leben handeln und vom Tod, mit dem sich die Künstlerin, die am 14. Dezember 75 Jahre alt wird, in den vergangenen Jahren hat auseinandersetzen müssen.

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Das tat die gebürtige Londonerin und Wahlfranzösin zuletzt 2008 in „Enfants d’hiver“ – ihrem ersten Album aus eigenen Texten. Darin sang sie unter anderem von ihrer Kindheit und Urlauben mit ihrem Vater David Birkin und ihrer Mutter Judy Campbell, Sängerin und Schauspielerin.

Jane Birkin in den 1970er-Jahren dpa

Jane Birkins Tochter Kate beging 2013 Suizid

Zwischen den beiden Alben liegen zwölf Jahre, in denen sie viele Schicksalsschläge erleiden musste. Im Jahr 2013 verlor sie ihre Tochter Kate aus der Beziehung mit dem Komponisten John Barry. Die 46-jährige Fotografin hatte sich aus dem Fenster ihrer Pariser Wohnung im 4. Stock gestürzt.

Nach dem Tod ihrer Tochter zog sich die gebürtige Londonerin und Wahlfranzösin monatelang ganz zurück. Auf ihrem in Frankreich im Dezember 2020 erschienenen Album erinnert sie in mehreren Liedern an den schrecklichen Moment, wie in „Cigarettes“, das mit dem Satz beginnt: Meine Tochter hat mit ihrem Leben Schluss gemacht.

Doch ihre Auftritte in der Öffentlichkeit wurden schon ab 2012 immer seltener, denn Birkin musste viele Konzerte wegen einer Autoimmunkrankheit absagen, eine Fehlsteuerung, bei der das Immunsystem den eigenen Körper angreift. Im September dieses Jahres erlitt sie einen Schlaganfall.

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Eine Birkin Bag von Hèrmes imago images 

Jane Birkin steht in Frankreich seit knapp 50 Jahren auf der Bühne und vor der Kamera. Sie verließ England nach ihrer Scheidung von Barry im Jahr 1968, den sie 1965 mit gerade 19 Jahren geheiratet hatte. Bei Dreharbeiten zu dem Liebesfilm „Slogan“ lernte sie Serge Gainsbourg kennen, einst das Enfant terrible der französischen Musikszene.

Sie war Anfang 20, als sie zusammen mit Gainsbourg „Je t’aime, moi non plus“ ins Mikrofon stöhnte. Der gesungene Orgasmus wurde zum Skandal. In vielen Ländern wurde das Lied verboten, doch machte es die verführerische Frau mit der Zahnlücke und dem englischen Akzent 1969 über Nacht zum Star – und die beiden zu einem Paar. Zwei Jahre später kam ihre gemeinsame Tochter, Schauspielerin Charlotte Gainsbourg, auf die Welt.

Jane Birkin brachte gemeinsam mit Serge Gainsbourg den Skandal-Song „Je t’aime, moi non plus“ heraus.

Quelle: YouTube

„La danseuse“, ebenfalls ein erotisches Lied, und „Melody Nelson“ gehörten zu ihren weiteren gemeinsamen Erfolgen. Im September 1980 setzte Birkin der Beziehung ein Ende. Sie war der Eskapaden des Frauenhelds und Alkoholikers müde. Doch noch nach der Trennung hat Gainsbourg weiter für sie geschrieben. Und sie weiter seine Lieder gesungen – auch nach seinem Tod im Jahr 1991. Bis auf eine Ausnahme: den gestöhnten Welthit „Je t’aime, moi non plus“.

Jane Birkin mit Serge Gainsbourg und der zweijährigen Kate in London Imago Images

Auf der Leinwand ist sie seit einigen Jahren nicht mehr zu sehen. Der Grund: Ihr gefalle ihr Gesicht nicht mehr, wie sie 2016 auf dem Filmfestival in Locarno sagte. Über 40 Filme hat sie gedreht, darunter den Erotikfilm „Egon Schiele – Exzesse“ aus dem Jahr 1981 und „Blow up“, in dem sie ein Fotomodel spielt – nur bekleidet mit Kniestrümpfen.

Jane Birkin galt als Sexsymbol, konnte sich mit dem Image aber nie identifizieren

Der Film von Michelangelo Antonioni wurde in Cannes 1967 mit der Goldenen Palme ausgezeichnet. Ein Jahr später erschien der Erotik-Thriller „Der Swimmingpool“, in dem sie an der Seite von Romy Schneider und Alain Delon spielt. Birkin war das Sexsymbol der 60er- und 70er-Jahre. Über diese Zeit sagte sie Jahrzehnte später, dass sie sich mit diesem Image gar nicht identifizieren konnte.

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Ein deutscher Trailer zum Film „Der Swimmingpool“, 1969

Quelle: YouTube

Jane Birkin hat zahlreiche Alben veröffentlicht mit Songs, die andere für sie geschrieben haben – mit zwei Ausnahmen, „Enfants d’hiver“ und „Oh! Pardon tu dormais…“, in dem Birkin noch verletzlicher wirkt als sonst. Es liege ein kleiner Schmerz in dem Album, erzählte sie der Wochenzeitschrift Paris Match. Und zitierte einen Satz von Serge: Bei blauem Himmel könne man nichts schreiben, man brauche dazu Wolken und Stürme.