Emily Blunt bei der Premiere von „A Quiet Place II“ in New York City im März 2020. imago/Runway Manhattan

Eine postapokalyptische Welt, in der eine Familie gegen geräuschjagende Kreaturen um ihr Überleben kämpfen muss – „A Quiet Place“ jagte den Zuschauern 2018 sehr erfolgreich eine Gänsehaut ein. Im zweiten Teil des Horrorfilms (läuft am 28. Juni in den US-Kinos an) ist Emily Blunt alias Evelyn diesmal auf sich allein gestellt. Sie muss sich und ihre Kinder ohne ihren Film-Ehemann John Krasinski (mit dem sie auch im echten Leben verheiratet ist) gegen die Monster verteidigen.

Berliner KURIER: Was ist denn mit John im Film geschehen?

Emily Blunt: Ich will das nicht vorwegnehmen. Aber ich stehe als Evelyn ohne meinen Partner und ohne unseren sicheren Rückzugsort da. Unser Haus wurde zerstört und ich muss mich mit meinen beiden Kindern und einem neugeborenen Baby draußen allein durchschlagen. Es gibt zwar noch andere Menschen in der Gegend, aber ich weiß nicht, wem ich trauen kann. Ich werde zur Bärenmutter, der es allein darum geht, ihre Jungen mit allen Mitteln zu verteidigen.

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Gegen Monster, die aus heiterem Himmel aufgetaucht sind. Das passt in die jetzige Zeit. Ein unsichtbarer Killer, der plötzlich die Welt beherrscht und tötet.

Es ist schon krass, wie viel mehr sich die Leute 2021 mit diesem schrecklichen Konzept identifizieren können. Der Film sollte ja schon letztes Jahr herauskommen, doch der Start wurde mit Ausbruch der Pandemie gecancelt. Deshalb hingen während des ersten Lockdowns monatelang noch die Poster von „A Quiet Place 2“ in den menschenleeren New York und Los Angeles herum. Ich wurde ständig von Leuten darauf angesprochen, wie schaurig sie es fanden. Ich fand es auch etwas unheimlich.

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Können wir etwas aus dem Film für unsere Realität übertragen?

Ich denke schon. Dass es schwieriger ist, gegen einen gemeinsamen Feind zu kämpfen und diesen zu besiegen, wenn die Gesellschaft zerbrochen ist. Wir Menschen müssen einfach zusammenhalten und eine Gemeinschaft bilden, wenn wir am Ende siegen wollen!

Wenn Sie nicht mit ihm verheiratet wären, wie würden Sie John Krasinski objektiv als Regisseur bewerten?

Als einen echten Perfektionisten, der „Nein“ als Antwort nicht akzeptiert. Außer das „Nein“ kommt von mir! (lacht) Ansonsten findet er immer einen Weg, sich seine kreative Version zu erfüllen. Er beißt sich fest. Das liebe ich so an ihm!

Haben Sie ein Beispiel?

Am Anfang des Films gibt es eine Autoszene, die das Studio aus dem Drehbuch streichen wollte, weil sie technisch nicht machbar war. Doch John hat ein besonderes Kamera-Equipment in Deutschland gefunden und bestellt. Mit dem konnte man durchs Autodach filmen.

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Emily Blunt und ihr Ehemann John Krasinski bei einer Preisverleihung in Los Angeles. imago/Media Punch

Ist es hart mit seinem Lebenspartner am Set zusammenzuarbeiten?

Mit genug „McCallum 12“-Whiskey on the Rocks kommt man da irgendwie durch (lacht). Bei uns klappt es wirklich gut mit dem Vertragen am Set, weil wir sehr ähnliche kreative Vorstellungen haben. Wir schätzen uns nicht nur privat gegenseitig sehr, wir respektieren uns auch beruflich.

Aber geht man sich denn manchmal nicht auf die Nerven, wenn man sich ständig sieht – vor allem wenn das normalerweise als Schauspieler-Ehepaar anders ist?

Nein! Und wenn, dann würde ich das bestimmt nicht zugeben! (lacht) Ich habe das Gefühl, Sie haben Szenen von uns in Ihrem Kopf herumspuken, in denen wir uns abends zuhause mit Tellern befeuern. Es stimmt, dass wir wegen unserer Film-Projekte oft länger getrennt gewesen sind. Einer ist dann bei den Kindern geblieben, wenn der andere gedreht hat. Es war diesmal echt schön, so viel Zeit miteinander zu haben!

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Ihre Töchter sind 7 und 4. Haben Sie als Mama einen „Quiet Place“, einen Rückzugsort, an dem sie auch mal Ihre absolute Ruhe haben?

Absolute Ruhe ist sehr selten. Dann muss ich schon allein zuhause sein, was fast nie der Fall ist. Am ehesten wenn ich John auftrage, mit den Girls mal rauszugehen. Nur dann finde ich auch die Gelegenheit, ein Buch zu lesen.

Sie wachsen als Mutter, die ihre Kids verteidigt, im Film über sich hinaus. Ist das in Ihrem Leben auch schon mal passiert?

Jetzt nicht so wie im Film, wo es um Leben und Tod geht. Aber es gab einen kritischen Moment. Unsere ältere Tochter Hazel ist von ihrem Scooter gestürzt und hat sich das Kinn ganz schlimm aufgeschlagen. Mitten in Brooklyn auf der Straße. John hat sie auf den Arm genommen und wir sind in Rekordzeit 15 Häuserblöcke in die Notaufnahme gerannt. Dort mussten sie das Kinn mit 15 Stichen nähen, es war grauenvoll.

Sie und John scheinen sich wirklich perfekt zu ergänzen, auch nach 11 Jahren Ehe!

Er ist als Ehemann und Vater wie sechs Richtige für mich und unsere Girls. Ich bin mir sicher, wir waren füreinander bestimmt.

Ihr Film spielt mit Urängsten. Was ist Ihre größte Angst?

Da geht es mir wie Evelyn im Film. Die Angst, jemanden zu verlieren, den ich liebe. Ich habe das bislang nur einmal erlebt. Als meine Oma gestorben ist. Ich war am Boden zerstört. Jetzt, wo ich älter werde, kenne ich schon Freunde, die ein Elternteil verloren haben. Ich versuche einfach nicht daran zu denken und mich auf die schönsten Aspekte meines Lebens zu konzentrieren.

Die wären?

Meine Kinder, meine Familie, mein Job – das ganze wunderbare Paket. Ich bin einfach nur dankbar für mein Leben. Ich liebe es über alles!