Fans besuchen das Finale des Eurovision Song Contest (ESC) in der Ahoy-Arena. In der Halle dürfen trotz Corona-Pandemie rund 3500 Zuschauer sitzen. Alle Besucher müssen ein negatives Corona-Testergebnis vorweisen.  dpa/Peter Dejong

Abstimmung mit spektakulärem Ergebnis: Nach der Corona-Zwangspause im vergangenen Jahr haben Zuschauer und Jurys entschieden, wer den European Song Contest in Rotterdam gewinnt. Zur Eröffnung des Finales beim 65. Eurovision Song Contest hatten sich alle Interpreten aus 26 Ländern vorgestellt - in der Ahoy-Halle vor rund 3500 Fans. An den Bildschirmen harrten bis zu 200 Millionen Zuschauer aus. Für Deutschland war Jendrik (Startnummer 15) mit „I Don't Feel Hate“ angetreten. 

Es hatte sich bereits im Vorfeld abgezeichnet: Buchmacher hatten Jendrik keine Chance gegeben. Abgeschlagen bleibt der deutsche Kandidat bei der Jury-Abstimmung. Doch noch schlimmer kam es bei der Publikums-Abstimmung: null Punkte für Deutschland. Insgesamt liegt Deutschland mit nur drei Punkten vor Großbritannien, das keinen einzigen Punkt erhält, weder von der Jury noch vom Publikum.

Vorne lagen lange Zeit Frankreich und die Schweiz. Auch die deutsche Jury hatte für Frankreich gestimmt. Beide Beiträge sind  französischsprachig. Schließlich gewann Italien überraschend im Publikumsvoting mit einem für den ESC ungewöhnlichen Hardrock-Song, vor der Schweiz.

Alle Platzierungen im ESC-Finale 2021

01. Italien: Måneskin - "Zitti e buoni"
02. Frankreich: Barbara Pravi - "Voilà"
03. Schweiz: Gjon's Tears - "Tout l'univers"
04. Island: Daði og Gagnamagnið - "10 Years"
05. Ukraine: Go_A - "Shum"
06. Finnland: Blind Channel - "Dark Side
07. Malta: Destiny - "Je me casse"
08. Litauen: The Roop - "Discoteque"
09. Russland: Manizha - "Russian Woman"
10. Griechenland: Stefania - "Last Dance"
11. Bulgarien: Victoria - "Growing Up Is Getting Old"
12. Portugal: The Black Mamba - "Love Is On My Side"
13. Moldau: Natalia Gordienko - "Sugar"
14. Schweden: Tusse - "Voices"
15. Serbien: Hurricane - "Loco Loco"
16. Zypern: Elena Tsagrinou - "El Diablo"
17. Israel: Eden Alene - "Set Me Free"
18. Norwegen: Tix - "Fallen Angel"
19. Belgien: Hooverphonic - "The Wrong Place"
20. Aserbaidschan: Efendi - "Mata Hari"
21. Albanien: Anxhela Peristeri - "Karma"
22. San Marino: Senhit feat. Flo Rida - "Adrenalina"
23. Niederlande: Jeangu Macrooy - "Birth Of A New Age"
24. Spanien: Blas Cantó - "Voy a quedarme"
25. Deutschland: Jendrik - "I Don't Feel Hate"
26. Großbritannien (UK): James Newman - "Embers"

Wie alle Jahre seit 1997 moderierte Peter Urban die TV-Übertragung im Ersten. Nach dem Auftritt aller 26 Acts konnten die Fernsehzuschauer in Europa ihr Votum abgeben, die Fach-Jurys hatten bereits am Vorabend Punkte vergeben.

So performten die ESC-Kandidaten: Island mit Corona-Sorgen

Letzter Startplatz 26: Für San Marino tritt Senhit an, und sie hat den US-Rapper Flo Rida mitgebracht. "Adrenalina" heißt der Song, und einmal mehr hören wir orientalisch angehauchte Dancebeats.

Schweden wusste schon immer, wie ein Popsong zu klingen hat. Tusse auf Startplatz 25 hat mit "Voices" eine ganz ähnliche Botschaft wie Jendrik, aber einen anderen Hintergrund: Er war als Kind aus der Demokratischen Republik Kongo geflüchtet. Führt er nun Schweden zum Sieg? Peter Urban hat Zweifel.

Italien lässt es knallen: Måneskin rockt für Italien auf Startplatz 24. "Zitti e buoni" ist ein Protestsong gegen Anpassung, sehr laut und rebellisch.

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Maneskin aus Italien

Die Gastgeber sind am Start. Die Niederlande singen auf Platz 23 von Aufbruch und Befreiung. Jeangu Cacrooys Song heißt "Birth Of A New Age" und hat Anklänge an die Ursprünge des aus Suriname stammenden Sängers. 

Vorsicht Ohrwurm: Auf Platz 22 will es der als Engel verkleidete Norweger Tix wissen. "Fall Angel" heißt der hübsche Song. Verhaltener Applaus.

Das Tempo zieht wieder an: Efendi aus Aserbaidschan bringt orientalische Beats mit einem Kanonenschuss demonstrativer Erotik auf Startplatz 21. "Mata Hari": plump und klischeehaft findet das TV-Kommentar Peter Urban.

Und schon sind wir auf Startplatz 20: Frankreichs Barbara Pravi singt "Voilà", in der schönen Tradition französischer Chansons. Tosender Applaus.

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Barbara Pravi aus Frankreich

Die Ukraine schickt die Elektrobeat-Band Go_A auf den Startplatz 19. "Shum" verbindet traditionellen Gesang mit unterkühlten,  immer schneller werdenden Clubbeats. Seltsam und geradezu hypnotisierend. Der Saal tobt.

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Go_A aus der Ukraine

Jetzt wird's schräg. Litauens The Roop fahren am Startplatz 18 eine "Discoteque" auf. Seltsame Tänze in gelben Kostümen mit eigenartigen Grimassen zu harten Disco-Beats. Tobender Applaus.

Startplatz 17 belegt Victoria aus Bulgarien mit ihrem zarten Song "Growing Up Is Getting Old":

"Dark Side", Heavy Metal aus Finnland auf dem Startplatz 16: Blind Channel mähen den armen Jendrik gnadenlos nieder.

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Blind Channel aus Finland

Daumen drücken für Jendrik auf Startplatz 15! "I Don't Feel Hate" versprüht mit einer schrill-bunten Show gegen Hass spürbar gute Laune. Aber reicht das, um vor den Jurys und Zuschauern zu bestehen?

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Gute Laune, aber kaum Punkte mit Jendrik aus Deutschland

Die kleine Republik Moldau schickt Natalia Gordienko auf Startplatz 14. "Sugar" heißt der Song, und so wie der Titel klingt der Song, der doch sehr an Poker Face einer Lady Gaga erinnert. Alles vor geometischer Video-Kulisse.

Spaniens Blas Cantó bringt Emoción in die Ahoy-Arena! Auf Startplatz 13 versprüht "Voy a quedarme" im Mid-Tempo Charme.

Startplatz 12: Island kann nicht live auftreten, denn bei der Band Daði og Gagnamagnið ist ein Corona-Fall aufgetreten! Der Song "10 Years" kommt vom Band. Die Band muss in Quarantäne ausharren, wird aber vom Publikum frenetisch bejubelt.

AFP/Kenzo Tribouillard)
Islands Dadi og Gagnamagnid

Die Schweiz schickt auf Startplatz 11 den Favoriten Gjon's Tears ins Rennen. "Tout l'univers" ist eine bewegende Ballade. Minimalistische und doch bombastische Videoshow. Was für eine Stimme!

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Der Schweizer Gjon's Tears

Auf Startplatz 10 lässt die Griechin Stefania es in "Last Dance" glitzern, und per Videoeffekt schwebt sie durch eine virtuelle Hochhauskulisse. "Durchsichtige Nummer", winkt Peter Urban ab.

Startplatz 9 ist der Brite James Newman, der ältere Bruder des bekannten John Newman. Der Song "Embers" bietet soliden Europop mit Trompenpomp, wohl ohne größere Siegchancen.

Startplatz 8: Es wird wieder gewirbelt! Hurricane aus Serbien setzen auch auf Latin Beats, der Song heißt "Loco Loco", die Kleider der drei drei Damen sitzen knapp, die Haare fliegen wild umher. "Spice Girls vom Balkan", ulkt Peter Urban.

Auf Startplatz 7 nimmt The Black Mamba aus Portugal das bislang rasante Tempo aus der Show. "Love is on my Side" ist eine melodische Soul-Ballade, auf Englisch gesungen. Sehr schön.

Startplatz 6 ist die als Favoritin gehandelte Destiny aus Malta. "Je me casse" ist geballte Frauenpower mit Soul-Stimme.

Startplatz 5 ist Russland! Manizha macht sich in "Russian Woman" über traditionelle Rollenbilder lustig und hat sich schon sehr viele Anfeindungen dafür eingeholt. Die selbstbewusste Künstlerin schert sich nicht drum und singt kraftvoll, wie sich Frauenpower auf russisch anhört.

Startplatz 4: Die belgische Triphop-Band Hoverphonic ist am Start: "The Wrong Place". Der erste Auftritt einer richtigen Band an diesem Abend. Sehr atmosphärisch und kraftvoll.

Startplatz 3: Israels Eden Alene bietet mit "Set Me Free" sehr tanzbare Euro-Dancebeats mit beeindruckender Stimme.

Und schon sind wir bei Startplatz 2: Albaniens Anxhela Peristeri mit "Karma".

Zypern eröffnet den Wettbewerb mit dem Latinpop-Song "El Diablo" von Elena Tsagrinou. Knallige Beats, Glitzerkleid und minimalistische Tanzshow vor Flammenmeer. Peter Urban vergleicht sie mit Lady Gaga.

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Elena Tsagrinou aus Zypern besingt den Teufel, "El Diablo".

Eurovision-Countdown: User lästern über Schöneberger-Outfit

Moderatorin Barbara Schöneberger überbrückte die Zeit bis zur Live-Übertragung aus Rotterdam mit Live-Acts von Jan Delay, Sarah Connor und Überraschungsgästen, darunter Michael Schulte, der es 2018 mit dem auf Englisch gesungenen You Let me Walk Alone immerhin auf Platz 4 geschafft hatte. 

Auf Twitter ist eine heiße Debatte um das eigenwillige Outfit von Moderatorin Barbara Schöneberger entbrannt.

Das sind die Favoriten

Schweiz: Gjon's Tears

Musikalisch stark ist Gjon's Tears aus der Schweiz mit seiner Ballade „Tout l'Univers“ - ähnelt aber sehr dem ESC-Sieger von 2019, dem Niederländer Duncan Laurence („Arcade“).

Frankreich: Barbara Pravi

Ebenfalls fast ohne Technik-Effekte kommt die Französin Barbara Pravi aus. Sie ist in aller Einfachheit elegant und raffiniert und erinnert an Edith Piaf. Ihr Chanson „Voilà“ könnte Zuschauer und Jurys umhauen.

Malta: Destiny

Malta dagegen bringt Frauen-Power im Glitzerlook - und wie: Destiny ist mit ihrem Power-Pop und Superstimme Liebling der Buchmacher.

Italien: Måneskin

Hoch im Kurz in den Wettbüros ist Hardrock aus Italien. Måneskin vertritt das Land mit „Zitti e Buoni“.

Ukraine: Go_A

Der vielleicht spannendste Act kommt aus der Ukraine: Go_A mit Sängerin Kateryna Pavlenko. Aufpeitschender Elektro-Folk, der sich überraschend hoch platzieren könnte.

Niederlande: Jeangu Macrooy

Mit einer rhythmischen Soul-Nummer geht Jeangu Macrooy für Gastgeber Niederlande ins Rennen. Zuvor hatte der niederländische ESC-Sieger Duncan Laurence das Finale des Musikwettbewerbs wegen einer Corona-Infektion verpasst: Laurence wurde positiv auf das Virus getestet und kann deshalb beim Finale in Rotterdam am Samstagabend nicht live auftreten, wie die ESC-Organisatoren mitteilten. Zuvor waren bereits Mitglieder der isländischen und polnischen ESC-Delegationen positiv getestet worden.

Weitere Kandidaten

Aus dem Glitzer-Glamour-Rahmen fallen Belgien und Portugal mit ruhigen Nummern. Litauen und Island könnten mit ihren fröhlichen und ironisch anmutenden Acts ganz oben landen.

Favorit Island mit Corona-Problem

Island kann wegen eines Corona-Falls im Team nur mit einem Video teilnehmen. Die Band mit dem sperrigen Namen Daði og Gagnamagnið zählt dennoch zu den Favoriten.

Deutschlands Jendrik: „zero points“?

Deutschland werden kaum Chancen eingeräumt. Jendriks fröhlicher Anti-Hass-Song mit Ukulele wird wahrscheinlich von der Hardrock-Gewalt aus Finnland direkt im Anschluss überrollt.

Jetzt lesen: ESC-Kommentator Peter Urban: Jendriks Song ist „total originell“ >>>

Lauterbach: ESC vor Live-Publikum falsches Signal

Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hält das Finale des Eurovision Song Contest in Rotterdam vor Live-Publikum für ein falsches Signal. „Konzerte mit 3500 Zuschauern können wir uns noch nicht leisten, dafür ist es noch zu früh“, sagte der SPD-Politiker im Gespräch mit „ZDFheute“. Es zeichne „ein falsches Bild“ davon, wo man in der Pandemie aktuell stehe.

Beim Finale des 65. Eurovision Song Contest treten am Samstagabend Interpreten aus 26 Ländern auf - ab 21.00 Uhr in der Ahoy-Halle vor rund 3500 Fans. An den Bildschirmen werden bis zu 200 Millionen Zuschauer erwartet. Für Deutschland tritt Jendrik (Startnummer 15) mit „I Don't Feel Hate“ an. Die Show findet unter strikten Bedingungen statt. Alle Besucher müssen ein negatives Corona-Testergebnis vorweisen, genauso wie Künstler und Mitarbeiter.

Er wisse nicht, welche Rückschlüsse sich aus dem ESC darüber ergeben sollten, wie solche Veranstaltungen in Zukunft ablaufen könnten. Für Konzerte in Innenräumen sieht Lauterbach im Sommer noch keine Möglichkeit - im Freien hingegen schon.

Eurovision Song Contest geht mit 26 Startern ins Finale

Mit Startern aus 26 Ländern geht der Eurovision Song Contest (ESC) heute (21.00 Uhr) in Rotterdam ins Finale. Als Favorit des zum 65. Mal stattfindenden Musikwettbewerbs gilt die italienische Rockband Maneskin, die mit ihrem rockigen Protestsong "Zitti E Buoni" in den Wettbüros seit Tagen vorn liegt. Dahinter folgen Frankreich und Malta. Auch der Ukraine und der Schweiz werden Außenseiterchancen zugeschrieben.

Deutschland tritt beim ESC mit Jendrik und der fröhlichen Popnummer "I Don't Feel Hate" auf Startplatz 15 an. Die Wettbüros sehen ihn am Ende des Teilnehmerfelds. Bei der letzten Austragung des Wettbewerbs im Vor-Corona-Jahr 2019 landete das deutsche Duo S!sters in Tel Aviv auf dem drittletzten Rang. Den Sieg trug damals der Niederländer Duncan Laurence davon. Der ESC ist der weltweit am meisten beachtete Musikwettbewerb.