Die Reality-TV-Teilnehmerin Georgina Fleur räkelt sich in Dessous auf einer Couch. Seit Juni 2020 ist sie auf der sozialen Plattform OnlyFans aktiv und teilt regelmäßig Inhalte ihrer Füße, aber auch Lack- und Leder-Fetisch. Foto: Privat/Georginafleur.tv /dpa

Prominente und Influencer ziehen sich für ihre Follower aus. Wie viel nackte Haut sie zeigen, ist auch abhängig von den Wünschen der Fans und wie viel sie bereit sind zu zahlen. Was an Porno oder Prostitution erinnert, ist auf der sozialen Plattform OnlyFans Alltag. Hier teilen etwa die Sängerin CardiB oder Sänger Aron Carter Nacktfotos und -videos mit ihren Fans.

In Deutschland nutzen etwa die YouTuberin Jodie Calussi oder Reality-TV-Promi Georgina Fleur die Plattform. Seit Juni 2020 ist Fleur auf OnlyFans aktiv - sie zeige Bilder ihrer Füße, aber auch Lack- und Leder-Fetisch, wie sie der Deutschen Presse-Agentur erzählt.

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OnlyFans funktioniert ähnlich wie Instagram oder Facebook. Menschen teilen Inhalte auf einem Profil, dem die Nutzer folgen können. Es gibt auch die Möglichkeit, sich privat Nachrichten zu schicken. Der große Unterschied: Man muss zahlen, um mehr von den Inhalten sehen zu können. Die ersten Kosten fallen teilweise schon beim Abonnieren an. Etwa fünf bis 50 Dollar können laut Website für ein Monatsabo verlangt werden. Und da startet das Spiel mit dem Geld erst.

Die Fans können auch Wünsche erfüllen

Vieles kostet - je nachdem, was der User wünscht oder sehen will. „All meine Nachrichten sind kostenlos“, schreibt zum Beispiel die Influencerin Mars auf ihrem Account. „Aber falls du Priorität möchtest und willst, dass ich schneller antworte... Nachrichten mit Trinkgeld sind meine Top-Priorität.“ Die Fans können auch Wünsche erfüllen. Manche „Creator“, wie die Plattform jene Nutzer mit eigenem Profil nennt, veröffentlichen Wunschlisten, etwa von Produkten aus dem Online-Kaufhaus Amazon. Jodie Calussi wünscht sich beispielsweise eine Gucci-Sonnenbrille oder verschiedene Bücher von ihren Fans.

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Von den Einnahmen auf der Plattform dürfen die Influencer 80 Prozent behalten, heißt es auf der Webseite. Die Creator verdienen dabei gar nicht schlecht. Das Model Reno Gold erzählte in einem Interview mit dem Magazin „Attitude“, dass er die Marke von 100 000 US-Dollar pro Monat geknackt habe. „Seit Covid habe ich viel erreicht, da die Menschen nicht mehr von Angesicht zu Angesicht interagieren. Im ersten Monat nach Covid war es wahnsinnig, wie viel Geld die Leute und nicht nur ich verdienten.“

„Man kann quasi bei mir alles sehen, außer die Muschi“

Aber wie weit gehen die Influencer bei der Nabelschau? In einem Interview mit dem Jugendformat des Bayerischen Rundfunks „Puls-Reportage“ verriet die OnlyFans-„Creatorin“ Suzie Grime: „Man kann quasi bei mir alles sehen, außer die Muschi.“ Das könne sich allerdings ändern, je nachdem, wie viel ein Follower bereit sei zu zahlen.

Auch Georgina Fleur richtet sich bei ihren Inhalten gern nach den Wünschen und Anfragen ihrer Fans. In einem Chat schickt sie etwa Fotos mit der Unterschrift: „In Corona-Zeiten bin ich Deine heiße Krankenschwester.“ Sie fühle sich auf dieser Plattform sicher, wenn sie Inhalte teile: „Der Content, den ich hier poste, ist vor unerlaubtem Download geschützt. OnlyFans bietet Schutz vor Anfeindungen und Shitstorms.“ Außerdem könne sie live mit Fans reden und chatten - allerdings nur gegen Geld. Fast 30 Dollar kostet ein Monatsabonnement bei Fleur. Für drei Monate bietet die Influencerin dann fünf Prozent Rabatt an.

Das Besondere ist für Georgina Fleur ganz klar: „OnlyFans gibt jedem die Möglichkeit mit seinem Content Geld zu verdienen. Früher brauchten Models eine Agentur/Management und mussten einem gewissen Schönheitsideal entsprechen“, so die Reality-TV-Teilnehmerin. „Jedes Model kann seinen Content selbst vermarkten und sich eine Fanbase aufbauen. Unabhängig von Alter, Gewicht, Geschlecht oder Herkunft.“

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Ähnliche Vorteile sehen auch Suzie Grime und OnlyFans-Userin Yma Louisa Nowak. „Für mich ist das moderner Feminismus“, sagt Nowak in einem Interview mit dem „Spiegel“ im März dieses Jahres. „An Sexualität, egal welcher, ist nichts Verwerfliches.“

Kernfrage: Was bin ich wert und was ist mein nackter Körper wert

Auch Madita Oeming, Wissenschaftlerin an der Universität Paderborn, die sich unter anderem mit Pornos beschäftigt, sieht in OnlyFans feministisches Potential. „Weil dort Frauen und queere Menschen die Möglichkeit haben, über ihre eigenen Körper zu bestimmen, zu verfügen“, erzählt sie in einem Interview auf YouTube mit „Puls-Reportage“. „Sie haben sehr große Kontrolle über das was sie dort machen.“

Das Risiko liege vor allem bei jungen und unsicheren Personen, dass sie die Aufforderungen und Wünsche der Fans unter Druck setzen könnten. „Die Frage, was bin ich wert und was ist mein nackter Körper wert, ist natürlich eine sehr komplexe.“ OnlyFans diene jedoch als digitales Geldverdienen für alle, nicht nur für pornografische Inhalte und „es ist auch offen für alle anderen Inhalte.“

Nach Recherchen des „Spiegel“ hatten bis vor einiger Zeit rund 4000 Menschen aus Deutschland einen Bezahlaccount auf OnlyFans. Insgesamt habe die Plattform 24 Millionen registrierte Nutzer. Etwa 500 000 davon würden selbst Inhalte posten. Aktuellere Zahlen gab das Unternehmen auf Anfrage nicht bekannt. Die Plattform selbst gibt es seit 2016.