Revidiert seine Verschwörungs-Aussagen zur Corona-Pandemie: Michael Wendler. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Michael Wendler hatte seine Fans auf die Folter gespannt: „Back on November 3rd“ (Zurück am 3. November) schrieb der 48-Jährige in einer Instagram-Story vergangenen Freitag. Doch wer sich erhofft hatte, dass der ehemalige Schlagersänger möglicherweise zurückrudern würde, wurde enttäuscht. Zwar sagte er: „Ich kann euch hier und jetzt sagen, das Corona Virus gibt es“, nur um dann die bekannte Verschwörungsideologie zu verbreiten, dass wir schon seit vielen Jahren damit leben würden.

Wendler scheint es in seinem XXL-Statement wichtig zu erwähnen, dass er kein „Corona-Leugner“ sei, sondern wie er sagt, ein „Corona-Realist“ oder ein „Maßnahmen-Skeptiker“. Immerhin von Theorien, dass es Deutschland bald nicht mehr gebe und die Demokratie dort längst abgeschafft sei, wie Wendler es noch vor wenigen Wochen in die Welt posaunte, war nichts mehr zu hören.

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Dennoch wirft er auch immer wieder Dinge zusammen. So verweist er darauf, dass er nichts anderes getan hat, als seine Meinung zu äußern, und das sei ja vom Grundgesetz gedeckt. Dass ihn auch niemand strafrechtlich für seine wirren Aussagen und das Teilen von Beiträgen bekannter Rechtsradikaler wie Eva Herman oder Antisemiten wie Ken Jebsen strafrechtlich verfolgt hat oder das vorhatte, lässt er außer Acht. 

Wendler rührt die Werbetrommel für Trump

Dafür aber ein Lobgesang auf US-Präsident Donald Trump, zu dessen Wahl der Wendler in seinem Statement aufrief. Der Tenor: Wenn Trump gewählt wird, wird alles besser und die Pandemie werde in den USA für beendet erklärt. Dass Trump tatsächlich schon seit vier Jahren mit Mehrheit im Senat regiert, erwähnt der Wendler nicht.

Hier soll die Radikalisierung des Wendlers begonnen haben: Bei Let's Dance. Foto: dpa/Rolf Vennenberd

Ein Anliegen ist dem ehemaligen Schlagersänger zudem besonders wichtig: Seine Frau Laura, die in der Krise stets zu ihm gehalten hat - auch, wenn sie sich thematisch distanzierte („Ich bin neutral wie die Schweiz“). Denn die 20-Jährige habe nach seinem Knall-Ausstieg aus dem Showbusiness fast alle ihre Kooperationspartner verloren - und sei so in Geiselhaft genommen worden. „Unanständig“ sei das laut dem Wendler, der betonte, dass Laura sich stets an die Maskenpflicht gehalten habe.

Trieb der erste Lockdown Wendler in die Arme von Verschwörungsideologen?

Michael Wendler spricht in dem Video auch über einen möglichen Auslöser für seine Offenheit gegenüber Verschwörungsideologien. Als er mit Laura bei der Show Let's Dance war, trat der erste Lockdown in Kraft. Die beiden seien daraufhin aus dem Hotel geworfen worden, weil dieses schließen musste. „Das hat mich so zerstört“, sagte der Wendler, der bei einem Freund unterkommen musste. Da nun ein weiterer Lockdown in Deutschland beschlossen wurde, fühlt sich der Wendler im Recht, so gehandelt zu haben, wie er es Anfang Oktober tat. 

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Und dann entschuldigt sich Michael Wendler doch ein bisschen. Zumindest beim Sender RTL, von denen er hätte ein Interview-Angebot annehmen sollen. Und auch seinen Vorwurf, die Medien seien gleichgeschaltet, entkräftet er und verweist auf die Meinungsvielfalt auch in Beiträgen von WDR, ZDF und ARD. Außerdem werde er auch wieder nach Deutschland kommen, spätestes nächstes Jahr, sagte der Wendler - und zwar nur als Musiker.

Die Hinweise sind dünn, vielleicht ist es aber doch ein kleiner Schritt auf dem Weg zum Ausstieg aus den Verschwörungstheorien. Denn nachdem der Wendler wochenlang mit dystopischen Untergangsszenarien Angst auf Telegram verbreitete und auch kurz vor seinem Statement dort wieder Beiträge von Eva Herman, der Verschwörungsplattform „Lionmedia“ und dem rechtsextremen Portal „1984 - Das Magazin“ teilte, sagt er nun: „Angst ist ein schlechter Begleiter“ - schiebt aber ganz im Duktus der vergangenen Wochen hinterher, dass die Regierung ja schon genug Angst verbreite. Der Weg zurück kann manchmal lang sein.