Die Jury von „Deutschland sucht den Superstar“ im Container auf dem Marktplatz von Wernigerode, im Hintergrund glotzen Touristen ins Glashaus. dpa/Matthias Bein

Fans haben lange darauf gewartet – und dieses Mal auch die Kritiker: Nach dem Rauswurf von Poptitan Dieter Bohlen aus der Jury von „Deutschland sucht den Superstar“ lief am Sonnabend die erste Folge mit Florian Silbereisen und seinen Jury-Kollegen. Das Format soll so familienfreundlicher werden, denn böse Bohlen-Sprüche gibt’s nicht mehr. Aber: Kann das klappen? KURIER schaute die erste Folge.

„Deutschland sucht den Superstar“ ohne Bohlen: Es fühlt sich komisch an

Es ist nicht so, dass man sich nicht hätte lange darauf vorbereiten können: Der Bohlen-Rauswurf liegt lange zurück, die Verkündung der neuen Jury-Mitglieder ebenso. Und doch war es ein ungewohnter Anblick, als um 20.15 Uhr am Sonnabend die neue Staffel „Deutschland sucht den Superstar“ begann: Schlager-Star Florian Silbereisen, Sängerin Ilse DeLange und Musikproduzent Toby Gad sind es, die nun am Pult sitzen. Ob man ihn leiden konnte oder nicht: Es fühlt sich komisch an, dass Bohlen fehlt.

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Für die ersten Castings machte das Team unter anderem auf dem Marktplatz von Wernigerode Station. Aufgezeichnet wurden die Auftritte in einem gläsernen Würfel – schräg, denn es ist ein bisschen wie im Affenhaus im Zoo. Während drinnen Songs von Beyoncé und anderen geträllert werden, stehen draußen Elfriede und Manfred in Shorts, glotzen mit starrem Blick in den Container. Und versuchen, ein Handy-Foto von Silbereisen zu ergattern.

Musikproduzent Toby Gad (Mitte), Sängerin Ilse DeLange und Schlagerstar Florian Silbereisen sind die neue Jury von „Deutschland sucht den Superstar“. dpa/Matthias Bein

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Und drinnen die harten Castings- Kandidaten treten vor die Jury, stellen sich vor und singen – alles wie bisher. Nur: Werden die neuen Juroren es anders machen als bisher? Es ist die Frage, die sich zuvor auch die Fans der Show stellten. Fakt ist: Mit dem neuen Jury-Team kehrt, insbesondere durch Florian Silbereisen, etwas mehr Heile-Welt-Feeling bei „Deutschland sucht den Superstar“ ein. Kein Zoff am Jury-Pult, die drei scheinen sich blendend zu verstehen, niemand eckt an.

Florian Silbereisen als DSDS-Juror: Freundlich, aber bestimmt

Wenn Kandidaten nicht singen können, bekommen sie das von Silbereisen bestimmt, aber trotzdem freundlich verklickert. Natürlich längst nicht so brutal wie Bohlen, aber dennoch mit mehr Nachdruck, als man es erwartet hätte. Auch seine Mitjuroren sind eher zurückhaltend: Für die Emotionen sorgt Ilse DeLange, die bei einer Kandidatin sogar alle Tränen-Dämme brechen lässt.

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Und Toby Gad? Der bringt als namhafter Produzent zwar Fachwissen in die Jury, allerdings auch recht unangenehm. Denn er nutzt wirklich jede Chance, um Geschichten aus seiner Arbeit zu erzählen – und sich damit zu rühmen, mit welchen Stars er bereits arbeiten durfte. Opi - Verzeihung - Toby Gad erzählt aus seinem Leben: Der Kampf um Bedeutung grenzt an jene Fremdschäm-Momente, für die die Kandidaten sorgen sollten.

Und die Kandidaten? Die legen gut vor. Einige sind unterhaltsam, einige echte Talente. Neun sind es, die am Ende der Episode ein „Ja“ bekommen haben, nur vier davon dürfen in den Auslands-Recall. Die Wahl wäre auch manchem Zuschauer schwer gefallen. Ansonsten wird auch in der Neuauflage nicht an Tränendrüsen-Momenten gespart. Tote Familienmitglieder und Freunde, traurige Lebensgeschichten und Co. werden selbstverständlich präsentiert. An dieser Stelle hat „Deutschland sucht den Superstar“ nicht von seinem Unterhaltungs- und Emotionswert verloren.

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Das neue „DSDS“ ist weichgespült, aber auch irgendwie spannend

Das neue „DSDS“ ist anders, etwas weichgespült zwar, hier und da nervig, aber dennoch auf schräge Weise spannend. Ob sich die Show, einst ein Dino des Senders, weiterhin behaupten kann, wird sich zeigen. Zumindest die erste Folge fuhr nicht ganz so hohe Quoten wie 2021, aber immerhin stabile Werte ein: 2,65 Millionen Zuschauer schalteten ein, davon 890.000 in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen, das entspricht einem Marktanteil von 13,2 Prozent. Die nächste Folge läuft am Dienstag um 20.15 Uhr.