Malik Harris wird Deutschland mit seinem Song „Rockstars“ beim Finale des Eurovision Song Contest in Turin vertreten. Sven Hoppe/dpa

Er gilt als deutsche ESC-Hoffnung: Malik Harris. In knapp einer Woche soll er Deutschlands zurückliegende Songcontest-Schlappen ausbügeln. Dabei hat er schon einen besseren ESC-Sieger ausgemacht: die Ukraine!

Am 14. Mai braucht Malik Harris starke Nerven. Denn an diesem Tag wird er abends auf der Bühne stehen, vor Millionen Fernsehzuschauern in ganz Europa. Zum 66. Mal findet der Eurovision Song Contest (ESC) statt, im italienischen Turin. Und Harris singt seinen Song „Rockstars“ für Deutschland. Wie geht es ihm kurz davor? „Bei mir knallt die Aufregung immer erst ein paar Sekunden, bevor ich auf die Bühne gehe, richtig rein. Bis dahin bin ich noch ganz entspannt und freue mich“, sagt der 24-Jährige, der im Städtchen Landsberg am Lech südwestlich von München lebt.

Am 14. Mai tritt Malik Harris beim ESC an

Ausgerechnet Landsberg – wo es doch andere Musiker nach Köln, Hamburg oder Berlin zieht. „Man kann es auch aus München schaffen“, ist Harris überzeugt. „Ich habe wahnsinnig viele Familie und Freunde hier, in Landsberg aber auch in München.“ Und auch das Tonstudio, in dem er seine Songs aufnimmt, ist für ihn ein Wohlfühlort, an dem er gerne auch mal eine Nacht auf dem Sofa schläft.

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Von seiner Kindheit im Dorf Issing bei Landsberg kann der 24-Jährige nur schwärmen, die sei nämlich „super, super schön“ gewesen: „Ich bin mit dem Fahrrad rumgefahren, mit Freunden auf Bäume geklettert, wir haben Wasserschlachten gemacht, sind in Seen gesprungen“.

Winner Malik Harris zeigt Solidarität mit der Ukraine beim deutschen ESC-Vorentscheid. Hannibal Hanschke/AP

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Doch manches irritierte ihn, und das hatte damit zu tun, dass er wie sein Vater, der Ex-Talkmaster Ricky Harris, schwarz ist. „Was bei mir in der Kindheit immer ein komisches Gefühl ausgelöst hat, war das Spiel ‚Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?‘“, sagt der Sänger. Seine Familie sei voll mit schwarzen Männern. „Ich dachte mir, komisch, mein Dad ist ein schwarzer Mann, rennen die jetzt vor ihm weg?“ Er habe sich ausgeschlossen gefühlt. „Später habe ich dann begriffen, dass das ein typisches Beispiel dafür ist, dass das integriert ist in dieser Gesellschaft und man sich gar nicht groß Gedanken drüber macht. Aber für Leute, die betroffen sind, ist es halt echt hart.“

Moderator Ricky Harris ist Maliks berühmter Vater

Dann kam 2020 das Video aus den USA, in dem ein Polizist minutenlang auf dem Hals des Afroamerikaners George Floyd kniet, der dann nicht mehr genug Luft bekommt und stirbt. Ein Schock. „Gleichzeitig war ich wie viele in meiner Familie schon ein bisschen taub“, sagt Harris. Er sei mit dieser Art Videos aufgewachsen. Zudem sei es immer dasselbe nach solchen Ereignissen: Ein kurzer Aufschrei, „und langsam klingt alles wieder ab und keiner redet mehr drüber.“ Erst in München bei einer Demonstration habe er das Gefühl gehabt, Teil einer Bewegung zu sein. „Das hat bei mir viel ausgelöst, in so einer Traube von Leuten in München zu stehen, die alle ‚Black Lives Matter‘ schreien.“

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Moderator Ricky Harris ist der berühmte Vater der ESC-Hoffnung Malik. Nestor Bachmann/dpa

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Harris veröffentlichte dazu den Song „Faith“ und die Dokumentation „Time For Wonder“, auch weil es ihm wichtig ist, sich zu Themen wie „Black Lives Matter“ zu positionieren. „Ich habe das Gefühl, dass wir jetzt in einer Zeit leben, in der wir Dinge verändern müssen und auch können, weil viel mehr Bewusstsein entsteht.“

Malik Harris sieht Deutschland nicht als ESC-Letzten

Nun also der ESC. „Ich fühl mich ultra geehrt, dass ich da ausgewählt wurde.“ Dass deutsche Sänger in vergangenen Jahren meist auf hinteren Plätzen landeten, stört ihn nicht. „Jetzt kann ich sagen, Deutschland war immer mies und du kannst eigentlich fast nur besser sein.“ Zudem sehe er das Ganze weniger als Wettbewerb, eher als „ein schönes Zusammenkommen“, auch wenn er natürlich sein Bestes geben wolle.

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Ein Sieg von Kalush Orchestra aus der Ukraine mit dem Song „Stefania“ aus Solidarität, das wäre für Harris okay. Doch das habe die Band nicht nötig. „Ich habe den Song der Ukraine gehört und der ist echt stabil, unabhängig von allem könnte der auch gewinnen.“ Sein Bestes geben will der 24-Jährige trotzdem. Und egal, wie es für ihn ausgehen wird, feiern und genießen will er in Turin auf jeden Fall: „So oder so, es wird eine kurze Nacht“.