Jendrik (M.) bei der Probe zu seinem Song „I Don’t Feel Hate“ für den Eurovision Song Contest 2021. dpa/Sander Koning/ANP

Der langjährige Kommentator des Eurovision Song Contest (ESC), Peter Urban (73), hat bereits die ersten Favoriten auf seinem Zettel. „Es ist, finde ich, ein richtig guter Jahrgang. Mit ungefähr zehn Titeln, die richtig herausragen. Das kann richtig spannend werden“, sagte der Musikexperte der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg. Einen klaren Favoriten sehe er dagegen nicht. „Sicherlich große Chancen wird Italien haben. Die schicken ja immer den Sieger des San-Remo-Festivals. Die haben einen Beitrag, der ist richtig interessant. Das ist eine Mischung aus richtig hartem Rock mit ein bisschen Rap-Einfluss und auf Italienisch. Richtig klasse.“

Zudem schätzt Urban die Beiträge der Schweiz, Malta und Portugal als außergewöhnlich gut ein. Es freue ihn auf jeden Fall sehr, dass endlich wieder eine schöne Bandbreite vorhanden sei.

Urban kommentiert den ESC seit 1997. Dabei ist er nicht nur todernst, sondern begeistert viele ESC-Fans auch mit seinen kleinen, bissigen, ironischen Seitenbemerkungen. Bei denen müsse man aber durchaus sehr vorsichtig sein, sagt Urban dazu. „Ich will ja auch keinen beleidigen oder lächerlich machen. Das ist ein feiner Drahtseilakt. Weil ich auch fair sein will.“

ESC-Ikone Peter Urban: Jendrik Sigwart ist „außergewöhnlich“

Den deutschen Beitrag, „I Don’t Feel Hate“ von Jendrik Sigwart, findet Urban „total originell“. Jendrik selbst sei „außergewöhnlich“ und „hoch talentierter junger Künstler, der sprüht, der wie ein Flummi auf der Bühne sein wird, der singen kann, der tanzen kann und der großartige Ideen hat“. Der Song scheine durch die verschiedenen Stilarten – Skiffle-Musik, ein Touch von 1920er-Jahre-Jazz und Hardrock – nicht in eine Schublade zu passen.

Aber das Lied habe eine sehr eingängige Melodie und ein ernstes Thema. „Auf leichte, sympathische, amüsante Art wird hier ein aktuelles Thema – nämlich Hassbotschaften – verarbeitet. Das ist ein großer Anspruch. Aber er ist gut erreicht.“ Ob der Song beim ESC-Publikum ankommen wird, könne er nicht sagen. „Es wird Aufmerksamkeit erreichen. Und beim ESC ist es viel wichtiger originell und außergewöhnlich zu sein.“

Urban ist ein ausgewiesener Musikexperte, der schon mehr als 5000 Konzerte besucht und mit den Größen der Musikwelt gesprochen hat. Er spielt seit seiner Jugend Klavier und Orgel, hat seine Diplomarbeit über Popmusik und ihre Inhalte geschrieben, ist seit 40 Jahren Teil einer Blues-Soul-Band und moderierte bei NDR2 bereits mehrere Musiksendungen.

Der 65. Eurovision Song Contest wird im Veranstaltungszentrum Ahoy in Rotterdam ausgetragen, weil 2019 die Niederlande gewonnen und so die Show zu sich geholt hatten. Das fast vierstündige Finale beginnt am 22. Mai um 21.00 Uhr und wird in Deutschland im Ersten ausgestrahlt. Die gut zweistündigen Halbfinalshows am 18. und 20. Mai überträgt der ARD-Digitalsender One ab 21.00 Uhr.