Sprung in die erste Moderatorenliga: Schauspieler Edin Hasanovic mit einer goldglänzenden Lola. Foto: Deutscher Filmpreis/Jens Koch

Edin Hasanovic ist wirklich nicht zu beneiden - oder vielleicht doch? Der 28-jährige Schauspieler moderiert am Freitag die Verleihung des Deutschen Filmpreises – krisenbedingt ohne Saalpublikum und unter erhöhten Sicherheitsauflagen. Das hat es so auch noch nicht gegeben. Dass die Lolas – sie sind insgesamt mit knapp 3 Millionen Euro dotiert – dieses Jahr überhaupt vergeben werden, grenzt an ein Wunder.

Berliner KURIER: Ein Deutscher Filmpreis ohne Saalpublikum ist sicher eine ganz eigene Herausforderung?

Edin Hasanovic: Wissen Sie, ich bin Schauspieler, kein Moderator. Ich weiß nicht, was man in so einer Situation anders macht. Wie man lustig ist, energiegeladen und schnell, obwohl ein direktes Feedback eines Publikums, wie ich es vom letzten Mal kenne, wegfällt. An der größten Herausforderung hat sich aber auch mit den aktuellen Umständen nichts geändert: durch einen Abend zu führen, der Anker, Spielleiter, Freund und Gastgeber zu sein und gleichzeitig darf dem Zuschauer fast zweieinhalb Stunden lang die Lust auf mich nicht vergehen.

Bei Ihrer Premiere als Lola-Moderator 2018 wurden Sie vom Publikum regelrecht getragen …

Ja, das werde ich nie vergessen und mir dieses Mal immer wieder in Erinnerung rufen müssen.

Im Gegensatz zu anderen Künstlern haben Sie noch Arbeit.

Es ist ein Geschenk, für das ich sehr dankbar bin. Egal, wie umständlich es in diesen Zeiten auch sein mag, so eine Show auf die Beine zu stellen, ist ein Privileg, was die wenigsten haben.

Wie hat Corona Sie persönlich getroffen?

Nicht weniger oder mehr als viele andere. Zum Glück sind alle um mich herum gesund, weil es ernst genommen wird und man sich an die Verordnungen hält. Alle Lola-Meetings halten wir gerade digital ab.

Was wird krisenbedingt anders bei der Lola-Verleihung?

Alles: Kein Publikum. Keine anwesenden Preisträger. Keine Bühne. Und trotzdem war es uns wichtig, eine Show auf die Beine zu stellen, die alle Nominierten ehrt und der Branche Hoffnung macht. Es wird anders. Aber es wird gut.

Edin Hasanovic moderierte bereits 2018 die Lola-Verleihung. Foto: Deutscher Filmpreis/Jens Koch

Wo findet die Veranstaltung statt?

In einem 2400 Quadratmeter großen Studio in Berlin-Adlershof. Dadurch, dass es eben keine Bühne gibt und wir die Personenzahl hinter der Kamera den Umständen entsprechend stark reduziert haben, werden wir alle Vorgaben einhalten können.

Es gibt keine Umarmungen?

Luftküsse sind auch was Schönes und viel zu unterschätzt.

Und die Trophäen? Werden die mit Handschuhen überreicht?

Uns bleibt nichts Anderes übrig als die Lolas per Brieftaube loszuschicken. Leider sind keine Nominierten in echt da.

Übertragen wird am 24. April um 22.15 Uhr live im Ersten. Warum so spät?

Das ist für „Deutsche Filmpreis“-Verhältnisse ziemlich früh. Über diese Entscheidung waren wir sehr stolz und froh. Aber ich sehe das genauso wie Sie: Eines Tages sollte der deutsche Film so ein hohes Ansehen genießen, dass die Verleihung in der Primetime läuft!

Eine Ihrer Spezialitäten ist der Humor. Wie lacht man in Corona-Zeiten so, dass keine Gefühle verletzt werden?

So, wie ohne Corona. Da gelten dieselben Parameter. Wie lacht man in Zeiten von rechtsradikalen Angriffen? In Zeiten, wo es Menschen gibt, die die AfD wählen? „Ich möchte nicht verletzen, aber vielleicht anecken und anregen, provozieren“. Das sind die Gedanken, die ich mir mache. Schließlich bin ich der zweitjüngste Moderator der Lola, nachdem ich 2018 der jüngste war. Es gibt viele Gründe, um ernst zu bleiben. Aber auch viele, um zu lachen.

Maskenwitze gibt es hoffentlich nicht? Oder gehört der Mundschutz zum Dresscode des Abends?

Ohne das allgegenwärtige Thema kommen wir natürlich nicht aus. Ich werde sicherlich in Maskengesichter blicken müssen, wenn ich mal hinter die Kamera schaue. Aber es gibt ja auch andere Themen – neben Corona.

So viele unterschiedliche Menschen machen den Filmpreis erst möglich, und dieses Mal ist alles um ein Vielfaches schwerer. Wem sagen Sie Danke?

Das ist wahrscheinlich die schwierigste Frage. Es gibt den Sender, der uns vertraut, die Kulturstaatsministerin Prof. Monika Grütters, die hinter uns steht, die künstlerische Leiterin Sherry Hormann, die der treibende Motor hinter allem ist. Um unfairerweise nur ein paar zu nennen. Und es gibt das positive, unterstützende, motivierende Feedback in den sozialen Netzwerken der Branche und aller anderen, die uns die Kraft geben weiterzumachen.