Eva Longoria schreibt gerade in Hollywood Geschichte. Lucas Barioulet/AFP

Sie ist gebürtige Amerikanerin, doch ihre mexikanischen Wurzeln waren für Eva Longoria immer ein sehr wichtiger Teil ihrer Identität. Umso stolzer ist die „Desperate Housewives“-Schönheit, dass sie in Hollywood gerade Geschichte schreibt. Als erste Latina, die gleichzeitig drei Filme für drei verschiedene Studios produziert und darin auch die Regie führt. Während das biografische Drama „Flamin’ Hot“ und die Komödie „24/7“ erst im Laufe des Jahres in die Kinos kommen, feierte die 46-Jährige gerade mit ihrer Dokumentation „La Guerra Civil“ (zu Deutsch: Der Bürgerkrieg) Regie-Premiere. Es geht um die epische Rivalität zwischen dem US-Boxer Oscar De La Hoya und seinem mexikanischen Konkurrenten Julio César Chávez – die in den 1990er-Jahren einen regelrechten Kulturkampf unter mexikanischstämmigen Amerikanern auslöste.

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Berliner KURIER: Wie kommt es, dass Sie sich ausgerechnet eine Box-Dokumentation für Ihre Regie-Premiere ausgesucht haben?

Eva Longoria: Ich habe schon vorher zwei Kurz-Dokus produziert, es ist meine Lieblingsform von Film. Und da ich bereits seit 25 Jahren gut mit Oscar De La Hoya befreundet bin, hat er mich gefragt, ob ich nicht die Regie seiner Doku übernehmen will.

Sind Sie Boxfan?

Nicht wirklich. Und die Kämpfe und Statistiken selbst haben mich auch nicht so interessiert. Was ich faszinierend fand, war die kulturelle Kluft, die sich durch Oscars Kämpfe gegen Chávez in der mexikanisch-amerikanischen Bevölkerung aufgetan hat. Teilweise besteht sie noch bis heute. Deshalb habe ich mich bei der Doku auf einen einzigen Kampf beschränkt und dazu dann Interviews mit den verschiedenen Lagern geführt.

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Eva Longoria und der ehemalige Box-Profi Julio César Chávez Ilse Fernandez/Sundance Institute via AP

Was war der Grund der Spaltung?

Es ging um die Frage, wer mexikanisch genug war und wer nicht. Als Amerikanerin mit mexikanischen Wurzeln ging mir das Thema Identität persönlich sehr nah. Ich weiß, wie es ist, wenn man sich diskriminiert fühlt.

Das ist Ihnen passiert?

Ich hatte als Einzige von uns vier Schwestern sehr dunkle Haare, dunklere Haut und dunkle Augen. Ich passte optisch gar nicht in meine Familie. Und wenn ich in den Schulbus gestiegen bin, der voller blonder Kids war, dann hörte ich das Flüstern – „Sie ist Mexikanerin“. Es war negativ gemeint, aber ich habe es in was Positives umgewandelt!

Wie das?

Ich fühlte mich immer als stolze Amerikanerin, aber die Abwertung meiner Wurzeln haben auch meinen Stolz in meine kulturelle Herkunft erwachen lassen! Leider kam das auch mit dem Gefühl, das man nirgendwo völlig zu Hause war. Ich bin in Texas aufgewachsen, allerdings in einem mexikanischen Haushalt mit mexikanischem Essen und mexikanischer Musik. Doch sobald ich nach Mexiko reiste, war ich die „Gringa“ (Anm. d. Red.: abwertender Slang in Lateinamerika für weiße Ausländerinnen). Die Amerikanerin, nicht eine von ihnen. Bis heute versuche ich, zwischen beiden Seiten zu navigieren.

Nicolette Sheridan, Felicity Huffman, Marcia Cross, Eva Longoria, Teri Hatcher – Darstellerinnen der Serie „Desperate Housewives“ im Jahr 2004 Imago Images/Everett Collection

Ist das schwierig?

Es scheint mir schwieriger für andere zu sein. Leute sagen zu mir, „Du bist doch halb Mexikanerin und halb Amerikanerin“. Worauf ich sie aufkläre, dass ich zu 100 Prozent beides gleichzeitig bin. Ich will nicht wählen und mich nicht assimilieren. Genau das musste ich nämlich, als ich aufgewachsen bin. Die heutige Generation lebt beide Kulturen offen aus, spricht Spanisch und Englisch und hat kein Problem damit, ihre kulturelle Herkunft offen zu zelebrieren!

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Insbesondere das konservative Amerika geht auf die Barrikaden, wenn man das zu offen tut!

Alles wird politisiert. Ich erinnere mich noch gut daran, als Oscar mit 18 Jahren die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen für Team USA gewonnen hat. Er hat danach die mexikanische Flagge hochgehalten, aus Stolz auf seine Herkunft und vor allem für seine Mutter. Er hat viel Kritik einstecken müssen, dass man das als Amerikaner nicht tun soll! Mich hat dieser Moment damals als Latina sehr stolz gemacht. Ich habe mich in Oscar wiedererkannt.

Sie und Ihr Ehemann José Bastón haben einen dreijährigen Sohn. Haben Sie sich als Mutter verändert?

Keine Frage. Man wird als Mutter automatisch selbstloser. Ich habe das starke innere Verlangen, die Welt besser für meinen Sohn zu hinterlassen, als ich sie vorgefunden habe. Man fragt sich ständig, in was für einer Welt sein Kind aufwachsen wird.

Schauspielerin Eva Longoria mit ihrem Sohn Santiago Enrique Bastón Vianney Le Caer/Invision/AP

Haben es Kinder heutzutage leichter oder schwerer, sich in der Welt zu behaupten?

Mit Social Media und Mobiltelefonen ist es viel schwerer geworden. Alle peinlichen Sachen werden aufgezeichnet und in der Welt verbreitet. Ich danke Gott, dass es noch keine Smartphonekameras gab, als ich jung war. Ehrlichweise macht mir der Gedanke Angst, mit was für zukünftigen Technologien mein Sohn als Teenager konfrontiert werden wird.

Vor 10 Jahren lief die letzte Folge von „Desperate Housewives“. Vermissen Sie die Serie manchmal?

Ich vermisse es sehr, Gaby zu sein. Wobei ich damals nach acht Jahren schon etwas ausgebrannt war. Aber inzwischen wäre es Fun, noch einmal in die Wisteria Lane zurückzukehren.

Sie würden also für eine Fortsetzung bereitstehen?

Ja, ich wäre sofort mit dabei. Ich würde so gern wissen, was aus Gaby geworden ist!