Wolfgang Krewe und Anja Freese als Ralf Staller und Dr. Gabi Kollmann in Medicopter 117. Imago/United Archives

Sicher, ich kann mich mit diesem Satz ganz bestimmt unbeliebt machen, aber vielleicht gönnen Sie mir auch die Entspannung: Wenn Sie diese Fernseh-Kolumne lesen, weile ich gerade im Urlaub. Zum ersten Mal seit Jahren hat es mich nun wieder ins Ausland gezogen – und zwar in ein Land, dessen Sprache ich nicht wirklich spreche. Das gilt natürlich auch für die Sprache, die im Fernsehen gesprochen wird – einschalten werde ich trotzdem.

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Ja zu Fernsehen im Urlaub, aber bitte keine deutschen Sender

Das heißt natürlich nicht, dass ich in den Urlaub gefahren bin, um die dort nichts außer dem Hotel-Zimmer von innen und den Fernseher anzuschauen, ganz im Gegenteil. Allerdings bin ich nunmal mit einem Fernseher aufgewachsen und schreibe ja auch immerhin eine Fernsehkolumne. Das heißt: Zur Siesta am Mittag oder nach dem letzten Wein am Abend ist es auch im Urlaub für mich kein Tabu für ein paar Minuten den Fernseher anzuwerfen. Nur eine Sache tue ich nie: Einen deutschen Sender suchen.

Denn, wenn ich schon im Urlaub TV schaue, dann möchte ich auch etwas anderes sehen. Ich brauche dann nicht das übliche deutsche Programm, Tagesschau, Tatort, Fernsehgarten und dann irgendwas mit den Geißens.

Ich lasse mich gerne überraschen, was andere Länder so zu bieten haben, an Shows, an Serien. Wie dort Nachrichtenformate aufbereitet sind und was dort für Filme laufen. Man muss nicht italienisch, spanisch, kroatisch, polnisch oder türkisch sprechen, um sich ein Bild davon zu machen.

Beim durchzappen wird man auf Kinderserien stoßen, die man auch nahezu ohne Sprachkenntnisse versteht, auf Spielshows, die sich einem vielleicht so sehr ins Gedächtnis einbrennen, dass man sie wiedererkennt, wenn sie einige Jahre später vielleicht auch von deutschen Sendern eingekauft worden sind. Oder man wird deutsche Serien entdecken, die wiederum von ausländischen Sendern lizenziert wurden.

Medicopter 117 im polnischen Fernsehen

So erging es mir vor einigen Jahren bei einem Trip nach Polen. Beim Durchzappen stieß ich auf die die Serie Medicopter 117, die in den späten 90er und frühen 2000er Jahren bei RTL lief und eben im Sommer 2019 auf einem polnischen Sender.

Besonders unterhaltsam war diese Entdeckung durch die Art und Weise wie internationale Filme und Serien üblicherweise für den polnischen Markt überarbeitet werden. Denn während in Deutschland die allermeisten Formate lippensynchron synchronisiert werden, ist bei unseren Nachbarn das Voice-Over eine der gängigsten Methoden.

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Heißt: Die Figuren sprechen ihren deutschen Text an, dann setzt die Übersetzung des Sprechers ein. Doch anders als bei vielen Voice-Over-Übersetzungen in Deutschland wird oft nicht mit mehreren Sprecherinnen und Sprechern gearbeitet, sondern nur mit einem einzigen Mann, der alle Rollen mit sehr monotoner Stimme spricht.

Das mutet skurril an und zeigt gleichzeitig, wie privilegiert wir in Deutschland selbst in Sachen Fernsehen sind. Hätte ich im Urlaub nicht wenigstens ein paar Minuten die Glotze angemacht, wäre mir diese Anekdote wohl verborgen geblieben. Auch Fernsehen kann so etwas wie Sightseeing sein.

Domescu Möller schreibt jeden Donnerstag im KURIER über die Welt des Fernsehens.
Anregungen an wirvonhier@berlinerverlag.com.