Der Schauspieler Gerard Butler. Foto: Imago-Images/Aristidis Vafeiadakis

Er ist Hollywoods Sonnyboy. Immer freundlich, immer optimistisch, immer bereit zu einem kumpelhaften Smalltalk. Beim Video-Interview zu seinem Film „Greenland“ sitzt ein eher zurückhaltender, tiefsinniger Gerard Butler vor der Kamera im Arbeitszimmer seines Hollywood-Hauses. Die Corona-Zeiten hinterlassen auch bei einem Leinwand-Helden Spuren.

Butler: Ausgerechnet jetzt bin ich durch das Ende einer Beziehung (mit Langzeit-Freundin Morgan Brown) gegangen. In gewisser Weise habe auch ich einen geliebten Menschen verloren. Es war schwer, schwerer als ich gedacht habe. Und mittendrein bin ich auch noch selbst krank geworden.

KURIER: Eine schwarze Serie ...

… die vor 3 Jahren begonnen hat. Eine Operation, die schief ging und aus der 7 Operationen wurden. Ein Motorradunfall, der mich fast das Leben gekostet hätte. Die Realität ist beängstigend. Ein paar Menschen aus meiner Umgebung sind krank geworden, zwei sind gestorben.

Geht man da in sich?

Ich war an einem Punkt, wo ich meine ganze Karriere neu überdacht habe. Ich bin gerne der Held, aber ich fühle, dass da etwas mehr sein muss. Nach dem bin ich auf der Suche. Mal schauen …

Gerard Butler mit seiner damaligen Freundin Morgan Brown. Foto: Imago-Images/Kay Blake

Das klingt irgendwie pessimistisch.

Normalerweise bin ich von Natur aus ein echter Optimist. Aber zuletzt habe ich immer wieder die Tendenz gehabt, den Teufel an die Wand zu malen. Mir immer die schlimmstmöglichen Szenarien vorgestellt, die passieren könnten. Das hatte auch mit einem mangelnden Selbstvertrauen zu tun. Die Pandemie hat alles noch einmal verschärft. Dennoch lasse ich mich nicht ins Bockhorn jagen. Ich habe auch schon früher einige harte Lebenssituationen meistern müssen!

Zum Beispiel?

Ich war während der 9/11-Terrorattacke in New York. Ich habe sieben Mal in London Sprengstoffanschläge erlebt und unser Haus ist bei den Feuern in Malibu abgebrannt. Aber wissen Sie, was ich aus all diesen schlimmen Situationen und Herausforderungen gewonnen habe? Meinen Kämpfergeist! Man kann also immer positive Seiten auch aus den schlimmsten Ereignissen ziehen.

Welche positiven Aspekte ziehen Sie denn aus der Corona-Pandemie?

Ich glaube, es hat uns allen noch einmal deutlich vor Augen gehalten, wie verletzlich die Menschheit ist. Sei es durch ein winziges Virus oder durch eine Naturkatastrophe. Das Beste, was man dagegen tun kann, ist zusammenzuhalten. Viele haben eingesehen, dass wir im selben Boot sitzen und dass gegenseitiger Hass nichts bringt. Ich habe die Pandemie genutzt, um so viel wie möglich mit Freunden und Familie zusammen zu sein. Denn dazu habe ich wenig Zeit, wenn ich Filme drehe und danach auf PR-Tour bin. Ich habe es sogar geschafft, endlich Tennisspielen zu lernen.

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In „Greenland“ steht die Erde durch einen Kometen kurz vor der totalen Zerstörung. Wie würden Sie reagieren, wenn Sie wüssten, dass Sie nur noch ein paar Tage zu leben haben?

Ich würde mich mit meinem Schicksal abfinden und einfach nur raus in die Natur gehen. In den Wäldern, in den Bergen oder an einem Fluss zu sein, hat etwas sehr Beruhigendes für mich. Es nimmt mir die Angst vor dem Tod, weil ich dort draußen begreife, dass ich ein Teil dieses mächtigen Großen und Ganzen bin.

In ihren Filmen zeigen Sie immer Führungsqualitäten und finden Auswege aus scheinbar ausweglosen Situationen. Wie steht es mit Ihren eigenen Fähigkeiten als Leader?

Ich denke, ich habe schon Führungsqualitäten in gewissen Bereichen. Und manchmal wird mir das etwas zu viel, weil das auch bedeutet, sehr viel Verantwortung zu übernehmen. Ich muss zum Beispiel darauf achten, was ich wie sage, weil meine Worte auf andere in der Gesellschaft einen Einfluss haben könnten.

Welche Qualität ist Ihnen am Wichtigsten?

Ein Mann zu sein, der sein Wort hält und der andere mit Respekt und Freundlichkeit behandelt.

Was mögen Sie an sich selbst eher nicht?

Dass ich manchmal wie ein weinerliches Baby bin und in Furcht und Panik verfallen kann. Bis ich mich selbst daran erinnere, dass ich auch nur ein Mensch bin, der so wie alle anderen Fehler macht. Ich muss einfach netter zu mir selbst sein.

Wenn man so wie Sie viele sehr intensive Rollen spielt, wie schwer ist es nach Ende der Dreharbeiten, wieder zu sich selbst zu finden?

Sehr schwer! Ich brauche oft zwei bis drei Wochen, um mich wieder im normalen Leben zurechtzufinden. Es ist jedes Mal wie ein Umzug und eine Scheidung in einem. Du hast oft eine tiefe Verbindung mit den Menschen am Set – und plötzlich sind sie nicht mehr in deinem Leben. Und dann bist du auch nicht mehr der Held, den du gerade noch gespielt hast. Das kann dich ein wenig depressiv machen.

Und wie überwinden Sie solche seelischen Tiefs?

Das erfordert eine Menge Selbstdisziplin. Ich muss eine Art spirituelles Cleansing machen, damit ich alle Elemente meiner Filmfigur aus mir herausbekomme. In Zukunft werde ich mir genau überlegen, wie sich Rollen auf mein Seelenheil auswirken können. Und sie danach auswählen.