Viele TV-Zuschauer erinnern sich gern an die Auftritte von Eberhard Cohrs. Foto: Imago/Arkivi

In diesem Jahr wäre Eberhard Cohrs stolze 100 Jahre alt geworden – schon 1999 starb der kleine Komiker mit der großen Klappe an Krebs. Doch noch heute denken viele an die Auftritte des besonderen Entertainers im DDR-Fernsehen zurück. Aber: Nicht jeder kennt das dunkle Geheimnis, das Cohrs für sich behielt, bis er sich auf dem Sterbebett seinem Anwalt anvertraute. Es ging um seine Verstrickungen in das NS-System.

In einem Interview mit der SuperIllu erinnerte sich sein Anwalt später an das Gespräch, das er mit Cohrs wenige Tage vor dessen Tod führte. „Er hatte das Bedürfnis, sein Gewissen in einem düsteren Punkt der Vergangenheit zu erleichtern“, sagte er laut einem Bericht des MDR. „Er blieb dabei aber sehr allgemein, sagte nur, dass es etwas gebe, das ihn stark belaste. Welcher Art seine Verstrickungen ins NS-System waren, sagte er nicht, ließ aber durchblicken, dass der DDR-Staatssicherheitsdienst Bescheid wusste.“

Eberhard Cohrs mit Rudi Carrell. Foto: Imago/United Archives

Dort habe es bereits seit 1958 eine geheime Akte über Cohrs gegeben – aus den hier aufbewahrten Papieren ging hervor, dass der spätere Komiker 1944 in die Waffen-SS eingetreten war. Als Wachposten habe er im Konzentrationslager Sachsenhausen gearbeitet. Was er dort erlebte und welches seine Aufgaben waren, dazu äußerte sich Cohrs vor seinem Tod nicht mehr.

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„Wir werden wohl mit dem Widerspruch leben müssen, dass Cohrs mehr war als nur der Komiker, der mit seinem Witz an der DDR-Fassade gekratzt hat“, sagte sein Anwalt. „Er war eben als junger Mensch – wie so viele andere – nicht zum Widerstandskämpfer geboren, der es wagte, Nein zu sagen.“

1999 starb Cohrs in seinem Haus am Scharmützelsee. Foto: Imago/Eventpress

Doch für die TV-Zuschauer bleibt er vor allem der „Kleene mit der großen Gusche“, der mit seinen Witzen alle zum Lachen brachte. Seine ersten Bühnenauftritte hatte Cohrs in Dresden, doch die sächsische Landeshauptstadt wurde ihm schnell zu klein. Später gelangte er zum Rundfunk, ins DDR-Fernsehen und an den Berliner Friedrichstadt-Palast.

Nach der Wende kehrte Cohrs in den Osten Deutschlands zurück

1977 verließ er die DDR, siedelte in die Bundesrepublik Deutschland über. Doch ein Neustart in Rudi Carrells „Am laufenden Band“ scheiterte, weil die Zuschauer den Sachsen nicht verstanden. Nach dem Fall der Mauer kehrte er in den Osten Deutschlands zurück, trat mit Leni Statz, Wolfgang Roeder und Winfried Krause vorrangig in TV-Shows des MDR auf.

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Doch schon Jahre vor seinem Tod sorgte Cohrs auf eher traurige Weise für Schlagzeilen: Im Juli 1999 wurde berichtet, er habe mit einer Pistole mindestens sieben Schüsse auf seine Frau abgegeben, sie damit schwer verwundet. Cohrs gab an, vor der Tat eine Überdosis Morphium und andere Schmerzmittel zu sich genommen zu haben. Im ersten Verfahren ging die Staatsanwaltschaft von seiner Schuldunfähigkeit aus. Rund einen Monat danach starb Cohrs an seiner Krebserkrankung.