Damit Helena Zengel neben Tom Hanks in dem Hollywood-Western „Neues aus der Welt“ spielen konnte, biss sie ihrer Mutter in die Hand. Foto: Gregor Fischer/dpa

Was tut man nicht alles für eine Rolle. Damit Helena Zengel neben Tom Hanks in dem Hollywood-Western „Neues aus der Welt“ spielen konnte, biss sie ihrer Mutter in die Hand. Nein, es war keine spontane „Systemsprenger“-Aktion, sondern auf Anweisung von Regisseur Paul Greengrass. Der wollte sehen, wie Helena ihren Filmpartner (die Mama mimte beim Vorsprechen Tom Hanks) malträtieren kann. Das Ergebnis: „Du hast die Rolle.“ Das Problem für die Berlinerin (12): „Ich habe nicht verstanden, was er gesagt hat, weil damals mein Englisch noch nicht so gut war.“ Inzwischen ist es fast perfekt, wie sie in unserem Interview bestätigt. „Wir können Deutsch oder Englisch sprechen“, bietet sie mir an.

Berliner KURIER: Lass uns Deutsch reden! Aber dein Englisch ist ja wirklich super, du hast gar keinen Akzent. Wie kommt das?

Helena Zengel: Ich hab ganz normal ab der dritten Klasse Englisch in der Schule gehabt. Und dann haben wir eine Kreuzfahrt mit Freunden aus Rumänien gemacht. Die sprachen kein Deutsch und wir konnten uns nur auf Englisch unterhalten. So bin ich richtig gut geworden.

Sprichst du sonst noch Sprachen?

Jetzt habe ich auch Spanisch in der Schule. Und als ich in Schweden war, habe ich ein ganz, ganz bisschen Schwedisch gelernt. Und für den Film dann Kiowa.

Der Akzent des Indianerstammes, der dich im Film aufgezogen hat. War der schwer zu lernen?

Im Anfang schon, weil man genau den richtigen Akzent bei der Aussprache treffen muss. Aber inzwischen macht es echt Spaß und ich finde, es ist eine echt tolle Sprache.

Du scheinst Herausforderungen zu mögen!

Ja sehr. Insbesondere die, die ich mir selbst gesucht habe. Und die können dann auch ruhig schwer sein, damit kann ich umgehen. Egal ob es Tests in der Schule sind oder anspruchsvolle Rollen.

Zengel wurde mit dem deutschen Kino-Drama „Systemsprenger“ bekannt Foto: ZVG

Gehst du auf eine Privatschule?

Bei den Dreharbeiten habe ich natürlich einen Privatlehrer. Aber in Deutschland gehe ich auf eine ganz normale Schule.

Bist du eine gute Schülerin?

Ja, ich habe sehr gute Noten. Ich mag Schule sehr. Ich wäre echt gelangweilt, wenn ich nur zu Hause unterrichtet werden würde. So wie jetzt während der Pandemie. Ich vermisse meine Klassenkameraden total.

Was sagen die eigentlich zu deiner Karriere?

Die freuen sich mit und staunen darüber, was ich alles schon tun durfte. In der Schule bin ich eine Schülerin wie jede andere und nicht ein Star oder so was.

Aber du weißt schon, dass du Talent hast.

Deshalb will ich auch auf jeden Fall Schauspielerin werden und vielleicht auch nebenbei Regisseurin.

Der nächste Schritt wäre dann Hollywood. Bist du schon einmal da gewesen?

Ich war schon in Los Angeles und wäre jetzt auf der Promo-Tour auch wiedergekommen. Aber die ist ja wegen Covid ausgefallen. Aber ich bin sicher, dass ich da noch mal hinkomme, wenn ich öfter in Amerika drehe.

Könntest du dir vorstellen, in Amerika oder Hollywood zu leben?

„Also ja, I mean … (kichert) jetzt spreche ich schon Denglisch... Was ich an Hollywood mag ist, dass es da oft oder fast immer warm ist. Aber ich mag es auch, in Deutschland zu sein.

Im Film bist du kratzbürstig. Wie bist du normal?

(lacht) Also ich manchmal ziemlich übermütig. Aber ich bin ein ganz normales zwölfjähriges Mädchen.

Hast du 'ne Berliner Schnauze?

Ich glaube schon (lacht).

Was machst du am liebsten in deiner Freizeit?

So viel. Ich liebe Musik und spiele Klavier. Außerdem reite ich für mein Leben gern.

Hast du ein eigenes Pferd?

Ja. Ein Islandpony, eine Mähre. Sie heißt Hekla und ist 11 Jahre alt.

Helena Zengel spielt neben Tom Hanks in dem Hollywood-Western „Neues aus der Welt“. Foto: Bruce W. Talamon/Universal Pictures via AP

Wie ist es eigentlich, mit einem Weltstar wie Tom Hanks zusammenzuarbeiten?

Wir hatten eine tolle Verbindung. Er hat mir einen wichtigen Tipp gegeben, wie man in unserem Job erfolgreich bleibt. Er meinte: 'Sei immer pünktlich, kenne deinen Text und sei zu allen am Set freundlich.' Ich habe so viel von ihm gelernt.

Und er auch etwas von dir?

Ja! Ich habe ihm Reiten beigebracht! Und ein bisschen Deutsch. Jetzt kann er „Wo bekomme ich hier Essen?“ sagen.

Hast du mit ihm seit Ende der Dreharbeiten noch Kontakt?

Ja ständig. Wir schicken uns Fotos und schreiben, wer gerade wo ist und was wir machen.

Du hast schon so jung so viel erreicht. Was wünscht du dir für die Zukunft?

Als Allererstes, dass das Coronavirus uns endlich in Ruhe lässt und dass dann 2021 ein großartiges Jahr wird.