„Die Seilschaft“ in ihrer heutigen Formation. PR

„Die Seilschaft“ ist zurück! Die frühere Band des Lausitzer Braunkohle-Barden Gerhard Gundermann (1955 – 1998) hat ein Album vorgelegt, das mit trotziger Melancholie und kraftvoller Pose die Sternstunden einer friedvollen Zeit beschwört. Ist das Utopie? Ganz und gar nicht.

Ein jeder hat sein Päckchen zu tragen, in diesen von Krise und Wirrnis geplagten Zeiten ganz besonders. Und vielleicht hat „Die Seilschaft“, die Band des legendären Gerhard Gundermann, ja darum ihr langersehntes Studioalbum schlicht und schlank „Dein Paket“ genannt. Hören wir mal rein: „Auch wenn ich es will / Ich kann mich nicht zerreißen. / Hör ich auf die Lauten / überhör ich die Leisen ...“

Das richtige Album für eine von Krise und Wirrnis geplagte Zeit

Sänger Christian Haase erklärt, wie das mit dem „Paket“ gemeint ist: „Mal bekommen wir eins geschenkt, mal eins auferlegt. Mal verschenken wir selbst eins, um zu erfreuen, manchmal beladen wir andere, um uns zu entlasten. Nur verlernen wir wohl gerade, auch auf den Anderen zu schauen, wie er mit seinem Päckchen klarkommt. Wir sind alle extrem mit uns selbst beschäftigt. Das könnte uns bald auf die Füße fallen, wenn wir nichts an diesem Verhalten ändern.“

Das Cover der Single „Dein Paket“ Foto: PR

Die 13 neuen Songs auf dem Album sind allesamt von Christian Haase, Mario Ferraro und Michael Nass geschrieben worden, Nass hat die Nummern auch produziert.

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Neben „Dein Paket“ werden mindestens drei weitere Lieder von der Band besonders erwähnt: In „Wölfe“ riskiert Haase einen Blick in den Rückspiegel, „um Freunde und Freuden vergangener Tage neu einzuordnen … welche Ideale haben wir zurückgelassen, wen haben seitdem die Wölfe gerissen? In ,Sieht nach Regen aus‘ wird aus einem vermeintlich ruhigen Stillleben am Frühstückstisch eine Angst vor der lautlosen Wahrheit da draußen, die man nicht sehen möchte und zu verdrängen sucht, während ,September‘ in bester Tradition die verblassten Erinnerungen von diesem einen, wirklich besonderen September, wieder erstrahlen lässt.“

Foto: dpa/Weisflog
Der ostdeutsche Sänger Gerhard Gundermann bei einem Auftritt. Regisseur Andreas Dresen verfilmte 2018 mit „Gundermann“ das Leben des Liedermachers. 

Vielleicht noch eins: Das Mixing hat Peter Schmidt übernommen, das macht der sonst für Die Ärzte, Peter Fox oder Udo Lindenberg. Ein Soundprofi durch und durch.

Wer reinhören möchte in die CD (das Einschweißen hat die Band gelassen: „Noch mehr Plastikmüll muss nicht sein!“), hier ein Ausschnitt