Ralf Schmidt alias IC Falkenberg bei einem seiner Auftritte im Jahr 2019: Das Kürzel IC stammt aus der Elektronik, steht für Integrated Circuit (Integrierte Schaltung). Foto: picture alliance

Die Geschichten von Karat, Silly oder den Puhdys scheint fast jeder Musikfan zu kennen. Doch die ostdeutschen Kultbands haben auch so manche Geheimnisse. Nun werden sie gelüftet. Im Buch „Das vermutlich allerletzte Ostrockbuch“ des Berliner Musik-Journalisten Christian Hentschel (53), das am 23. November erscheint. Der KURIER darf bereits exklusiv einige Geheimnisse der Ostrocker verraten: So wie das von Ralf Schmidt alias IC Falkenberg (60), der verrät, dass die Stasi ihn fast in den Knast gebracht hätte.

Ralf Schmidt alias IC Falkenberg als Sänger der Band Stern Meißen. Foto: picture alliance/ZB/Gueffroy

Stern Meißen strichen das Wort „Combo“

Er war einer der großen Teenie-Stars in der DDR und er mischte die Ostrockszene so richtig auf. 1983, als IC Falkenberg mit poppiger Föhnfrisur neuer Sänger der Band Stern-Combo-Meißen wurde. Die altehrwürdigen Rocker dieser Truppe hatten sich damals einem drastischen Imagewandel unterworfen.

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Neue Deutsche Welle und New Wave verlangten auch die Musik-Fans in der DDR damals. Also strichen Stern Meißen das Wort „Combo“ aus dem Namen und ihre Artrock-Musik aus dem Programm, holten Ralf Schmidt ans Mikro. Er polierte nicht nur die Band mit Hits wie „Wir sind die Sonne“ auf, als IC Falkenberg startete er parallel auch eine erfolgreiche Solo-Karriere.

Mit Föhnfrisur: IC Falkenberg war in der DDR ein Star. Bis Ende der 80er-Jahre  war er Frontmann von Stern Meißen, startete nebenbei eine sehr erfolgreiche Solokarriere.  Foto:  picture alliance/ZB/Günter Gueffroy

Diesen Weg nach oben hätte ihm beinahe der Staatssicherheitsdienst verbaut, erzählt der Sänger dem Autoren des Ostrock-Buches (Verlag Neues Leben, 20 Euro). Um die Geschichte verstehen zu können, muss IC Falkenberg mit seiner Kindheit beginnen, in der er schon auf der Bühne der Oper in Halle stand.

„Ich war zehn Jahre alt und verdiente mein erstes Geld mit Singen. Es folgten unzählige Konzerte mit dem Chor und viele Vorstellungen an der Oper. Mit 13 begann ich mit den ersten kleineren Kompositionen“, sagt er. „Meine frühe Liebe zur Literatur ließ mich kleinere Gedichte verfassen, wenig später auch Songtexte.  Später fing ich an, so gut es mir gelang, Texte von Bob Dylan und Leonard Cohen zu übersetzen.“

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Ein Jahr später gründete IC Falkenberg mit ein paar Gleichaltrigen eine Band. Dann versuchte er sich als Liedermacher, dann hatte er eine Folkrockband, mit der er auftrat. Die Probleme, die der Sänger bekommen sollte, hatten nichts mit der Musik zu tun. Es lag an dem gesungenen Wort. „Ich bekam aufgrund meiner Texte, die ich selbst gar nicht so umstürzlerisch fand, keine Einstufung. Ohne Einstufung durfte man offiziell nicht auftreten“, sagt er.

Doch IC Falkenberg tat es. „In dieser Zeit spielte ich in Kirchen und besetzten Häusern“, sagt er. Das sorgte dafür, dass Erich Mielkes Überwachungsapparat auf den jungen Sänger aufmerksam wurde. „Eine Handvoll Stasispitzel überwachte mich dann später in den 18 Monaten meiner Armeezeit. Man hatte meine Texte konfisziert. Nur knapp schrammte ich damit an einer Inhaftierung in Schwedt oder Bautzen vorbei.“

Zwei Orte, die jeden DDR-Bürger erschrecken ließen. In Schwedt lag das berüchtigte Militärgefängnis. Nach Schätzungen von Experten verbüßten dort von 1968 bis 1990 etwa 6.500 NVA-Soldaten bis zu zwei Jahren Haft. Die Häftlinge seien gedrillt, gedemütigt und schikaniert worden. Und in Bautzen gab es den gefürchteten Stasi-Knast. Die Sonderhaftanstalt „Bautzen II“ diente dem MfS von 1956 bis 1989 als Hochsicherheitstrakt mit 200 Haftplätzen für Regimegegner, Spionen und  Gefangenen aus Westdeutschland.

Am 23. November erscheint „Das vermutlich allerletzte Ostrock-Buch“ von Christian Hentschel im Verlag Neues Leben (20 Euro). Cover: Verlag Das Neue Leben

Die zwei Gefängnisse blieben IC Falkenberg zum Glück erspart. Nach der Armee machte er mit der Musik weiter, bekam die Möglichkeit in einer professionellen Jazzrockband zu singen. „Danach wechselte ich noch zweimal die Band, und dann kam schon das Angebot von Stern Meißen.“

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Heute ist IC Falkenberg wieder als Solokünstler unterwegs. Aber nicht nur die Musik treibt ihn an. Zu seinen Leidenschaften gehört auch das Fotografieren. „Ich fotografiere und fotografiere. Instagram, beispielsweise, ist für meine Fotos eine gute Plattform geworden“, erzählt er. „Es kommen seit Jahren auch immer mal wieder Leute und wollen, dass ich ausstelle. Bis jetzt hatte ich aber keine Zeit, das riesige analoge und digitale Archiv nach Arbeiten zu durchsuchen, die meinen Ansprüchen dafür genügen würden.“