Trotz Corona-Krise: Dieter„ Quaster“ Hertrampf (75) rockt weiter.
Foto:  Uhlemann

Auch er litt darunter, keine Auftritte zu haben. Dieter „Quaster“ Hertrampf (75) lässt sich dennoch nicht von dem Corona-Virus unterkriegen. Er rockt ihn einfach weg. „Ich habe die Zwangspause gut genutzt“, sagt der Ex-Puhdy, als er den KURIER auf ein Käffchen empfängt. „Für Dinge, für die ich sonst nie Zeit hatte.“ Neben Reparaturen im Garten und im Haus beendete er endlich die Arbeiten am dritten Solo-Album, an dem der Rocker seit 2018 werkelt. 

Quaster führt uns in sein Studio, schaltet Mischpult und  Computer an. Hier entstanden viele der 14 Songs für die CD „Unterwegs“, die  am 1. Juli erscheinen soll und die jetzt die KURIER-Reporter als Erste zu hören bekommen. Wuchtige Gitarren, kräftiges Schlagzeug: Es ist Rock pur, was da aus den Boxen kommt. 

Der Ex-Puhdy klingt härter als je zuvor. „Graue Haare, scheißegal, bin noch immer am Start. Alt wie ein Baum, ich lebe meinen Traum“, singt Quaster im Titelsong. „Ich kann nicht anders“, sagt er. „Ich habe Bock auf Rock, muss unterwegs sein und auf der Bühne spielen.“ Damit ist klar: In Rockerrente geht Quaster noch lange nicht.

„Das Album ist meine persönlichste Platte“, sagt er. „Mit ihr arbeite ich die Zeit nach den Puhdys auf.“ Das sind schon fast fünf Solo-Jahre, auf die Quaster mit Stolz zurück blickt. Zwei Bühnen-Programme hat er auf die Beine gestellt: die Musik-Talk-Show „Ich bereue nichts“ und  „Quaster & Friends unplugged“. Dazu kommen Auftritte bei „Ostrock meets Classic“. Mit allen drei Shows war Hertrampf noch bis März auf Tour. Dann kam Corona. „Wenn alles gut läuft, geht es im Sommer mit einigen Auftritten weiter.“

In seinem Heimstudio entstanden viele Songs der neuen Quaster-CD. Auf dem Tablet zeigt er das Platten-Cover.
Foto:  Uhlemann

Ob auf der Bühne oder auf der Platte: So ganz ohne die Puhdys geht es bei Quaster dennoch nicht. Auf der neuen CD hat er sogar einige Perlen der Kultband kräftig aufpoliert. Etwa den Song „Erinnerung“ (1977), den Hertrampf mit Bonfire aufnahm, als er mit der Hardrockband 2018 auf Tour ging. Das Ergebnis: Der Puhdys-Song wird zu einer Rock-Hymne à la Deep Purple.  

Auch eine neue, rockiger klingende Version des Puhdys-Hits „Alt wie ein Baum“ ist dabei. „Warum sollte ich die Songs nicht weiter spielen? In ihnen steckt noch immer eine ungeheure Kraft“, sagt Quaster.

Hertrampf gehörte zu den Gründern der Puhdys. „Wir hatten eine tolle Zeit erlebt“, sagt er. In seinem Haus erinnern Fotos und Plakate daran. „Es ist schade, dass es zu diesem Ende kam“, sagt Quaster. Er spielt damit auf den  laufenden Rechtsstreit um Songrechte mit dem Frontmann Dieter „Maschine“ Birr an. „Ein Mann, der gegen alle seine Bandkollegen zu Felde zieht - es versteht keiner von uns“, sagt Quaster.

Eine friedliche Einigung wird es nicht geben, meint er. Ein Schlichtungstermin scheiterte. Es ist nur dem Corona-Virus zu verdanken, dass der Streit noch nicht vor Gericht weiter ging. Der schon im April angesetzte Termin fiel wegen der Pandemie aus. „Er soll nun im Herbst stattfinden“, sagt Quaster. 

Auf ein Käffchen im Garten: Quaster im Gespräch mit KURIER-Reporter Norbert koch-Klaucke.
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