Im „Erzgebirgskrimi“ zeigt der Polizist Rainer Wagner (Thomas Bading, r.) den Kommissaren Robert Winkler (Kai Scheve) und Karina Szabo (Lara Mandoki) den Fundort einer Leiche. dpa/Uwe Frauendorf

Idyllische Wälder, Kunsthandwerk und öfter ein „Glück auf!“ zur Begrüßung: Der ZDF-Krimi „Der Tote im Burggraben“ (17.4., 20.15 Uhr) dürfte es nicht nur vielen Erzgebirglern warm ums Herz werden lassen. Und die sächselnde, blonde Försterin (Teresa Weißbach), die den Ermittlern wichtige Tipps gibt und selbst einem Feuerteufel auf der Spur ist, komplettiert den Heimat-Charme.

Doch hinter dieser Idylle verbergen sich auch alte Verstrickungen und Animositäten, die weit in die Vergangenheit reichen. Das wird spätestens beim Anblick der schon verwesten Leiche klar, die auf dem Gelände einer Burgruine entdeckt wird. Sie ist der Ausgangspunkt der Mordermittlungen.

Wie sich herausstellt, ist der Tote ein nach dem Zweiten Weltkrieg Enteigneter aus einer früheren Adelsfamilie, der mit den Nationalsozialisten gemeinsame Sache machte. Nach der Wiedervereinigung war er zurückgekommen, um seinen Familienbesitz zurückzufordern. Doch die Einheimischen hatten damit andere Pläne. Musste er deswegen sterben?

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Die Ermittler Robert Winkler (Kai Scheve) und Karina Szabo (Lara Mandoki) stoßen in der Kleinstadt Hartenstein auf eine eingeschworene Gemeinschaft und Gegenwind. Dabei wird Winkler auch von seiner eigenen Vergangenheit eingeholt. Am Ende haben sie es mit zwei weiteren Leichen zu tun.

Gedreht wurde die inzwischen dritte Folge des „Erzgebirgskrimis“ während der Corona-Pandemie vergangenen Sommer in Hartenstein, Eibenstock, Aue, Schneeberg, Chemnitz und an der Talsperre Sosa. Doch im Film selbst kann der lockdowngeplagte Fernsehzuschauer in eine coronafreie Zeit entfliehen, in der Hände geschüttelt werden, keiner eine Maske trägt oder auf Abstand achtet.

Es ist bereits die dritte Folge des „Erzgebirgskrimis“ mit den Kommisaren Robert Winkler (Kai Scheve, l.) und Karina Szabo (Lara Mandoki, r.). dpa/Uwe Frauendorf

Wurden die ersten beiden Folgen des Samstagskrimi-Formats unter der Regie von Ulrich Zrenner gedreht, hat das ZDF dieses Mal auf Constanze Knoche gesetzt, die den Angaben nach ihre erste Primetime-Regie abliefert. Bei einem so jungen Format mache es besondere Freude, die Figuren weiter auszuloten, ihre Vorgeschichten zu entdecken und zu erfinden, beschreibt sie ihre Arbeit. Das ZDF selbst schwärmt von einem „authentischen ostdeutschen Krimi mit facettenreichen Figuren“.

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Mit den Rückforderungen von Alteigentümern nach der deutschen Einheit wird zugleich ein kompliziertes Thema berührt, das Anfang der 90er-Jahre in Ostdeutschland virulent war, viel Unmut zwischen Ost und West verursachte und auch Gerichte lange beschäftigt hat. Historisch spannt die neue Folge so letztlich den Bogen sogar bis in die Zeit des Nationalsozialismus.

Fans des Heimatkrimis dürfen sich derweil schon auf eine Fortsetzung freuen. Der vierte Teil „Der letzte Bissen“ ist schon fertiggestellt und im Sommer sind Dreharbeiten für Teil fünf und sechs der Reihe geplant. Das Erzgebirge bleibt also auf der deutschen Krimi-Landkarte und sorgt in den Wohnzimmern weiter für heimelige Kulissen. Das dürfte auch die derzeit pandemiegeplagten Touristiker freuen.