Zur Premiere von  „9 Tage wach“ zeigten sich Eric und seine Frau Edith mit neuem Punklook. Foto: Annette Riedl/dpa

„Alles war voller Müll, in der Küche lagen zwei tote Tiere und ich hatte meine große Liebe verloren. Ich war abgemagert und habe es nicht hingekriegt zu weinen.“ Schauspieler und Ex-Junkie Eric Stehfest beschreibt seiner Autobiografie „9 Tage wach“ schonungslos Tiefpunkte. Völlig offen spricht der 30-Jährige über eine Zeit geprägt von Gewalt und Drogenkonsum.

Eric Stehfest wurde in Dresden geboren. Als GZSZ-Darsteller wurde er berühmt. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Einige Jahre sind seit den Erlebnissen vergangen. Stehfests Drogenbeichte ist heute längst Schullektüre. Am Sonnabend um 20.15 Uhr zeigt ProSieben die Verfilmung. Mit der RTL-Daily-Soap „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ wurde Stehfest zwischen 2014 und 2019 zum TV-Star. Erst vor rund drei Jahren machte er seine Crystal-Meth-Vergangenheit als Jugendlicher öffentlich. Heute ist er clean, hat eine Produktionsfirma aufgebaut und an vielen Projekten mitgearbeitet – auch am Drehbuch für den ProSieben-Film. Hier spielt ihn Jannik Schümann (27, „Jugend ohne Gott“).

Während Schümann sich mit der Junkie-Rolle auf komplett neues Terrain begibt – „bis auf ein paar Mal gekifft“ habe er noch nie Drogen genommen – ist der Film für Stehfest zugleich Schlussstrich. „Mit der Verfilmung verabschiede ich mich von meinem alten Leben. Jetzt darf ich endlich loslassen“, sagt Stehfest. Loslassen von einer Zeit, die auch durch das Fehlen eines Vaters und durch Gefühlskälte gekennzeichnet war. „Zuhause wurde nie ,Ich liebe dich’ gesagt“, sagt der 30-Jährige.

Selbstzerstörerisch und hochsensibel: Jannik Schümann als Eric Stehfest Foto: Stephanie Kulbach/ProSieben

Es scheint Ironie des Schicksals zu sein, dass letztendlich ausgerechnet die Liebe ihm ein besseres Leben bescherte. „Wenn du einmal abhängig bist, brauchst du eine intensivere Droge, um klar zu kommen, denn ohne Rausch kannst du nicht mehr leben“, sagt Stehfest. Er habe seine berauschende Droge gefunden: Die Liebe zu seiner Frau. Die Augen beginnen zu leuchten, wenn er von ihr spricht. „Edith brachte Geschwindigkeit zurück in sein Leben. Diese Frau forderte Widerstand und machte ihm Mut“, beschreibt er sie in seiner Autobiografie.

Er wirkt stolz, so eine starke Frau gefunden zu haben. Bundesweite Daten zum Crystal-Meth-Konsum liegen laut Angaben der Drogenbeauftragten der Bundesregierung in Deutschland nicht vor. Da die synthetische Droge oft in Tschechien produziert wird, sei sie in den angrenzenden Bundesländern wie Bayern oder Sachsen stärker verbreitet, sagt Sprecherin Saskia Solar. Ein Crystal-Rausch kann in Einzelfällen bis zu 70 Stunden anhalten. Der Stoff greift in den Hirnstoffwechsel ein – mit vielen Folgen.