Feiert ihren 70.: Kabarettistin Dagmar Gelbke, die KURIER-Reporter Norbert Koch-Klaucke einen als Geburtstagstorte gebastelten Papphut aufsetzt.   Foto: Pritzkuleit

Sie ist Schauspielerin, Tänzerin, Sängerin, Kabarettistin. Und Dagmar Gelbke ist in Feierstimmung, als sie den KURIER auf ein Käffchen zu sich einlädt. „Ich bereite gerade eine Abschiedsparty von meinen 60er Jahren vor“, sagt sie. „Tschüss Sixties, welcome Seventies: am Montag werde ich 70!“

Mit einer Stepptanz-Einlage schwirrt die DDR-Entertainerin durch ihr Haus in Altglienicke. Die Küche wird zur Bühne, als Gelbke mit elegantem Schwung den Käsekuchen aus dem Backofen holt. Es ist Kuchen Nr. 3. „Über 45 Gäste haben sich angesagt“.

Auftritt mit Dederon-Schürze: Dagmar Gelbke holt den Geburtstags-Käsekuchen aus dem Backofen. Foto: Pritzkuleit

Den Kaffee für Besucher mahlt Gelbke stets in einer besonderen Kaffeemühle. „Mit neun Jahren nahm ich im August 1959 an einer Ostsee-Version von Heinz Quermanns Talente-Show ,Herzklopfen kostenlos' teil. Ich gewann, bekam als Hauptpreis diese elektrische Kaffeemühle.“

Dagmar Gelbke mit neun Jahren: „Ich wollte als Kind immer ein Star werden.“


Foto: privat

Die gebürtige Leipzigerin steht seit über 60 Jahren auf der Bühne.. „Schon mit vier wollte ich auftreten, träumte von Hollywood.“ Kein Wunder, ihr Vater Herbert Gelbke leitete damals eines der angesagtesten DDR-Tanzorchester. Sie studierte später Musik, Theater und Tanz. Selbst jetzt drückt Gelbke die Schulbank. „Seit 2008 studiere ich an der Fern-Uni Hagen, will 2021 meinen Bachelor der Kulturwissenschaft machen.“

Ihr erster Bühnenpreis: Die Kaffeemühle, die Gelbke 1959 erhielt und noch immer funktioniert. Foto: Pritzkuleit

Dagmar Gelbke begeistert mit Schlagern und Musical-Songs. „Ich war sogar Rock-Sängerin - in der Horst-Krüger-Band“, sagt sie. Einige Künstler aus der Band wurden Stars – wie Tamara Danz, die spätere legendäre Silly-Frontfrau.

Für Dagmar Gelbke war 1976 das entscheidende Jahr. Bei einem Interpreten-Wettbewerb lernt sie Helga Hahnemann (1937-1991) kennen. „Henne stellte sich als Komikerin vor, sagte zu mir: ‚Du mit deinem Vogelgesicht kannst auch nur Komikerin sein.‘ So begann unsere Bühnenpartnerschaft.“ Sechs Jahre waren sie als komisches Duo erfolgreich unterwegs.

Dagmar Gelbke mit dem Engelskostüm und der Perücke von Helga Hahnemann. In einem Musical wird Hennes Outfit bald wieder zu sehen sein. Foto: Pritzkuleit

Für die Shows  brachte Gelbke Big-Helga sogar das Steppen bei. „Wir übten bei ihr – und zwar auf Strümpfen! Denn Helga hatte sich gerade Fliesen in ihr Haus einbauen lassen, die in der DDR selten und daher kostbar waren. Steppschuhe hätten die Fliesen nur beschädigt.“

Gelbke, die nach Hennes Tod bis heute mit dem Helga-Hahnemann-Programm an die unvergessene Künstlerin erinnert, besitzt noch das rote Engelskostüm mit der Perücke, die „Big Helga“ trug, wenn sie in Shows „Jetzt kommt die Süße“ sang. „Das Kleid wird nun Ulrike Weidemüller, Tochter von Angelika Mann, auf der Bühne tragen.“

Und das im Musical „Die Legende vom heißen Sommer“, in denen die größten DDR-Hits erklingen. Im Kabarett „Die Oderhähne“ in Frankfurt (Oder) soll es im Oktober gespielt werden. Gelbkes erste Theaterinszenierung. „Ruhestand ist nichts für mich. Man muss im Leben stets neue Wege gehen!“, sagt die Jubilarin. Na, dann: Viel Erfolg - und herzlichen Glückwunsch, Dagmar Gelbke! 

Dagmars Trabi: 1982 kaufte sie ihn. So manche Auftrittsfahrt hielt die Pappe durch, ziert heute als Erinnerungsstück den Vorgarten.


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