Hollywood-Star Kevin Costner bei einer Netflix-Premiere im März 2019. Foto: imago images/Future Image International

Hat Kevin Costner schon einmal eine Serie gemacht? Ja, bloß hat es kaum einer gemerkt. Weil er nur in drei Folgen von „Hatfields and McCoys“ zu sehen war. Offenbar hat der 65-Jährige etwas gegen lange TV-Verpflichtungen. Wie knackt man diese Aversion? Mit einer Notlüge. Die Produzenten von „Yellowstone“ – feiert am 24. Deutschlandpremiere auf AXN – lockten den Oscargewinner mit der Aussicht, dass es nur eine Staffel für die moderne Version von „Bonanza“ geben würde. Als Land-Baron John Dutton muss Costner sich in Montana mit Behörden, Rivalen und Familie herumschlagen. Und das macht er so erfolgreich, dass in Amerika bereits die dritte Staffel gedreht wird – weiterhin mit dem „ausgetricksten“ Superstar.

Berliner KURIER: Waren Sie nicht sauer, als Sie erfuhren, dass es doch keine einmalige Rolle sein würde?

Kevin Costner: Ich war sogar kurz davor, alles hinzuwerfen. Doch ich hab dann schnell gemerkt, dass ich doch bereit war, etwas zu tun, was ich ursprünglich nicht so geplant hatte.

Wie groß ist der Unterschied zwischen Leinwand und Bildschirm?

Für mich ist es kein Unterschied. Der Dreh geht morgens früh los und endet spät abends. Und ich bereite mich genauso übergründlich auf meine Szenen vor, als wäre es ein Kinofilm. Auch wenn ich nur einen kleinen Auftritt hier und da habe.

Eine Szene aus der zweiten Staffel von „Yellowstone“. Zu sehen sind Kelly Reilly, Kevin Costner, Luke Grimes, Wes Bentley (v. l. n. r.).
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Sie drehen mitten in der Covid-Pandemie ...

Unter strengen Auflagen. Zwischen den Szenen muss jeder Gesichtsmaske tragen. Ich werde jeden Montag, Mittwoch und Freitag getestet. Und als es den Verdacht gab, dass mein Assistent sich mit Covid angesteckt haben könnte, musste ich mich in Selbstquarantäne begeben.

Sie waren mit anderen Worten arbeitslos.

Nur für eine Woche. Ich schätze mich glücklich, in diesen schweren Zeiten überhaupt arbeiten zu dürfen!

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In der Rolle des Eliot Ness gelang Kevin Costner (2. v. l.) 1987 in „The Untouchables – Die Unbestechlichen“ mit Charles Martin Smith, Sean Connery und Andy Garcia (v. l. n. r.) der internationale Durchbruch.
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Auch wenn Sie von Ihrer Familie getrennt sind?

Ich vermisse meine Frau und meine Kinder unheimlich. Niemand darf das geschlossene Set in Montana verlassen. Ich schreibe meinen Kindern jeden zweiten Tag kleine Briefe und dann telefonieren wir.

Per Video?

Na klar. So kann ich dann sehen, ob sie schon wieder gewachsen sind. Und ich kann ihnen in die Augen schauen, wenn ich ihnen sage, wie stolz ich auf sie bin.

Was ist das Wichtigste, was Sie Ihren Kindern mit auf den Lebensweg geben können?

Die Neugier darauf, was in der Welt gerade geschieht. Meine Jüngeren sind 13, elf und zehn und ich spreche regelmäßig mit ihnen über alles Wichtige, was in unserer Gesellschaft und in der Welt vor sich geht. Ich versuche ihnen vorzuleben, dass man über seinen Tellerrand hinausschauen soll. Am besten geht das übrigens durch Reisen. Weil man dann sieht, dass es auch noch andere wundervolle Lebensweisen gibt, von denen man sonst nie erfahren hätte.

Kevin Costner und seine Ehefrau Christine Baumgartner und ihren Kindern Grace Avery Costner, Hayes Logan Costner und Cayden Wyatt Costner (v. l. n. r.) bei einer Filmpremiere im August 2019 in Los Angeles. Foto: imago images/APress

Ihrem Serienhelden John Dutton geht das Wohl seiner Familie über alles. Wie ähnlich sind Sie ihm darin?

Sehr. Deshalb kann ich mich so gut in ihn hineinversetzen. Wie einem das Leben der Menschen, die man liebt, wichtiger wird als sein eigenes. Und wenn irgendein Soziopath meine Liebsten bedrohte, dann wäre das ein fataler Fehler für ihn. Ich kann dann so tödlich sein wie kein anderer.

Sie besitzen auch im wahren Leben eine Ranch.

Und so wie John Dutton bin ich wegen behördlicher Auflagen manchmal ziemlich gefrustet. Wenn du Land besitzt, dann kannst du leider nicht all das damit machen, was du gerne tun willst. Grundsätzlich bin ich dafür, die Natur so unberührt wie möglich zu belassen. Gesetze und Regeln müssen gut durchdacht sein und auf gesundem Menschenverstand basieren.

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Gesetze werden von Politikern gemacht.

Ich hasse die Politik und lasse mich da nie reinziehen. Auf der anderen Seite halte ich auch nie mit meiner Meinung hinterm Berg. Aber nicht, um den Leuten vorzuschreiben, wie sie zu denken oder wen sie zu wählen haben. Ich informiere alle einfach, was ich mache und denke.

Weihnachten steht vor der Tür. Was sind die Traditionen im Hause Costner?

Ich bin ein sehr religiöser Mensch und Weihnachten feiern wir die Geburt von Jesus. Mir ist es wichtig, dass wir Weihnachten alle zusammen sind. Meine Frau Christine schafft es immer wieder, dass unser Haus unglaublich warm und einladend ist. Sie hat daraus eine Kunstform gemacht.

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Haben Sie Wünsche zum Fest?

Dass wir als Familie noch möglichst viele zusammen feiern werden. Ich will meine Kinder aufwachsen sehen. Ich will die Partner kennenlernen, die sie sich auswählen. Und ich will mit Christine um die Welt reisen.