Wolfgang Bahro als Jo Gerner in der Jubiläumsfolge von GZSZ. dpa/RTL/Oliver Ziebe

Ich gebe zu: Es ist etwas gewagt, eine TV-Kolumne über eine Sendung zu schreiben, die man mehrere Monate nicht gesehen hatte. Doch bei der RTL-Soap „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ ist das ohne weiteres möglich – auch, weil es schlicht zum Charakter der Serie gehört. Dann mal los!

GZSZ: Das ist die große Stärke der RTL-Soap

Denn GZSZ feierte in der vergangenen Woche ein ganz besonderes Jubiläum: Am 11. Mai 2022 war die Vorabend-Soap 30 Jahre auf Sendung. Jeden Wochentag kam eine Folge aus dem fiktiven Berliner Kolle-Kiez heraus und wurde um 19.40 Uhr unters TV-Publikum gebracht. Mit großem Erfolg.

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Das – und hier wären wir wieder bei der Einleitung – liegt unter anderem auch daran, dass die Serie eben so geschrieben ist, das man keine lange Eingewöhnungzeit braucht. Schon wenige Minuten reichen, dann hat man die Handlung der Folge erfasst, nach einer Folge kennt man die meisten der zentralen Charaktere und wenn man nicht aufpasst, ist man nach der dritten Folge so gefesselt, dass man dranbleiben möchte, zumindest für diesen Erzählstrang. Das Problem: Die Erzählstränge der Geschichten überlappen sich und so findet eine GZSZ-Phase nur schwer ein Ende.

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Dass einem der Wiedereinstieg nach einer langen GZSZ-freien Phase leicht fällt, liegt auch an langjährigen Cast-Mitgliedern. So ist John-Darsteller Felix von Jascheroff bereits seit 2001 dabei. Ulrike Frank, die die Katrin Flemming spielt, seit 2002, sowie Anne Menden als Emily Wiedmann und Jörn Schlönvoigt als Philip Höfer seit 2004.

GZSZ: Wolfgang Bahro ist seit 1993 dabei

Und dann ist da natürlich auch noch Wolfgang Bahro, der seit 1993 den irgendwie doch ganz liebenswerten Kiez-Bösewicht Jo Gerner spielt. Um den drehte sich übrigens auch die Jubiläumsfolge am vergangenen Donnerstag. Gerner lieferte sich eine Verfolgungsjagd mit der Polizei und seinem Geschäftspartner Bajan Linostrami, bei der er eine Schusswunde am Arm davontrug.

Die Verletzung überlebte Gerner natürlich – und auch in den Knast musste er (mal wieder) nicht. Gerner das alte, kriminelle Schlitzohr, das den Kolle-Kiez zusammenhält.

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Wolfgang Bahro mit den GZSZ-Kollegen Gisa Zach, Chyssanthi Kavazi, Jan Kittmann, Lennart Borchert und Valentina Pahde. RTL/Bernd Jaworek

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Auch wegen dieser Rolle, ist GZSZ inzwischen mehr als nur eine Soap. Ob man sie nun guckt, oder wie in meinem Fall nicht: Man weiß, wer Jo Gerner ist, man weiß, dass er Dreck am Stecken hat. Wenn man Anne Menden oder Jörn Schlönvoigt – aber auch ehemalige Stars wie Raul Richter, Sila Sahin oder Janina Uhse sieht, ist der erste Gedanke: Das ist doch der oder die aus GZSZ.

GZSZ: Die 35 Jahre Lindenstraße schafft die RTL-Soap auf jeden Fall

Ein Ende ist übrigens nicht absehbar, denn die Show erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit bei den Fans und versucht auch mit der Zeit zu gehen. Zwar sparte man wie viele andere deutsche Serien die Corona-Pandemie vollständig aus, jedoch werden immer wieder auch relevante aktuelle Themen aufgegriffen. Zuletzt wurde mit einem sogenannten „Throuple“ ein anderes Beziehungsmodell als das traditionelle zwischen zwei Menschen aufgegriffen.

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Dass man das mitbekommt, obwohl man GZSZ überhaupt nicht schaut, spricht eindeutig für die Serie. Die 35 Jahre, die es die Lindenstraße gab, wird GZSZ wohl mindestens überstehen.

Domescu Möller schreibt jeden Donnerstag im KURIER über die Welt des Fernsehens.
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