Berlin: Christoph Maria Herbst (v.l.), Nilam Farooq, Iris Berben und Sönke Wortmann kommen zur Premiere des Films „Contra“ in den Zoo-Palast. dpa/Matzka

War das ein frustrierendes Kinojahr: 2020 dürfte es einen Verlust von mehr als 50 Prozent geben, schätzen Filmfreunde und Kinobetreiber. Pandemiebedingt, klar. Aber es gibt ja Hoffnung. Sie naht in der Gestalt von Komödien-Altmeister Sönke Wortmann (62, „Der bewegte Mann“, „Das Superweib“). Er hat ein neues Werk  am Start. Sein Campus-Film „Contra“ ist ein raffiniertes Vexierspiel aus aalglattem Rassismus, räudigem Kulturclash und herzerwärmender später Reue. Der Film feierte am Mittwochabend Premiere im Berliner Zoo-Palast. Und es gab viel Applaus.

Vor allem die Hauptdarstellerin wurde mit Lob bekränzt. Nilam Farooq hat sich von einer youtubenden Werbefigur zu einer ernsthaften Film-Schauspielerin entwickelt, vor allem das zeigt „Contra“. Die 32-jährige Berlinerin trägt nicht nur die Rolle der gemobbten Studentin mit Migrationshintergrund. Sie behauptet sich auch gegen ihren Counterpart Christoph Maria Herbst (55). Herbst spielt – wie könnte es anders sein? – einen nölenden Uni-Professor, einen echten Widerling mit Herz, und das macht er natürlich mit einer derart rampensaumäßigen Unverfrorenheit, das kann eine junge Darstellerin schnell einschüchtern.

Christoph Maria Herbst spielt einen nölenden Uni-Professor, einen echten Widerling mit Herz

Nilam Farooq, im echten Leben die Tochter eines pakistanischen Vaters und einer polnischen Mutter, meistert die Konfrontation mit dem Alpha-Schauspieler allerdings mit Bravour. Dem KURIER sagte sie: „Ich habe natürlich großen Respekt gehabt, andererseits hätte ich mir niemand besseren an meiner Seite wünschen können. Ich hatte gehofft, dass wir uns gut verstehen, aber dass es dann so wurde … ,Wir haben uns jetzt ganz lieb!‘ … das ist wirklich das  i-Tüpfelchen. Er ist ein toller Kollege, und er hat mich sehr an die Hand genommen.“

Szene aus dem Film „Contra“: Professor Richard Pohl (Christoph Maria Herbst) und die junge Jura-Studentin Naima Hamid (Nilam Farooq). Constantin Film

Der Plot von „Contra“ ist nicht ohne, wird von Wortmann aber mit ausreichend Wortwitz und viel Feingefühl für die gezeichneten Figuren erzählt: Professor Richard Pohl (Herbst) demütigt die junge Jura-Studentin Naima Hamid (Farooq). Mitten im Hörsaal, vor allen anderen Studenten. Die halten die Szene natürlich gleich mit ihren Smartphones fest. Als das Video viral geht, gibt es Stunk.

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Unipräsident Alexander Lambrecht (Ernst Stötzner) verdonnert seinen alten Weggefährten zum „Nachsitzen“: Wenn Pohl die Erstsemestlerin aus dem Frankfurter Problemviertel für einen bundesweiten Debattier-Wettbewerb fit macht, kommt er vielleicht ungeschoren davon. Weder Pohl noch Naima haben wirklich Lust darauf, aber sie reißen sich zusammen und bilden eine fleißige Zweckgemeinschaft – bis die Dinge noch mal aus dem Ruder laufen.

Die sozialkritische Tragikomödie mit Christoph Maria Herbst hat eine Vorlage

Nett ist die Anekdote, wie Filmregisseur Wortmann auf Nilam Farooq aufmerksam wurde: Farooq war ihm bereits früh vorgestellt worden. „Lustigerweise haben wir uns an jenem Tag kennengelernt, an dem ich zum ersten Mal von diesem Projekt gehört habe“, erinnert sich der Regisseur an den Deutschen Filmball 2018 in München. Damals empfahl Janina Uhse Farooq. Wortmann: „So haben wir uns kurz getroffen, aber ich habe mir nichts dabei gedacht. Erst viele Monate und viele Castings später wurde sie es dann tatsächlich, weil sie einfach die Beste bei allen Castings war.“

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Ein Wörtchen mitreden durfte bei der Besetzung der weiblichen Hauptrolle auch Christoph Maria Herbst. „Ich muss sagen: Ich war auf Anhieb schockverliebt in ihr Spiel, in ihr Talent, in ihre Art.“ Und das wirkt offenbar nach. Zur Berlin-Premiere des Films am Mittwochabend im Berliner Zoo-Palast sah man die zwei tuscheln und turteln, natürlich alles für die Kameras. Aber es wirkt so echt bei den beiden!

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Die sozialkritische Tragikomödie hat eine Vorlage. Sie basiert auf dem  französischen Film „Die brillante Mademoiselle Neïla“ mit Daniel Auteuil und Camélia Jordana in den Hauptrollen (2017). Drehbuchautor Doron Wisotzky („Schlussmacher“, „What a Man“) adaptierte die Vorlage für das deutsche Kino. Gedreht wurde von Juni bis August 2019 in den Universitätsstädten Frankfurt am Main, Bonn und Köln. Übrigens: Für „Contra“ hat die deutsche „Queen of Soul“ Joy Denalane den Bill-Withers-Klassiker „Use Me“ in einer neuen Version eingespielt. 

Die Premiere im Zoo-Palast genossen auch prominente Schauspielkollegen wie Franziska Weisz, Iris Berben, Thomas Heinze, Dennenesch Zoudé und Jytte-Merle Böhrnsen.

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„Contra“ ist nicht der erste Campus-Film von Sönke Wortmann. Schon in seinem Erfolgsstreifen „Kleine Haie“ (1992) drehte sich alles um Studenten – Schaupielstudenten. So gesehen ist „Contra“ eine Rückkehr zu einem Genre, das der Wahl-Düsseldorfer bestens kennt. „Mir hat der Film großen Spaß gemacht“, sagte der Regisseur dem KURIER. Man sieht’s! Ab jetzt in deutschen Kinos.