Kim de l'Horizon freut sich bei der Verleihung des Deutschen Buchpreises.
Kim de l'Horizon freut sich bei der Verleihung des Deutschen Buchpreises. dpa

Kim de l'Horizon gilt als neuer Superstar der Literaturszene, doch viele Menschen empfinden nichts als Hass und Verachtung für die Person, die gerade mit dem Deutschen Buchpreis für das ungewöhnliche Werk „Blutbuch“ ausgezeichnet wurde. Nach Angaben des Verlags, der das am Montag im Vorfeld der Buchmesse in Frankfurt am Main ausgezeichnete Buch im Programm hat, häufen sich demnach vor allem im Internet neben vielen Glückwünschen auch queerfeindliche Angriffe.

Kim de l'Horizon zeigt mit krasser Protest-Aktion Solidarität mit Frauen im Iran

Hintergrund ist, dass sich Kim de l'Horizon, geboren in der Schweiz, als nichtbinär versteht, also sich weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht eindeutig zurechnet. Was dies bedeutet, kommt neben vielen anderen kreativen Volten im „Blutbuch“ zur Sprache. Nonbinäre Menschen benutzen mitunter ungewöhnliche Pronomen wie „they/them“ statt sie oder er.

Kim de l'Horizon trägt einen Schnäuzer zum provokant-transparenten Netz-Oberteil, demonstrierte während der Preisverleihung Solidarität mit bedrohten Frauen im Iran in einer ungewöhnlichen Protestaktion: Statt eine Dankesrede zu halten, rasierte sich Kim de l'Horizon die Haare komplett ab – und geht damit deutlich weiter als viele Stars, die sich vor der Kamera nur von einer Strähne getrennt hatten, um gegen das brutale Vorgehen iranischer Sicherheitskräfte zu protestieren.  

Bedrohungen und miese Kritiken von Leuten, die Kim de l'Horizons „Blutbuch“ überhaupt nicht gelesen haben

Für Rechtsextreme und andere Menschen, denen queere Personen ein Dorn im Auge sind, ist Kim de l'Horizon eine Provokation. Und so sieht sich Kim de l'Horizon trotz der Würdigung und begeisterter Buch-Rezensionen queerfeindlichen Bedrohungen ausgesetzt. Der Verlag Dumont habe einen Sicherheitsdienst engagiert, um de l'Horizon zu schützen, berichtete der Kölner Stadt-Anzeiger am Donnerstag. 

De l'Horizon gewann den Buchpreis als erster nonbinärer Mensch. Der Verlag müsse nun viele Hassbotschaften löschen, hieß es weiter. Beim Onlinehändler Amazon häuften sich zudem schlechte Bewertungen mit einem Stern, die „häufig sehr offensichtlich von Menschen stammen, die das Buch nicht gelesen haben“. De l'Horizons weitere Termine auf der Buchmesse sollen dem Bericht zufolge aber wie geplant stattfinden. Das gelte auch für die Publikumstage.