Nicole Kidman zählt zu den bestbezahltesten Schauspielerinnen Hollywoods und hat bereits einen Oscar gewonnen.  AP Photo/Chris Pizzello

„Nachdem ich spontan ja gesagt habe, überkam es mich hinterher und ich hatte fürchterliche Angst.“ Von Kinomusical bis Horror – Nicole Kidman bewies in der Vergangenheit, dass sie allen Rollen und Genres gewachsen ist. Doch als die Australierin zusagte, Amerikas legendäre Sitcom-Darstellerin Lucille Ball zu spielen, war das für die 54-Jährige eine völlig neue Dimension. Denn bis heute wird Ball in der US-Popkultur als Kultperson verehrt und Kidman wollte ihr unbedingt gerecht werden. Der Film „Being the Ricardos“ (läuft am 21.12. auf Amazon Prime Video an) ist keine gewöhnliche Kinobiografie, sondern handelt von einer einzigen Woche im Leben von Ball im Jahr 1952.  

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Berliner KURIER: Es war eine Woche, an der Balls Privatleben erschüttert wurde und ihre Karriere am seidenen Faden hing.  

Nicole Kidman: Die Medien hatten herausgefunden, dass Lucille ihrem Vater zuliebe als junge Frau in die kommunistische Partei eingetreten war. Und dann gab es Gerüchte, dass ihr Mann Desi fremd ging. Deshalb musste sie alles auf eine Karte setzen und eine perfekte Folge ihrer Sendung drehen, die alles vergessen ließ!  

Nehmen Sie eigentlich öfter Rollen an, ohne vorher darüber nachzudenken, ob Sie diesen überhaupt gewachsen sind? 

Leider ja. Irgendwie sitzt bei mir eine Schraube locker. Mit fehlt die innere Stimme, die sagt „Sei vorsichtig!“ Ich treffe total spontane Entscheidungen. Schrecklich, wie ein Teenie (lacht).

Der offizielle deutsche Trailer zu „Being the Ricardos“.

Quelle: Youtube

Als Sie den ersten Schock überwunden hatten, wie haben Sie sich dann auf die Rolle vorbereitet? 

Ich habe mir monatelang Folgen der „I Love Lucy“-Show angeschaut. Damit ich genauso klinge und mich genauso bewege wie Ball als Lucy in der Show. Sie hatte eine sehr eigentümliche Art, wie sie ihren Körper einsetzt. Ich musste lange üben, bis ich ihren Bewegungsstil und ihre Anmut genau hinbekommen habe.    

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Was war die größte Herausforderung für Sie? 

Ich musste gleich zwei Stimmen einstudieren. Auf der einen Seite die von Lucy aus der Sitcom. Schwieriger war die Stimme von Lucille Ball im wahren Leben. Sie hatte eine dunklere Stimme als ich, weil sie eine starke Raucherin war. Daran musste ich mit einem Stimmencoach hart arbeiten.  

Im Film stellen Sie die wohl berühmteste Folge aus Balls Sitcom nach. In dem liefert sie sich einen urkomischen Kampf in einem riesigen Weintrauben-Trampelfass mit einer Winzerin. Sieht echt nach Spaß aus! 

Es war ein Mordsspaß! Allerdings war es auch eine richtig komplizierte Choreografie, die wir einstudieren mussten. Zumal ich eines bei den Trocken-Proben überhaupt nicht eingeplant hatte: Echte Weintrauben sind sehr, sehr glitschig. Allein wegen dieser Szenen kann ich wirklich sagen, dass es total witzig war, Lucy zu spielen. Der Lucille-Teil meiner Rolle war weniger spaßig.  

AP/Amazon/Glen Wilson
Javier Bardem und Nicole Kidman in einer Szene aus „Being the Ricardos“.

Wieso?

Sie musste teilweise in einer sehr vergifteten Atmosphäre am Set und der realen Welt agieren – das hat mich persönlich echt erschüttert. Das Problem war auch, dass ihr Mann und ihre beste Freundin am Set arbeiteten und Lucille als Produzentin ihre Chefin war. Das gab oft Spannungen.    

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Ball war mit ihrem Serien-Ehemann Desi Arnaz auch im wahren Leben verheiratet. Und der hatte damit Probleme, in der Öffentlichkeit die 2. Geige zu spielen. Wie geht Ihr Ehemann Keith damit um, wenn Fans plötzlich nur auf Sie zustürmen und Autogramme wollen?  

Keith hat damit keine Probleme. Er ist sogar derjenige, der mir dann sofort anbietet: „Lass mich deine Handtasche halten und geht spielen, Schatz!“  

Beide Kinder von Ball und Arnaz haben versucht, in die Fußstapfen ihrer Eltern als Schauspieler zu treten…  

…und beide fungieren übrigens auch als Produzenten des Films!  

AP Photo/Ed Rode
Sind seit 2006 verheiratet und haben zwei gemeinsame Töchter: Nicole Kidman und Keith Urban.

Haben Ihre Töchter auch Interesse, Ihnen und Keith ins Showgeschäft zu folgen?  

Bei meiner Älteren weiß ich bereits, dass sie Interesse hätte. Sie will Filmemacherin werden. Sie schreibt bereits ihre eigenen Drehbücher und führt bei ihren Filmchen auch die Regie. Ich finde es toll, wenn mein Kind meinen Berufszweig toll findet.    

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Sie sind trotz aller Ihrer Erfolge immer sehr zugänglich geblieben und haben keine Starallüren. Wie schaffen Sie es, nicht abzuheben?  

Ich war nie ein Fan davon, ein aufgeblasenes Ego zu haben. Das kann sehr destruktiv sein! Für mich ist die Schauspielerei immer Teamwork gewesen. Als Schauspielerin ist es deine Aufgabe, die Kreativität der Gruppe an die Zuschauer weiterzuleiten. Was nicht heißt, dass du nicht selbstbewusst sein darfst. Du musst in unserer harten Branche an deine Stärken glauben. Doch wenn Narzissmus daraus wird, betreibt man Selbstsabotage.  

Noch einmal zurück zur Ausgangsfrage: Haben Sie es eigentlich im Nachhinein jemals bereut, vorschnell eine Rolle angenommen zu haben?  

Nein. Ich liebe Schauspielern und ich sehe jede Rolle, die ich bekomme, als Privileg an.