Nur die langen Klamotten verraten: Das Dschungelcamp kommt nicht aus Australien. Dr. Bob erklärt Mike, Zoe und Frank das Spiel. Foto: TVNow/Stefan Gregorowius

Unfreiwillig hat RTL bewiesen, was zahlreiche Nörgler schon immer behauptet hatten: Das Dschungelcamp hätte genauso gut auch die vergangenen 14 Staffeln in Köln-Hürth gedreht werden können. Findige Bühnenbauer verwandelten die Prüfungs-Arena im Fernsehstudio mit Palmenwedeln und Rindenmulch in eine Umgebung, wie wir sie schon oft in den vergangenen Jahren gesehen haben. Und die Macher gaben sich alle Mühe, Altbekanntes zu zeigen, um den Zuschauer abzuholen: wilde Tiere, schreiende Start - und Dr. Bob. Bei allen Zweifeln im Vorfeld: Diese Dschungelshow hat den Dschungelflow!

Mike Heiter, Zoe Saip und Frank Fussbroich zuversichtlich vor der ersten Dschungelprüfung der Ersatz-Show. Foto: TVNow/Stefan Gregorowius

Natürlich ist das Konzept anders. Denn die ganze Welt wurde durch die Corona-Pandemie durcheinandergewirbelt - warum sollte es mit dem Dschungel anders sein? Also leben die zwölf Stars bei der Dschungelshow eben nicht alle zusammen zwei Wochen lang in einem großen Camp, sondern in vier Dreiergruppen für jeweils 72 Stunden in einem Tiny House, das in einem Fernsehstudio im Rheinland steht. Den Anfang machten „Love Island“-Star Mike Heiter, „GNTM“-Model Zoe Saip und WDR-Reality-Pionier Frank Fussbroich. Dschungel? Nein. Dschungelmäßig? Auf jeden Fall. 

Lesen Sie auch: Dschungelcamp: Maik Heiter, Zoe Saip und Frank Fussbroich treten zur ersten Prüfung an >>

Wir hatten die klassische Begrüßung durch Sonja Zietlow und Daniel Hartwich, wir hatten flache Witze über aktuelle und ehemalige Kandidaten, wir hatten Torsten Legat als Sidekick , ja sogar ein bisschen Klatsch und Tratsch, als Frank Mike über dessen gescheiterte Beziehung zu Vorjahrescamperin Elena Miras ausfragte.

Dschungelcamp: Die Prüfung sorgt gleich für Ärger

Und dann gab es natürlich die Prüfung - die Dschungelprüfungstauglichkeitsprüfung, wie Zietlow und Hartwich es formulierten. Die Aufgabe gab es sogar schonmal im echten Dschungelcamp im Jahr 2016. Doch während der spätere Dschungelkönig Menderes sie mit Bravour löste, stellten sich Mike, Zoe und Frank deutlich schlechter an.

Dafür funktionierte, was RTL sich von Gruppenprüfungen verspricht: Es gab Zoff. So hackte Frank, der schon vorher mit sexistischen Kommentaren gegenüber Zoe aufgefallen war, rücksichtslos auf das am Boden zerstörte Nachwuchsmodel ein, nachdem die 21-Jährige im Wasserbassin eine Panikattacke bekam, die Prüfung aber dennoch tapfer durchhielt, um die von Mike erspielten Sterne nicht zu verlieren. Mike hingegen lobte sie - und könnte sich als großer Motivator im Team auf eine echte Heldenreise begeben.

Zwischendurch, so will es das Konzept der Dschungelcamp-Ersatz-Show, warfen die Moderatoren Sonja Zietlow und Daniel Hartwich einen Blick zurück auf vergangen Staffeln. Und dabei wagte die Produktion einen durchaus riskanten Schachzug. Denn in der ersten Folge schauten die beiden Moderatoren auf die wohl erfolgreichste aller Dschungelcamp-Staffeln zurück: die achte aus dem Jahr 2014. Bis heute kam keine Dschungelcamp-Besetzung mehr an die Quoten aus diesem Jahr heran. Riskant deshalb, weil dieser Rückblick eine große Fallhöhe bietet, die Fans aber auch mit einer Staffel abholt, die bis heute unerreicht ist.

Fans erinnern sich noch sehnsüchtig an die immer wieder auf dem unebenen Boden des australischen Busches strauchelnde Larissa Marolt, die zu Beginn der Show in jede Dschungelprüfung gewählt wurde und dabei eine Charakterentwicklung durchmachte, wie sie kaum ein zweiter im Dschungel vermochte. Oder sie erinnerten sich an Melanie Müller, die lebende Tiere und Genitalien bereits geschlachteter mit so einem Eifer zerkaute, bis sie endlich Dschungelkönig wurde.

Mit guter Laune und flachen Witzen versuchten Sonja Zietlow und Daniel Hartwich die übliche Dschungelcamp-Stimmung nach Deutschland zu bringen. Foto: TVNow/Stefan Gregorowius

Für beide war das Dschungelcamp damals ein richtiges Karrieresprungbrett. Larissa Marolt ist heute eine ernstzunehmende Schauspielerin und Melanie Müller immerhin eine große Nummer im Trash-TV-Mallorca-Business. Und in dieser Rolle war letztere auch zum Auftakt der Dschungelshow zusammen mit dem selbsternannten It-Boy Julian F.M. Stöckel als Camp-Veteranen dabei. 

Das Dschungelcamp ist selbst der Star

Tatsächlich war es der Berliner It-Boy, der die perfekte Begründung dafür ablieferte, warum auch diese Ersatz-Show trotz aller Widrigkeiten den echten Dschungelflow hat. „Es geht beim Dschungelcamp längst nicht mehr um große Stars“, sagte er. „Das Dschungelcamp ist selbst der Star.“ Diese Analyse ist so einfach wie treffend. Es gibt einen Grund, warum sich Promis auf die Teilnahme bewerben - und warum jedes Jahr wieder Millionen Menschen einschalten um diese Promis Tiergenitalien esse zu sehen: Es sind die Prüfungen, die Interaktion der Kandidaten miteinander. Es sind die Emotionen, der Streit und das sich vertragen. Dabei ist es nicht entscheidend, wie bekannt die einzelnen Dschungelcamper sind, ob sie kurze oder lange Klamotten trage - oder ob das Camp in Australien steht und in der Mitte ein Lagerfeuer brennt. Menschen wollen Menschen sehen.

Lesen Sie auch: Das Dschungelcamp zieht im Corona-Jahr in diese Bretterbude >>

Es waren nie die ganz großen Namen, die eine Staffel prägten, sondern es waren oft die Heldenreisen unbekannter Trash-TV-Nomaden, die die besten Geschichten erzählt und nicht selten auf den Dschungelthron geführt haben. Die erste Folge der Dschungelshow hat gezeigt, auch die Spar-Variante aus Köln-Hürth kann das leisten.