Steht von Kindesbeinen an vor der Kamera: Schauspielerin und Regisseurin Jodie Foster.  Foto: imago/Apress

Was sie anfasst, wird ausgezeichnet. Im doppelten Sinne des Wortes. Nach drei Jahren Kinoabstinenz steht Jodie Foster (58) mal wieder vor der Kamera … und landet gleich auf der Liste der Nominierten für einen Golden Globe. Mit – wie am Anfang ihrer Karriere beim Oscar – einer Nebenrolle. Aber einer, die ihr am Herzen liegt. In „The Mauritanian“ vertritt sie als Anwältin einen ohne Anklage im berüchtigten Straflager Guantanamo inhaftierten Mann.

Berliner KURIER: Warum haben Sie für die Rolle Ihre künstlerische Abstinenz abgebrochen?

Jodie Foster: Der Film basiert ja auf wahren Begebenheiten. Er beleuchtet, was wir uns als Nation nach 9/11 im Namen des Krieges gegen den Terror haben zuschulden kommen lassen. Ich habe diesen Film auch für meine Kinder gedreht, weil es für ihre Generation sehr relevant ist!

Foto: Graham Bartholomew/STXfilms via AP
Jodie Foster in einer Szene des Thrillers „The Mauritanian“.

Haben Ihre Söhne Kit und Charles ein Mitspracherecht, wenn Mutter sich für ein Projekt engagiert?

Ehrlicherweise bevorzuge ich es, meine eigenen Entscheidungen zu treffen und meinem Bauchgefühl zu folgen. Ich fürchte, dass es keine besonders gute Seite von mir ist. Aber ich bin dadurch geprägt, dass meine Mutter als Kind meine Managerin war. Und sie hat ständig die Entscheidungen für mich getroffen oder mir reingeredet. Als wir uns beruflich getrennt haben, habe ich für mich beschlossen, dass ich nie wieder andere bei meinen Rollen mitbestimmen lasse.

Sieht man Sie deswegen nur noch sporadisch auf der Leinwand?

Ich bin im Laufe der Jahre immer selektiver geworden bin. Ich genieße nämlich mein Leben außerhalb der Filmbranche über alles. Ich spare mir meine Energie für Projekte auf, die mir persönlich etwas bedeuten. Und davon gibt es nur sehr wenige.

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Was hat in Ihrem Leben Vorrang?

Für Menschen da zu sein.

Ihre Kinder also.

Die in erster Linie, aber auch für meine Freunde und Familie – Menschen, die mir wichtig sind. Wenn man mit 35 noch Mutter wird, dann will man einfach nichts im Leben der Kids verpassen, egal ob es eine Aufführung im Kindergarten ist oder mit ihnen Schuhe kaufen zu gehen. Einfach da zu sein und mit ihnen im Auto über Gott und die Welt reden zu können – das war und ist mir über alles wichtig. Und das geht nicht, wenn man nur auf Filme fokussiert ist.

Wollen Ihre Söhne in Ihre Fußstapfen treten?

Ja, mein älterer Sohn Charles hat auf jeden Fall Interesse am Schauspiel. Er liebt Filme über alles und er könnte auch Drehbuchautor werden oder irgendwas anderes in der Filmbranche machen. Mal schauen, wo das hinführt.

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Was kann Charles von Ihnen lernen?

Die Rolle vor der Haustür zu lassen. Das habe ich von früh auf gelernt.

Was ist das Schönste und das Schlimmste an Ihrem Beruf als Schauspielerin?

Das Schönste ist auf jeden Fall die Gemeinschaft am Set, dieses Gefühl, eine Familie zu sein. Und das Härteste sind die Momente, an denen du übermäßig selbstkritisch bist und dich als Versagerin abstempelst. Weil du etwas nicht so rübergebracht hast, wie du es dir ausgemalt hast.

Foto: imago/Mary Evans
Millionen von Zuschauern gruselten sich bei „Das Schweigen der Lämmer“ mit Anthony Hopkins, Jodie Foster und Scott Glenn (v.l.) in den Hauptrollen.

Vor 30 Jahren kam „Das Schweigen der Lämmer“ in die Kinos. Ihre Kultrolle der FBI-Agentin Clarice Starling kommt im nächsten Monat in einer Neubearbeitung als Fernsehserie heraus. Was halten Sie davon?

Ich bin auf jeden Fall happy, dass ich mein Bestes als Clarice damals gegeben habe. Und ich bin sehr neugierig, was sie aus der Rolle machen.

Hätte Sie damals gedacht, dass der Film so unglaublich einschlagen würde?

Ich wusste, wie gut er war – mit dieser unglaublichen Mischung aus psychologischem Thriller und Horrorelementen. Aber nicht immer sind Projekte, die ich geliebt habe, auch erfolgreich gewesen.

Anthony Hopkins hat in einem Interview gesagt, dass er sogar ein bisschen Angst vor Ihnen hatte. Weil Sie damals eine berühmte Oscargewinnerin und er ein fast unbekannter Schauspieler war.

(lacht) Ich glaube, wir hatte beide ein wenig Schiss voreinander. Und das war vom Regisseur auch gewollt. Er hat uns am Set auseinandergehalten – bis wir diese intensiven Szenen miteinander hatten. Das tat dem Film gut.

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Wenn Sie auf die drei Jahrzehnte zurückblicken, wie sehr haben Sie sich als Schauspielerin und als Mensch verändert?

Damals war ich einfach viel sorgloser als heute – gleichzeitig aber viel nervöser und neurotischer, wenn Dinge nicht geklappt haben. Heute bin ich viel selbstbewusster und gebe nicht einfach auf, wenn Dinge nicht klappen.

Sie sind seit über einem halben Jahrhundert in Hollywood erfolgreich. Wie würden Sie selbst Ihre Karriere zusammenfassen?

Auch wenn es nicht immer perfekt gelaufen ist, hoffe ich, dass meine Filme eines besonders herausgehoben haben. Etwas, was ich auch meinen Kindern sage: Tut immer das Richtige!