Schauspielerin Angelica Domröse bei der Lesung ihrer Autobiografie im Erfurter Kaisersaal. Foto: Imago Images

Sie stand auf der Theaterbühne, war „Polizeiruf“-Kommissarin und inszenierte selbst – aber Angelica Domröse wird für immer Paula sein. Im DDR-Kultfilm „Die Legende von Paul und Paula“ spielt sie 1973 an der Seite von Winfried Glatzeder die Rolle ihres Lebens. Am Sonntag wird sie 80 Jahre alt.

Die Schauspielerei ist ihr Traum, doch nach der Schule arbeitet die in Berlin aufgewachsene Domröse zunächst als Stenotypistin in einem staatlichen Außenhandelsbetrieb. Eine erste Aufnahmeprüfung an der Filmhochschule scheitert. Nach ihrer ersten Filmrolle in „Verwirrung der Liebe“, für die sie sich gegen 1500 Mitbewerberinnen durchsetzt, gelingt ihr dann aber doch noch der Sprung an die Babelsberger Filmhochschule.

Schauspieler Winfried Glatzeder spricht mit Schauspielerin Angelica Domröse vor der Vorführung des ehemaligen DDR-Filmklassikers „Die Legende von Paul und Paula“ in einem Kino.  Foto: Fabrizio Bensch/Reuters Pool/dpa/dpa

Es folgen Theaterengagements am Berliner Ensemble – Helene Weigel höchstselbst schickt ihr ein Telegramm mit der Aufforderung vorzusprechen – und an der Berliner Volksbühne. Populär wird Domröse aber vor allem durch ihre Film- und Fernseharbeit. Allein dreimal wird sie in den 1970er-Jahren als DDR-Fernsehkünstlerin des Jahres ausgezeichnet. Bis zur ihrer Ausreise in den Westen im Jahr 1980 spielt sie in mehr als 50 Filmen mit.

Die „Legende von Paul und Paula“ des Regisseurs Heiner Carow wird zum echten Klassiker. Der Film erzählt von einer alleinstehenden jungen Mutter von zwei Kindern, die mit ihrer Liebe zu einem verheirateten Staatsdiener gegen gesellschaftliche Normen und Anpassungsideologien aufbegehrt. Kritiker lobten an dem Film, dass in ihm die realistische Schilderung des DDR-Alltags mit seinen Problemen um eine poetische Dimension erweitert wird.

Paul (Winfried Glatzeder) und Paula (Angelica Domröse) schippern im Film „Die Legende von Paul und Paula“ durch die Rummelsburger Bucht. Foto: Nestor Bachmann/dpa-Zentralbild/dpa

„Die hatten alle einen Knacks weg – das zu zeigen in der DDR, war mutig“, sagt Domröse dazu 2012 in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau. Die DDR habe immer von einer neuen Gesellschaft, neuen Menschen gesprochen. „Da kann ich nur sagen: Prost Mahlzeit. Alleine die Kohlen in den Keller oder vier Stockwerke hoch zu schleppen, damit fängt es doch schon an. Und dieses Graue. Bloß nicht zu viel lachen. Mit zwei Kindern von zwei Männern allein. Nein, der Film kam schon zur richtigen Zeit.“

Noch heute verbinden Millionen Menschen Domröse mit Paula. Selbst Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bekannte vor einigen Jahren, dass dies ihr Lieblingsfilm sei, zu dem die Puhdys mit Liedern wie „Geh zu ihr“ und „Wenn ein Mensch lebt“ den einprägsamen Soundtrack lieferten.

Angelica Domröse war von 1976 bis zu seinem Tod 2016 mit dem Schauspieler Hilmar Thate verheiratet. Foto: Images Images

Eine Zäsur im Leben von Domröse ist das Jahr 1976, als sie die Petition gegen die Ausbürgerung des DDR-Liedermachers Wolf Biermann unterschreibt. Die DDR-Obrigkeit legt der Schauspielerin fortan Steine in den Weg. 1980 reisen sie und ihr Mann, der Schauspieler Hilmar Thate, schließlich aus. Sie spielt am West-Berliner Schiller-Theater und später auch an anderen Bühnen. Domröse gehört zu den wenigen DDR-Schauspielern, die auch nach ihrer Übersiedlung in den Westen erfolgreich bleiben.

Domröse übernimmt wieder Fernsehrollen und spielt vier Jahre lang die Kommissarin Vera Bilewski im „Polizeiruf 110“. In den 90er-Jahren entdeckt sie auch die Regie für sich und inszeniert Theaterstücke. 2008 trifft sogar das einstige Defa-Traumpaar Domröse und Glatzeder in einem Stück am Potsdamer Hans-Otto-Theater noch einmal zusammen.

Es ist allerdings nicht immer Glanz in ihrem Leben. In ihren 2003 veröffentlichten Erinnerungen spricht Domröse offen über ihre jahrelange Alkoholsucht, die sie schließlich überwinden kann. Zuletzt war sie 2012 in der Seniorenkomödie „Bis zum Horizont, dann links!“ zu sehen.