Blues-Pills-Sängerin Elin Larsson lässt auf der Bühne alles raus. Im Interview spricht sie eher ruhig, aber sie lacht auch gerne. Foto: Imago Images//Pacific Press Agency

In den 60er-Jahren eroberte Janis Joplin die Männerdomäne des Rock. Lange wartete man auf eine Frau, die das Erbe der Gigantin antritt. Nun ist sie da. Elin Larsson (31), Sängerin der angesagten Schweden-Hardrocker Blues Pills, klingt wie eine Janis von heute. Der KURIER traf Elin und ihre Band, deren dritte Platte „Holy moly!“ jetzt am Start ist.

KURIER: Wie fühlt es sich an, wenn einen die Leute mit Janis Joplin vergleichen?

Elin Larsson: Unglaublich! Sie ist eine Ikone. Ich nehme den Vergleich zur Kenntnis, aber ich bilde mir nichts drauf ein. Trotzdem ist es wirklich cool. (lacht)

Seid ihr mit dieser Musik groß geworden?

Elin Larsson: Meine Helden waren Aretha Franklin, aber auch Janis Joplin und Joe Cocker. Wir sind große Fans von Fleetwood Mac und Peter Green. Ich war früher auch mal Mitglied einer Black-Sabbath-Coverband.

Zack Anderson (Gitarrist): Schon meine Eltern haben mir Pink Floyd, The Doors, Jimi Hendrix und die Beatles nähergebracht. Einige Zeit lang war ich ein fast zwanghafter Plattensammler. Dadurch habe ich viel Underground-Musik aus den 60er- und 70er-Jahren entdeckt, die heute fast vergessen ist. Das beeinflusst auch die eigene Musik.

Aktuell seid ihr für Interviews nach Berlin gekommen, aber ein Konzert könnt ihr wegen Corona nicht geben.

Elin Larsson: Wir mussten für dieses Jahr alles absagen, auch Auftritte bei Festivals. Wir haben ein Livestream-Konzert in einem Studio in Stockholm gespielt, aber ohne Publikum war das nicht ganz so unser Ding. Grundsätzlich sind wir in Berlin schon öfter aufgetreten und auch ein bisschen ausgegangen. In Karlsberg (lacht)? Kreuzberg? Ich mag es, dass Berlin so eine raue Atmosphäre hat. Trotzdem machen es die Leute einem hier irgendwie gemütlich.

Habt ihr die Corona-Krise – wie andere Bands auch – gezielt genutzt, um in Ruhe eure neue Platte aufzunehmen?

Elin Larsson: Nicht ganz. Wir mussten wegen der Pandemie den Zeitpunkt der Veröffentlichung um einige Wochen hinausschieben – auf den 21. August. Aber das Album war schon im Januar fertig, also vor der Krise.

Bei euch fällt mir immer auf, wie sich eure Songtitel ähneln:„Lady in gold“, „High class woman“, „Proud woman“. Ist das Absicht? 

Elin Larsson: (lacht) Das war von Anfang an der Plan! Wir haben uns das schon vor zehn Jahren ausgedacht! Nein, im Ernst, ich schreibe meine Songtexte aus weiblicher Sicht. Deshalb kommt wohl öfter „lady“ und „woman“ vor.

Der neue Album-Titel „Holy moly!“ (dt.: Heiliger Bimbam) ist auch eher ungewöhnlich.

Zack Anderson: Das war zu Anfang nur ein Witz. Wir hatten eine Riesenliste mit ganz vielen möglichen Titelideen aufgeschrieben. Aber „Holy moly!“ blieb irgendwie in unseren Köpfen hängen.

Wagt ihr eine Corona-Prognose, wann ihr wieder werdet auftreten können?

Zack Anderson: Ach, das weiß wohl keiner genau. In Schweden sind kleine Club-Shows mit 50 Leuten erlaubt ...  

Elin Larsson: Wir hatten diesen großen Plan, im Herbst mit einer Vorband aus Kanada auf Tour zu gehen. Aber dann ist es, wie für so viele, Sch... gelaufen.

Für dieses Erinnerungsfoto durfte KURIER-Reporter Mike Wilms (Mitte) zwei Minuten lang so tun, als wäre er das fünfte Band-Mitglied der Blues Pills. Foto: Berliner KURIER/Gerd Engelsmann