Regisseur und Schauspieler Michael Bully Herbig Foto: Tobias Hase/dpa

Mit seinen Büchern über Jim Knopf und Lukas, den Lokomotivführer, hat Michael Ende vielen Kindern spannende Lesestunden bereitet. Manche kritisieren die Geschichte, weil die Darstellung des schwarzen Jungen Jim stereotyp sei. Der aktuelle Film „Jim Knopf und die Wilde 13“ versucht, solche Klischees zu vermeiden. Michael Bully Herbig, der darin den Halbdrachen Nepomuk spricht, und Piraten-Darsteller Rick Kavanian halten das Kinoabenteuer vielmehr für zeitgemäß, auch weil es um Themen wie Zugehörigkeit geht, wie sie im Interview der Deutschen Presse-Agentur in München sagten. Zudem sprachen sie über die Frage, ob Herbig „Der Schuh des Manitu“ heute noch mal drehen würde und was die Corona-Pandemie an Filmideen bietet.

Das „Jim Knopf“-Buch von Michael Ende wird dafür kritisiert, dass darin auch das N-Wort auftaucht. Im Film kommt das natürlich nicht vor. Wie stehen Sie zu dieser Debatte?

Herbig: Das Buch ist aus den 1960ern und stammt aus einer Zeit, wo wir auch noch völlig unbedarft als Kinder von Mohrenköpfen und Negerküssen gesprochen haben, ohne zu wissen, was das heißt. Ich hatte nicht im Ansatz eine rassistische Idee im Kopf, als ich am Kiosk einen Negerkuss gekauft habe. Keiner von meinen Freunden. Ich bin unschuldig mit diesem Vokabular umgegangen, finde es aber natürlich richtig, dass man heute Schaumkuss dazu sagt.

Michael „Bully“ Herbig (r.) und Rick Kavanian stehen in einer Ausstellung auf dem Gelände der Bavaria Filmstadt am Filmset von „Jim Knopf und die Wilde 13“ Foto: Sven Hoppe/dpa

Frage: Wie geht der Film damit um?

Herbig: Wir haben im Film einen dunkelhäutigen Jungen, der unter Menschen mit heller Hautfarbe aufwächst und sich irgendwann fragt, woher er eigentlich kommt. Ich finde den Film richtig zeitgemäß, weil es darum geht, wo man hingehört. Man könnte auch sagen „Home is where your heart is!“. Auch die Angst vor dem Fremden zieht sich durch die ganze Geschichte. Der Halbdrache Nepomuk stellt sich diese Fragen auch. Seine Mutter war Nilpferd, der Vater war ein Drache. Deshalb wird er von den sogenannten richtigen Drachen nicht akzeptiert. Aber auch er findet Freunde und seine Bestimmung.

Kavanian: Im Film trifft Nepomuk als Feuerwesen ein Wasserwesen und die beiden lehnen sich erst mal empört gegenseitig ab.

Herbig: Erst einmal gibt es auf beiden Seiten Ablehnung, obwohl man sich überhaupt nicht kennt. Jeder hat nur gehört, das ist mein Feind. Aber irgendwann merken beide, dass man gemeinsam viel stärker ist. Dieser Film steckt voller positiver Botschaften.

Kavanian: Diese Vorurteile machen einfach extrem viel mit einem. Und ganz oft lösen sie sich in nichts auf, wenn man dem anderen gegenübersteht und merkt, dass es sich viel besser anfühlt als gedacht. Das ist wichtig, dass man sich auf Augenhöhe austauscht.

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Viel diskutiert sind mittlerweile auch Filme über amerikanische Ureinwohner, weil sie oft klischiert sind oder der Völkermord völlig ausgeblendet wird. Wie sehen Sie das als Regisseur von „Schuh des Manitu“?

Herbig: Wir haben nie im Ansatz darüber nachgedacht, uns über die amerikanische Geschichte oder über Natives in irgendeiner Form lustig zu machen. Es ging immer um die Karl-May-Filme, die wir alle geliebt haben und in denen wir unheimliches Humorpotenzial gesehen haben. Als wir vor 20 Jahren diesen Film gedreht haben, hatten wir echte Indianer am Set, die haben jeden Tag mitbekommen, was wir da machen. Und sie hatten einen Riesenspaß.

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Michael Herbig und Christian Tramitz im Film „Der Schuh des Manitu“. Foto:  Imago Images

Heute wäre es wohl schwierig, so einen Film zu realisieren.

Herbig: Die Diskussion hatten wir schon vor 20 Jahren, auch zur Frage: Darf man Schwule parodieren? Wir arbeiten in einer Branche, in der man ständig mit schwulen Kollegen zu tun hat. Man ist eng befreundet, man mag sich. Wenn da jemals einer gekommen wäre und uns gesagt hätte, ihr tut uns weh damit, hätten wir sofort die Finger davon gelassen. „Der Schuh des Manitu“ hat unglaublich viele schwule Fans, das können Sie mir glauben.

Kavanian: Nach außen wirkt das eher wie ein Ritterschlag. Wenn dich jemand parodiert, dann ist das schon etwas Besonderes. Und wir parodieren ja immer mit der Absicht, das so unterhaltsam wie möglich zu machen. Ich glaube, man merkt, dass wir unsere Figuren nie verraten. Wir nehmen die so ernst, wie wir können und wir wollen sie nach außen hin auch so glaubhaft und gut wie möglich darstellen.

Herbig: Die Königsdisziplin ist, die Leute zum Lachen zu bringen, die du auf den Arm nimmst. Und egal ob das jetzt die Indianer waren oder die Schwulen, sie waren immer unsere Helden, unsere Sympathieträger. Die Idioten waren immer die anderen.

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Könnten Sie „Schuh des Manitu“ heute noch drehen?

Herbig: Ich bin mir nicht sicher, ob ich diesen Film heute nochmal so machen würde, weil man sich selber auch verändert hat. Als wir den „Schuh des Manitu“ gedreht haben, war ich 32 und wir wollten einfach nur unterhalten. Je älter du wirst, desto verkopfter wirst du. Und es gibt auch x Sketche aus der TV-Show „Bullyparade“, die wir heute sicher nicht mehr machen würden, weil wir es uns nicht mehr trauen würden.

Was würden Sie heute gerne parodieren? Das Corona-Thema? Diverse Verschwörungstheorien? Das Horten von Klopapier?

Herbig: Das Problem mit den Verschwörungstheorien ist, dass man es ja selber kaum noch toppen kann. Dass wir eine Bundeskanzlerin haben, die eigentlich ein Echsenmensch ist oder dass da Blut getrunken wird, sind echt abgefahrene Ideen für einen Sketch. Ich bin fast ein bisschen traurig, dass uns das damals nicht eingefallen ist.
Antwort Kavanian: Das kannste dir nicht ausdenken.

Wird Corona trotzdem Eingang in Filme finden?

Herbig: Ich bin mir ganz sicher, dass während des Lockdowns schon ein paar gute Drehbücher entstanden sind. Da steckt natürlich unfassbar viel Potenzial drin, sowohl für Komödie, als auch für Drama. Ich glaube, da kommen noch einige Filme auf uns zu.