Demi Lovato singt – einmal mehr – über ihre Süchte und Traumata. Foto:
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Billie Eilish, Justin Bieber oder Lady Gaga: Internationale Popstars singen derzeit häufig und offen über psychische Probleme und die Schattenseiten des Ruhms. Auch Demi Lovato, die seit Kindestagen in der Öffentlichkeit steht, hat schon häufig ihre Süchte thematisiert. Auf ihrem Album „Dancing With The Devil… The Art of Starting Over“, das am Freitag erscheint, besingt sie nun einen einschneidenden Moment ihres Lebens.

Es ist der 23. Juli 2018. Die Musikerin feiert mit Freunden den Geburtstag ihrer Choreografin. Erst in Kneipen, dann in ihrem Haus in Los Angeles. Als sich die meisten Gäste am frühen Morgen verabschieden, geht die Sängerin ins Bett. Sagt sie. In Wirklichkeit ruft sie ihren Dealer, der ihr einen Drogenmix verkauft. Wenige Stunden später findet Lovatos Assistentin sie regungslos in ihrem Bett.

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„Ich hätte es fast in den Himmel geschafft. Es war knapper, als ihr glaubt zu wissen“, heißt es im Titelsong „Dancing With The Devil“. Übersetzt: „Mit dem Teufel tanzen“. In der Ballade, die vom Sound her an einen James-Bond-Titelsong erinnert, thematisiert Lovato auch ihre Alkoholsucht, in die sie immer wieder zurückfällt.

„Es ist zwei Jahre her, dass ich mit dem dunkelsten Punkt in meinem Leben konfrontiert wurde, und jetzt bin ich bereit, meine Geschichte mit der Welt zu teilen“, sagt Lovato über ihre neue Musik.

Vierteilige Doku auf YouTube

Passend zum neuen Album ist in diesen Tagen eine vierteilige Doku auf YouTube zu sehen, in der Freunde und Familie zu Wort kommen. Hier erzählt die 28-Jährige auch, dass sie in der Nacht des Drogenkollaps vergewaltigt worden sei. Dass sie im Krankenhaus drei Schlaganfälle und einen Herzinfarkt erlitt und beinahe erblindet sei. Noch heute dürfe sie kein Auto fahren und sehe einige Dinge schlecht.

Aber wie konnte es so weit kommen? Lovato tritt schon mit sechs Jahren im Kinderfernsehen und bei Schönheitswettbewerben auf. Zeitgleich kämpft sie mit Essstörungen, unter denen auch ihre Mutter litt. Als Teenager wird sie zum Disney-Star und verfällt dem Alkohol. Auch ihr Vater ist süchtig und stirbt nach der Trennung völlig vereinsamt.

Der einstige Kinderstar geht in Therapie und schafft den Absprung. Auf ihren Konzerten spricht Lovato („Skyscraper“, „Sorry Not Sorry“) oft unter Tränen über ihre dunkle Vergangenheit. Sechs Jahre später der Rückfall.

„Ich will ein Vorbild sein, bin aber nur ein Mensch“, singt sie im Juni 2018 auf ihrer Single „Sober“ („Nüchtern“). Sie trinkt wieder und nimmt, offenbar von Freunden und Familie unbemerkt, harte Drogen. Crack, Heroin, Xanax.

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Offenheit als Therapie

Einen Monat nach der Single folgt die Nachricht über ihre Überdosis. Den Kampf mit dem Teufel scheint sie verloren zu haben. „Ich bin glücklich, am Leben zu sein. Es war wohl nicht meine Zeit. Ich sollte einfach noch weiterleben“, sagt Lovato in der Doku im Beisein ihres Neurologen.

Die YouTube-Reihe, ein dazugehöriges Video-Tagebuch und das Album, auf dem sie auch mit Ariana Grande und Miley Cyrus' Schwester Noah singt, sind nun der Versuch eines Comebacks. Marketing ist wohl auch mit dabei, doch Lovato scheint ihre Offenheit vor allem als Therapie zu verstehen. In „California Sober“ gibt sie zu, weiter Marihuana zu rauchen und Alkohol zu trinken - in Maßen.

Dieser „Alles-oder-Nichts-Dogmatismus“ sei für sie schwer, erzählte die 28-Jährige der „New York Times“. Sie brauche eine Balance in ihrem Leben. Ein Ansatz, den Förderer und Musik-Ikone Elton John problematisch findet. „Maß halten funktioniert nicht. Entweder machst du es oder nicht“, sagt er in der Dokumentation.