Kunst-Experte Detlef Kümmel mit Moderator Horst Lichter und Kandidat Gunter Schmidt bei „Bares für Rares“. Foto: ZDF

Es muss für die Kandidaten der ZDF-Show „Bares für Rares“ das größte Glücksgefühl sein: Mit Objekten, die sie nicht mehr wollen, kommen sie ins TV-Studie. Dann übertrifft schon die Expertise die eigenen Erwartungen – und im Händlerraum gibt’s obendrein eine echte Überraschung. So erging es jetzt einem Kandidaten, der mit einem Bild in die Sendung kam. Die Einschätzung des Experten fiel verhältnismäßig niedrig aus, doch dann lieferten sich die Händler plötzlich eine echte Gebote-Schlacht!

Gunter Schmidt (78) kam mit einem edlen Kunstwerk ins Studio, darauf ein Waldstück mit Baum und einer kleinen Hütte. „Das habe ich von meinen Schwiegereltern, die hatten es schon von ihren Eltern geerbt“, erklärt der Kandidat in der Sendung. „Es hatte aber keinen Platz mehr an der Wand, zwischen bunten Aquarellen und Ölgemälden fand ich es zu traurig in schwarzweiß.“

Das Kunstwerk ist eingerissen, der Wert deshalb nicht so hoch

Galerist und Kunst-Experte Detlef Kümmel schaut sich das Werk genau an. Es handelt sich im eine Lithographie, ein besonderes Flachdruckverfahren, erklärt er. „Das Kunstwerk wird dabei auf einen Stein gemalt. Dort, wo er bemalt wurde, wird der Stein mit Säure behandelt – das wirkt wie ein Schwamm, saugt die Farbe auf. So wird das Bild auf das Papier gedruckt“, erklärt er.

Lesen Sie dazu auch: Enttäuschung bei „Bares für Rares“: Hammer-Expertise, aber schwer kranke Kandidatin geht ohne Geld nach Hause >>

Dieses Bild sei ein Werk des bekannten deutschen Künstlers Lovis Corinth, es sei 1922 hergestellt worden. Es zeige eine Szene am Walchensee in Bayern, sei in einer Auflage von 125 Stück gedruckt worden. „Lovis Corinth hat in München studiert, später ist er nach Berlin gegangen, hat als Landschaftsmaler naturalistisch gearbeitet, wurde aber auch impressionistischer. Hier ist die Stimmung eher im Licht- und Schattenspiel zu finden“, sagt Kümmel. „Nach dem ersten Weltkrieg zog er wieder zurück Richtung München. Der Walchensee ist eines seiner beliebtesten Motive. Er hat über 60 Werke geschaffen, die sich um diesen See drehen.“

Das Bild, das bei „Bares für Rares“ verkauft wurde, zeigt eine Wald-Szene. Foto: ZDF

Alles hochspannend, aber was ist das Bild nun wert? Zuerst wird der Verkäufer gefragt. Kandidat Gunter hat eine klare Preisvorstellung: „500 Euro würde ich schätzen, darunter nicht“, sagt er. Die Expertise kommt deshalb überraschend. „Eigentlich werden solche Bilder für etwa 1500 Euro gehandelt“, sagt Detlef Kümmel. In diesem Fall gibt es nur ein Problem: Das Papier ist an einem der Ränder eingerissen. „Mit dem Schaden liege ich bei 700 bis 800 Euro.“

Schon die „Bares für Rares“-Expertise übertrifft den Wunschpreis

Schon das liegt höher als der Wunschpreis, doch im Händlerraum kommt’s richtig dicke. Denn gleich mehrere der Kunst-Experten verlieben sich in das Bild. Der Schaden fällt sofort auf. „Leider hat es einen kleinen Einriss. Möglicherweise wäre es ganz gut, es nochmal zum Restaurator zu bringen“, stellt Händler Daniel Meyer fest. Trotz Riss im Papier beginnt die Gebote-Schlacht.

Dieses Video zeigt die irre Szene aus „Bares für Rares“.

Video: Youtube

Los geht’s mit 400 Euro, schnell werden 500, 600, 700, 800 genannt. Dann fällt auch schon die 1000-Euro-Marke! Doch es ist noch lande nicht Schluss: Die Händler kämpfen um das Bild, am Ende geht der Zuschlag für sagenhafte 1570 Euro an Meyer. Wunschpreis mehr als verdreifacht!

Lesen Sie dazu auch: Jackpot bei „Bares für Rares“! Warum die Händler wegen dieser Schatulle ausflippen >>

Doch darum geht es Kandidat Gunter gar nicht unbedingt, sagte er zuvor. „Meine Intention ist, dass jemand das Bild mehr schätzt als ich und dafür einen schönen Platz hat an der Wand findet. Bei mir war da kein Platz mehr.“ Und doch zeigt er sich nach dem Verkauf sehr glücklich. „Dass die Händler davon so begeistert waren, hätte ich nicht gedacht“, sagt er. „Auch nicht, dass sie so hoch steigern, aber ich freue mich natürlich über die große Summe.“