Träumte als Kind davon, ein Filmstar zu werden: Hollywood-Star Goldie Hawn.  Foto: imago images/Future Image

Sie wird 75? Wer Goldie Hawn vor sich stehen oder mit Ehemann Kurt Russell wie bei unserem Zoom-Interview in ihrem Wohnzimmer sitzen sieht, der glaubt das nie und nimmer. Denn die Hollywood-Blondine sieht nicht nur Jahrzehnte jünger aus, sie hat auch die Energie einer 25-Jährigen. Und dennoch steht diesen Samstag der runde Geburtstag an.

Berliner KURIER: Wie werden Sie feiern?

Goldie Hawn: Nur mit einem netten Abendessen. Für mich ist jeder Tag, an dem ich aufwache, ein Geburtstag. 75 ist kein Meilenstein.

Vor dem Älterwerden ist Ihnen also nicht bange?

Das würde mir nur Energie rauben. Wichtig ist es, gesund zu bleiben. Und die Dinge, die man leidenschaftlich gern tut, weiter zu verfolgen. Ich habe einfach Fun im Leben, am liebsten mit Familie und Freunden.

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Ein Herz und eine Seele: Goldie Hawn und ihre Tochter, US-Schauspielerin Kate Hudson.
Foto: Jordan Strauss/Invision/AP/dpa

Eine Riesen-Party wäre ja zu Coronazeiten auch nicht möglich.

Daher wird alles im kleinen Familienkreis bleiben. Wir lassen uns alle regelmäßig testen, damit es sicher ist. Ansonsten habe ich an die Feier keine großen Erwartungen … keine größeren als sonst (lächelt).

Geschenke?

Wenn man meine Mutter gefragt hat „Was möchtest du zum Geburtstag?“, dann hat sie immer gesagt „Schenk mir nur Liebe, das reicht“. Und genauso empfinde ich das auch. Die bestmögliche Zeit mit meinen Liebsten zu verbringen, das ist mein Ein und Alles!

Eine schrecklich nette Familie: Goldie Hawn und Kurt Russell mit ihren Kindern Oliver Hudson, Erinn Bartlett, Wyatt Russell (hinten v.l.n.r.) und Enkelkindern.
Foto: imago images/Starface

Ihre Familie wächst ständig. Sie haben vor kurzem ihr siebtes Enkelkind bekommen.

Oma zu sein ist das Großartigste überhaupt! Wenn du siehst, wie fantastisch deine eigenen Kinder als Eltern sind, dann ist das eine tolle Bestätigung für einen selbst. Die Kleinen wissen, dass sie bei Gogy und Gogo Sachen bekommen, zu den ihre Eltern nein sagen.

Gogy und Gogo?

(lacht) So nennen unsere Enkel Kurt und mich. Das ist ihre Version von Opa und Oma.

Ihre Enkel können die Großeltern als Weihnachtsmann und Mrs. Claus im zweiten Teil von „Christmas Chronicles“ bewundern. Wann haben Sie und Kurt eigentlich das erste Mal zusammen vor der Kamera gestanden?

Das war 1968 im Disney-Musical „The One and Only Genuine Original Family Band.“ Kurt war damals 16 und ich 20. Also viel zu jung für mich!

Standen bereits 1968 vor der Kamera und tun es auch noch heute: Goldie Hawn und ihr Lebensgefährte Kurt Russell in einer Szene aus „Christmas Chronicles“, 2020. 
Foto: imago images/Cinema Publishers Collection

Dafür hat er ja dann 15 Jahre später bei Ihnen eine Chance bekommen und diese genutzt!

Allerdings. Am nächsten Valentinstag sind wir tatsächlich schon 38 Jahre zusammen. Mann, ich sollte aufhören, zu zählen!

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Was ist das Erfolgsgeheimnis Ihrer Langzeitbeziehung?

Wir haben beide akzeptiert, dass eine Beziehung durch verschiedene Phasen geht. Die heiße Romanze vom Anfang, die stirbt im Laufe der Jahre auf die eine oder andere Art. Deshalb ist es wichtig, dass man eine tiefe Freundschaft entwickelt und sich gegenseitig unterstützt. Damit kann man eine fantastische Beziehung führen, die sich dann auch im Alter sehr romantisch anfühlt. Gute Freunde zu sein ist der Schlüssel, um alle Krisen zu meistern.

Seit 38 Jahren verliebt, aber nicht verheiratet: Kurt Russell und Goldie Hawn bei einem Premieren-Event in Los Angeles im Mai 1990.
Foto: imago images/Landmark Media

Gab es Krisen bei Ihnen?

Jeder geht in Beziehungen durch Tiefs, aber auch wundervolle Hochs. Wichtig ist, dass man respektiert, wenn der Partner mal völlig anderer Meinung ist. Allerdings muss dann alles auf den Tisch. Nur so kann man dann einen Weg finden, wie man durch Meinungsverschiedenheiten navigiert, ohne dass was nachhängt.

Sie und Kurt werden seit fast vier Jahrzehnte gefragt, wann sie endlich heiraten. Nervt das?

Interessanterweise bekommen wir diese Frage schon länger nicht mehr gestellt. Scheinbar haben sich die Leute nach fast 38 Jahren mit unserer wilden Ehe abgefunden. Ich vermisse beinahe diese schizophrenen Storys in den Klatschblättern über uns. Entweder standen wir kurz vor der Hochzeit oder vor der Scheidung. Ich fand das wirklich witzig.

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Gibt es im Hause Hawn/Russell feste Weihnachtstraditionen?

Ja, wir versammeln und traditionell alle in unserem Chalet in Colorado am 1. Weihnachtstag. Und Kurt macht, was er schon für unsere Kinder gemacht hat, als sie klein waren: Er spielt Santa Claus. Dann essen wir alle zusammen. Ich koche natürlich selbst. Und danach machen wir Bescherung. Allerdings bleiben wir in diesem Jahr in Los Angeles.

Wegen der Pandemie?

Nein, weil unser achtes Enkelkind genau am 1. Weihnachtstag Geburtstermin hat. Deshalb feiern wir in Kalifornien.

Für ihre Rolle in „Die Kakatusblüte“, 1969, gewann Goldie Hawn, hier in einer Szene mit Walther Matthau, einen Oscar als beste Nebendarstellerin – ihr Durchbruch in Hollywood. 
Foto: imago images/Everett Collection

Gibt es etwas, was Sie nach einem Dreiviertel-Jahrhundert noch unbedingt im Leben tun wollen?

Ich habe keine wilden Träume oder Ideen mehr, die ich mir erfüllen will. Das führt eh nur zu Enttäuschungen. Mein größter Wunsch, den ich schon als kleines Mädchen hatte, ist in Erfüllung gegangen. Ich wollte Filmstar werden und alle haben mich für verrückt erklärt. Denen hab ich‘s gezeigt! (lacht)