Keyboarder Ed Swillms (73) ist die musikalische Seele von Karat, komponierte die großen Hits der Band. Foto: imago images/Stock & people

Die Geschichten von Karat, Silly oder den Puhdys scheint fast jeder Musikfan zu kennen. Doch die ostdeutschen Kultbands haben auch so manche Geheimnisse. Nun werden sie gelüftet: im Buch „Das vermutlich allerletzte Ostrock-Buch“ des Berliner Musik-Journalisten Christian Hentschel (53), das am 23. November erscheint. Der KURIER darf bereits exklusiv einige Geheimnisse der Ostrocker verraten: So wie die der Karat-Musiker Claudius Dreilich (50) und Bernd Römer (68), die endlich das Geheimnis um das Verschwinden ihres Hit-Komponisten lüften.

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Der Sänger und der Gitarrist der Kultband: In dem neuen Ostrock-Buch (Verlag Neues Leben, 20 Euro) kommen die beiden Karat-Mitglieder geradezu ins Schwärmen, wenn sie über Ed Swillms (73) sprechen. Der Keyboarder gehörte vor 45 Jahren zu den Gründungsmitgliedern von Karat, war die musikalische Seele der Band. Swillms komponierte die Hits wie „Der blaue Planet“ oder „König der Welt“.

Das Ostrock-Klassik-Konzert 2009: Karat standen damals mit Bernd Römer, Claudius Dreilich, Christian Liebig, Michael Schwandt, Ed Swillms und Martin Becker (v. li.) komplett auf der Bühne. Foto: imago images/stock & people

Auch die Musik zu dem größten Erfolg der Band, „Über sieben Brücken“ (1978), stammt aus seiner Feder. Der Song wurde nicht nur in den 80er-Jahren von Peter Maffay gecovert. Weltstars wie Chris de Burgh oder René Kollo nahmen dieses Lied auf.

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Seit langem rätseln Fans, warum Ed Swillms, der Karat so viele Hits lieferte und die Band offiziell nie verlassen hat, seit Jahren kaum noch mit seinen Kollegen auftritt und keine Songs mehr für sie schreibt. Sänger Dreilich und Gitarrist Römer geben nun endlich darauf die Antwort.

Karat-Sänger Claudius Dreilich und Gitarrist Bernd Römer. Foto: imago images/Hessland

„Uns hat er gesagt, dass er sich in eine ganz andere Richtung entwickelt hat“, sagt Claudius Dreilich. Bernd Römer ergänzt: „Und er sagte, dass er alles geschrieben hat. Wir hatten ,Albatros‘, ,Sieben Brücken‘ und ,Schwanenkönig‘ – so etwas will er nun nicht mehr. Es soll jetzt mehr Soul und Blues sein, und er hat in dieser Richtung auch schon einiges gemacht. Natürlich ist fraglich, ob es einmal herauskommt.“

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Wenn es um Veröffentlichungen von Liedern ginge, sei Swillms „nicht so hinterher“, meint Dreilich. „Ihm ist die unmittelbare Arbeit an der Musik wichtiger als alles, was danach kommt. Seine neuen Kompositionen sind wirklich gut, aber sie haben mit Karat nichts mehr zu tun“, sagt der Frontmann der Band. „Zudem denkt Ed dabei an englische Liedtexte. Wir würden also alles, was wir an Karat-Werten haben, über Bord werfen. Das wollen wir logischerweise nicht.“

So fing alles an: Karat mit Bernd Römer, Herbert Dreilich, Hans-Joachim Neumann, Ed Swillms, Henning Protzmann und Michael Schwandt (v. li.). Das Foto entstand 1976. Foto: imago images/Gueffroy

Gitarrist Römer zeigt Verständnis für den Weg, den Swillms nun eingeschlagen hat: „Ich kann ihn da auch wirklich gut verstehen, dass er was anderes probieren möchte. Aber das kann eben nicht unser Weg sein.“

Wenn sich Swillms noch bei Karat zeigte, waren es besondere Anlässe. Etwa 2009, als er bei dem Leipziger Ostrock-Klassik-Konzert mit den Musikern der Kultband auf der Bühne stand.  

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„Es begann ja schon in den Achtzigern, dass Ed trotz hundertprozentiger Bandmitgliedschaft nicht immer jedes Konzert mitspielte“, sagt Gitarrist Römer. „Wir waren mehr oder weniger das komplette Jahr unterwegs, gleichsam wollte die Plattenfirma Amiga am besten jährlich ein neues Album. Ein Pensum, das auch körperlich nicht zu schaffen war. Und wenn er dann mal dazustieß, war es immer eine große Freude für uns. Das haben wir einfach beibehalten, dass Ed eben auch noch vor wenigen Jahren mit auf der Bühne stand.“

Swillms ist sozusagen als Ehrenmitglied noch immer bei Karat dabei, betonen die Musiker. „Nach wie vor bekommt er unseren Tourplan und auch mal die Setlists“, sagt Dreilich.

Verlag Neues Leben
„Das vermutlich allerletzte Ostrock-Buch“

Am 23. November erscheint „Das vermutlich allerletzte Ostrock-Buch“ von Christian Hentschel im Verlag Neues Leben (20 Euro).