Nico Santos gewann den Free Eurosvision Song Contest. Foto: dpa/Willi Weber

Was für ein ESC-Kuddelmuddel am Samstagabend. Weil der eigentliche Eurovision Song Contest in Rotterdam wegen der Corona-Pandemie abgesagt wurde, gab es nun drei Shows aufs zwei Sendern mit zwei Siegern, einer Plexiglaswand und gänzlich ohne Studio-Publikum.

In der ARD, die in der menschenleeren Elbphilharmonie die Show „Eurovision Song Contest 2020 – das deutsche Finale“ ausrichtete, gewann die Band The Roop für Litauen. Beim „FreeESC“, den Stefan Raab für ProSieben produzierte, siegte Nico Santos für Spanien. Und dann gab es ja noch die offizielle internationale ESC-Ersatzshow „Love shine a light“, die spät am Abend in der ARD lief. Einen Sieger gab es hier aber nicht.

Barbara Schöneberger moderierte aus der leeren Hamburger Elbphilharmonie. Foto: dpa/Uwe Ernst

Bei der von Barbara Schöneberger moderierten und klassischerweise von Peter Urban kommentierten Show gingen zehn tatsächlich nominierte ESC-Kandidaten ins Rennen. Einige traten live auf, andere wurden zugeschaltet. Bei Raabs Show ging es krachender zu, auch weil man die Teilnehmer – wohlgemerkt als Deutscher – besser kennt. Zum Beispiel trat Sarah Lombardi mit einem deutschen Text und einer spanischen Phrase im Refrain für Italien,  Schlagerstar Vanessa Mai mit tatsächlich einer kroatischen Strophe für Kroatien an. Moderator Steven Gätjen wählte sogar die große europäische Geste: „Welcome Europe!“ ehe er neben einer Plexiglasscheibe Aufstellung nahm, die ihn von Co-Moderatorin Conchita Wurst trennte.

Den „FreeESC“ hat sich Stefan Raab ausgedacht. Auch wenn der TV-Rentner nicht selbst auftrat, war seine Handschrift unschwer zu erkennen. Der Wettbewerb atmet den Geist seiner alten Shows. Selbst die Stimme in den Einspielfilmen ist dieselbe – nach Raabs Rückzug vom Bildschirm 2015 hatte man sich gelegentlich schon gefragt, was der Mann wohl mittlerweile macht.

Live war Stefan Raab als Initiator des "FreeESC" nicht zu sehen. Dafür wurde er in einem alten Einspieler gezeigt, der ihn als ESC-Siegerin Nicole zeigt. Foto: dpa/ProSieben

Die ESC-typische Punktevergabe per Videoschalte gab es übrigens nur bei ProSieben. Fußballer Lukas Podolski verteilte die Punkte aus Polen, Heidi und Tom die aus Deutschland. ProSieben kündigte an, den Raab-ESC erneut zu veranstalten. Bei der ARD hofft man bald wieder auf das Original.