Bettina Zimmermann und Michael Kessler bei ihrer Aufnahme für das Hörspiel „Kohlrabenschwarz“. Foto: Just Publicity/Audible

Bettina Zimmermann (45) weiß, wie sie ihren Fans das lange Warten auf eine mögliche sechste Staffel der schwer erfolgreichen Comedyserie „Der Lack ist ab“ versüßt. Die Schauspielerin und Synchronsprecherin ist seit 19. November in dem Audible-Original-Hörspiel „Kohlrabenschwarz“ von Tommy Krappweis und Christian von Aster zu hören. Rabenschwarz ist vor allem die Handlung des Spiels: es geht um Kriminalfälle, die von düsteren Märchen inspiriert wurden. Alte Sagen, blutige Bräuche im Bayern-Idyll – alles schön gruselig. Sprechend spielt Zimmermann die etwas eso angehauchte Ex-Frau eines Polizei-Seelsorgers (Michael Kessler). Er soll das Verschwinden von Kindern aufklären. Ihre eigenen Kinder hat die Lebensgefährtin von Kai Wiesinger (54) übrigens längst vor die Tore Berlins verpflanzt. Zimmermann ist mit ihrer Familie aufs Land gezogen. Der KURIER sprach mit der Powerfrau.

Berliner KURIER: Sie können echt gruselig sein. Hat Ihnen das schon mal jemand gesagt?

Bettina Zimmermann: Nee, hat mir noch keiner gesagt, aber finde ich ja gut (lacht).

Wo nehmen Sie das her? Im Hörspiel klingt es jedenfalls echt.

Es ist eigentlich ganz ähnlich wie beim Drehen. Man macht sich Gedanken über die Rolle: Wie ist der Charakter der Figur, wie denkt sie über gewisse Dinge, wie spricht sie und wie ist ihre Haltung? Oder auch: Ist die Figur eher schluffig oder aufrecht und zielstrebig? Man baut sich also ein Gerüst, so eine Art Profil der Figur. Beim Hörspiel ist es noch mal so, dass man stärker nach Eigenschaften sucht, die die körperliche Haltung unterstützen. Das hört man nämlich am Klang der Stimme. Stocksteif redet man völlig anders, als jemand, der schön locker vorm Mikrofon steht – nur als Beispiel. So gibt man dem Ganzen also mehr Tiefe und Glaubwürdigkeit.

Bettina Zimmermann macht jetzt auch Hörspiele. Foto: Just Publicity / Audible

Ich hätte nie gedacht, dass Sie das so perfekt hinbekommen. Selbst der Hall der Stöckelschule klingt nach Bettina Zimmermann.

(Lacht.) Das macht natürlich der Tontechniker, da sind wir in einem anderen Bereich. Die Stöckelschuhe spiele ja nicht ich, sondern das wird später drübergelegt. Wir hatten das Glück, dass wir das alles vor Corona aufgenommen haben. Wir konnten als Sprecher alle vier in einem Raum stehen und uns gegenseitig spüren, sehen und miteinander agieren und uns auch ins Wort fallen, und somit hört sich alles natürlich viel homogener an. Das hat wahnsinnig viel Spaß gemacht. Die Figuren sind ja extrem schlagfertig, was den spritzigen Dialogen zu verdanken ist. Jetzt, zu Corona-Zeiten, hätten wir das alles einzeln aufnehmen müssen, das hätte man in der Stimmung vielleicht ein bisschen gespürt.

Von Märchen inspirierte Verbrechen, mit Komik und Mystery verpackt. Was hat Sie daran besonders interessiert?

Die Idee dazu hatte Michael Kessler. Zusammen mit Tommy Krappweis hat er es dann entwickelt. Als ich das Buch bekommen habe, dachte ich: Kohlrabenschwarz, schon der Titel ist super. Und als ich dann gehört habe, dass es Mystery und Crime, verpackt mit Komödie ist, war ich wie angezündet. Das ganze Buch hat sich so locker und leicht weggelesen, war keine Sekunde langweilig und obendrein wahnsinnig spannend und skurril. Eine tolle Kombination, die ich so vorher noch nicht kannte-  es hat mich richtig gefesselt. Vor allem ist die Kombination der Verbrechen in der Gegenwart verbunden mit Mythen und Volksmärchen für mich perfekt,  denn ich bin ja doch jemand, der sich schnell gruselt und wenn es dann zu sehr real wird, was man ständig sowieso schon in den Nachrichten liest, dann wird es für mich schwierig.

Finden Sie Märchen grundsätzlich schauerlich?

Jedenfalls fiel mir schon vor „Kohlrabenschwarz“ auf, dass wenn man seinen Kindern Märchen vorliest, zum Beispiel „Rotkäppchen“, dann kommen Wörter wie „Bauch aufschneiden" oder  "aufschlitzen“ drin vor. Und beim Vorlesen dachte ich dann: okay! Man wird schnell kreativ und fängt an, Wörter auszutauschen, um das Ganze nicht so brutal klingen zu lassen. Als Erwachsener empfindet man diese Sprache ja viel härter. Wenn man als Erwachsener die Wörter „ Bauch aufschlitzen“ hört, hat man andere Bilder im Kopf als ein Kind. Deswegen finde ich „Kohlrabenschwarz ja auch so gut: weil es hier gelingt, die Märchen und Mythen in die Erwachsenenwelt zu holen. Denn es ist natürlich ein Hörspiel für Erwachsene und keine Kindergeschichte.

Sie spielen es Ihren Kindern nicht vor?

Kinder sollten dieses Hörspiel auf jeden Fall nicht hören! Es ist zwar eine ganz tolle, humorvolle, schlagzüngige Unterhaltung, die aber vor allem sehr spannend und gruselig ist, es ist definitiv nichts für Kinderohren. Dafür braucht man starke Nerven oder wenigstens gute Nerven. Leute, die sich gern über einen normalen Krimi hinausbewegen, werden es lieben. Es ist perfekt für diese Jahreszeit, in der man sich zurückzieht, es sich gemütlich macht. Ansonsten aber sind Hörspiele natürlich wunderbar für Kinder. Gerade in Corona-Zeiten. Kinder werden bei uns nicht vorm Fernseher geparkt.

Die dürfen das nur dosiert sehen?

Total. Weil es so viele andere Sachen gibt, die man anregen kann und die die Kreativität fördern. Und da finde ich das Hörspiel ganz toll, weil die Kinder sich da erst mal selber ihre Bilder im Kopf kreieren müssen. Natürlich ist es schön, auch einen tollen Film zu gucken, aber das sollte immer was Besonderes sein und nicht nach dem Muster funktionieren: Jetzt brauche ich meine Ruhe, setzt euch mal vor den Fernseher.

Brauchen Ihre Kids überhaupt noch so viel Medienunterhaltung, jetzt, wo Sie nicht mehr in der Stadt wohnen?

Es hat sich nicht geändert. Sie skypen mit ihren Freuden, klar. Damit sie sich wenigstens da haben in Corona Zeiten. Und das manchmal auch länger. Anfangs habe ich das gar nicht so gern gesehen und bin mit Zeitlimits dazwischengegangen. Dann habe ich aber festgestellt, die malen nebenbei oder machen irgendwas anderes Schönes und haben gleichzeitig auch ihre Freunde da, und es läuft so mit. Für die fühlt sich das in dem Moment so an, als würden sie zusammen sein. Deswegen ist das völlig okay – solange sie nicht die ganze Zeit auf diesen Monitor starren. Ich möchte wissen, wann meine Kinder sich wo und was  im Internet anschauen, aber dafür gibt es bei uns auch klare Regeln und die werden auch eingehalten.

Foto: Imago  / Niehaus
Schauspielerin mit Leib und Seele

Bettina Zimmermann (hier mit ihrem Kollegen Armin Rohde) wurde am 31. März 1975 im niedersächsischen Burgwedel geboren. Nach ihrem Abitur studierte sie in Hamburg Schauspiel, arbeitete schon da oft als Model. Ihren ersten Filmauftritt hatte sie in „Fisimatenten“ (2000), danach folgten diverse Rollen in TV- und Kinoproduktionen. Zimmermann arbeitet auch als Synchronsprecherin, u.a. als Stimme für  Diane Lane und Angelina Jolie. Kultstatus erreichte sie mit der Comedy-Serie „Der Lack ist ab“ (seit 2015) nach einer Idee ihres Lebensgefährten Kai Wiesinger, der selbst auch mitspielt und Regie führt. Das Paar hat mehrere Kinder und lebt mittlerweile vor den Toren Berlins.

Was war eigentlich so schlimm an Berlin, dass Sie aufs Land ziehen mussten?

Das Schlimme an Berlin? Beruflich arbeiten wir ja sowieso nicht immer an einem festen Ort. Und für uns war das eigentlich klar, dass wir irgendwann rausziehen möchten, das war vor Corona und ist jetzt natürlich ein Segen. Ich mag Berlin, aber dosiert. Es ist vielleicht eine Altersfrage. Als junger Mensch zieht man dahin, und man hat diese ganze Kreativität vor Augen, die Berlin damals hatte, die ich jetzt nicht mehr so stark spüre. Berlin ist toll und ich bin immer wieder gern da, aber ich freue mich umso mehr, wenn ich wieder nach Hause komme und hier bin. Und so weit sind wir ja auch nicht weg. Gerade jetzt im Sommer waren unsere Freunde immer happy, wenn sie zu uns kommen konnten. Und viele fragen uns: Wenn ihr hört, dass irgendwo was frei ist, sagt uns Bescheid. Viele suchen etwas außerhalb der Stadt. Sie wollen raus. Gerade in Zeiten, wo es immer mehr um Homeoffice geht, was einige Firmen ja auch nach Corona einhalten wollen – falls es dieses „danach“ überhaupt gibt. Und für Kinder ist es sowieso immer besser, wenn man rausgeht und einen großen Garten hat zum Spielen.

Ehrlich: Gibt es eine sechste Staffel von „Der Lack ist ab“?

Eigentlich war die fünfte Staffel für uns das Ende, wir haben aber nach wie vor so eine Nachfrage, dass wir die Corona-Zeit jetzt auch ein bisschen dafür genutzt haben. Also, es wird keine neue Staffel geben, aber wir haben die eine oder andere Idee, die wir dann irgendwann, wenn wir mal wieder Zeit haben, auch umsetzen werden. Wir sind selber überrascht, dass wir anscheinend eine große Gemeinde haben, die das gern weitersehen würde. Aber für uns war immer klar: Wir wollen kein Ausläufer werden.