Schauspielerin Irm Hermann 2015 bei der Premiere des Kinofilms „Fassbinder“ in der Volksbühne.
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Sie war eine der großen Darstellerinnen von Rainer Werner Fassbinder, drehte mit Loriot und Werner Herzog: Schauspielerin Irm Hermann ist tot. Sie starb am Dienstag im Alter von 77 Jahren, teilte ihre Agentin Antje Schlag unter Berufung auf die Familie am Donnerstag in Berlin mit. Sie war schwer krank.

Sie sei schon immer neugierig gewesen und oft über Grenzen gegangen, hatte Hermann vor fünf Jahren dem „Zeit Magazin“ gesagt. „Nicht dass mein Leben langweilig gewesen wäre, aber grenzwertig oder anarchistisch zu leben macht mir schon Spaß.“ Gegen das Kleinbürgerliche hat sie sich gesträubt.

Rollen in 20 Fassbinder-Produktionen

Geboren wurde sie als Irmgard Hermann in München, nach der Schule machte sie eine Lehre als Verlagskauffrau und arbeitete als Sekretärin beim ADAC. Mitte der 60er lernte sie einen Mann kennen, der sie stark beeinflussen sollte: Rainer Werner Fassbinder (1945–1982).

Regiegenie Rainer Werner Fassbinder starb selbst mit 37 Jahren. Hermann gehörte zu seinen engsten Musen.
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Sie habe ihn zum ersten Mal in der Münchner Wohnung einer befreundeten Schauspielerin erlebt. „Er las die ganze Nacht aus einem unveröffentlichten Kitsch-Roman, und die Art, wie er das tat, faszinierte mich sofort. Dabei rauchte er unentwegt“, sagte Hermann mal der „Welt am Sonntag“. In seinem Kurzfilm „Der Stadtstreicher“ spielte Hermann dann mit.

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Insgesamt war sie in rund 20 seiner Produktionen zu sehen, etwa in „Angst essen Seele auf“, „Katzelmacher“ und „Händler der vier Jahreszeiten“. „Sein Geheimnis war seine Aufmerksamkeit. Jeder, auf den er seine Aufmerksamkeit lenkte, erkannte sich selbst, war ganz bei sich“, sagte Hermann in dem „Welt“-Interview.

Hermann entwickelte sich zu einer engen Vertrauten des Regisseurs. Sie sei nicht nur Geliebte gewesen, sondern auch „Mädchen für alles“. Mit Fassbinder und der Schauspielerin Hanna Schygulla gründete sie das spätere Antitheater.

Irm Hermann (r.) als Kaiser bei der Premiere der Inszenierung "Im Weißen Rößl" an der Komischen Oper Berlin. 
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Mitte der 70er trennte sich Hermann von Fassbinder und zog nach Berlin. Sie arbeitete auch mit Regisseuren wie Werner Herzog und Percy Adlon oder dem Dramatiker Tankred Dorst. Mit Christoph Schlingensief drehte sie „Das deutsche Kettensägenmassaker“ und „Die 120 Tage von Bottrop“.

Berliner Volksbühne und „Fack Ju Göhte 3“

Hermann spielte auch viel Theater, etwa an der Berliner Volksbühne und am Berliner Ensemble. Für Schlingensief stand sie im „Hamlet“ ebenso auf der Bühne wie als herrische Kanzlergattin in„Berliner Republik“. Auch mit Regisseur Christoph Marthaler arbeitete sie zusammen. Ihr komisches Talent konnte sie etwa in Loriots „Pappa ante portas“ zeigen – als Tante Hedwig. Sie spielte auch neben Elyas M’Barek und Jella Haase in „Fack Ju Göhte 3“ mit – als Ploppis Oma.

Lange lebte Irm Hermann in Berlin, aber ihre Herkunft hörte man ihr beim Sprechen noch an. Sie war verheiratet mit dem Kinderbuchautor Dietmar Roberg und hat laut Agentur zwei Söhne. Agentin Schlag schrieb: „Wir verneigen uns vor dieser großen Künstlerin, Irm Herrmann war modern und klassisch, autonom und eine wahrhaft selbstbestimmte Frau.“