Das war nix. Bonnie Tyler tritt mit „Believe In Me“ als Vertreterin Großbritanniens beim Eurovision Song Contest 2013 auf. Platz 19. dpa

Der Irrtum eines Talentsuchers brachte die Karriere von Bonnie Tyler auf den Weg. Und es gibt eben diejenigen, die sich diesem Talentsucher zu ewigem Dank verpflichtet fühlen. Und es gibt so Typen wie mich, die sich mit Grausen die Ohren zuhalten, wenn ein Radiosender mal wieder „It's a heartache“ in seine Rotation aufgenommen hat. 

Da Montag ist und die Woche einfach kein Ende nehmen will, bleibt mir nichts anderes übrig, als über meinen Schatten zu springen und der „Rockröhre“ (ich glaube, dieser bescheuerte Begriff wurde nur für Bonnie Tyler erfunden) zu gratulieren. Allerdings nicht zu ihrem 70. Geburtstag, der am Dienstag ist, sondern dass sie sich auf ihr Bühnencomeback freut.  

Lesen Sie auch: Billie Eilish ist frisch verknallt! Nun gibt es viel Haut und tiefe Einblicke >>

Bonnie Tyler und ihre Karriere aus Zufall

Aber lasst uns erstmal ganz fix durch die Geschichte stolpern, was uns die Deutsche Presseagentur (dpa) so liefert. Besagter Talentsucher sei Roger Bell gewesen, der sich von London aus auf den Weg nach Südwales gemacht hatte, um einen Sänger zu begutachten. Doch in dem Club landete er im falschen Stockwerk und hörte stattdessen Bonnie Tyler singen. Was besagten Roger Bell jetzt genau geritten hat und was aus dem eigentlich gesuchten Sänger wurde, ist nicht bekannt. Fakt ist, Tyler wurde nach London eingeladen, nahm ihre Single „Lost in France“ auf und wurde ein Weltstar.

Bonnie war damals 25 Jahre alt. Das war also 1977, ich erinnere mich tatsächlich noch daran. Deprimierend. Die Welt teilte sich mal wieder in diejenigen, die freudig riefen „Was für eine Stimme!“ und die anderen, die riefen „Oh, neee, bloß nicht“. Während ich mich also gerade in der Identifikationsphase befand (Led Zeppelin? Black Sabbath! Status Quo? Deep Purple! usw.), gedieh da ein zartes Feindbild.

Imago
Gaynor Hopkins alias Bonnie Tyler  im Jahr 1984.

Aber zurück zu Bonnie. Sie heißt ursprünglich Gaynor Hopkins, ein nicht karrieretauglicher Name, den neuen bastelte sie sich aus Zeitungslektüren zusammen, berichtet sie heute. Sie stammt aus einer musikalischen Familie mit drei Schwestern und zwei Brüdern, in der viel gesungen wurde. Klar wurde in der walisischen Kleinstadt Skewen (googelt selber, wo das liegt) der englische Klassiker „Top Of The Pops“ aufgenommen, und Klein-Gaynor sang die selbst aufgeschriebenen Texte in ihre Haarbürste, die als Mikrofon herhalten musste (was aus der Bürste geworden ist, ist leider auch nicht überliefert).

Lesen Sie auch:  Mega-Zoff im Internet: So bitterböse rechnet „Let's Dance“-Star Senna Gammour mit Komiker Oliver Pocher ab! >>

Egal, aus Klein-Gaynor wurde Bonnie Tyler, nach „Lost in France“ kam „It's a heartache" (sorry, dass ihr jetzt diese ganzen Ohrwürmer habt). Da war Bonnie übrigens schon verheiratet mit Ehemann Robert Sullivan (britischer Judoka und früherer Olympia-Teilnehmer). Der Mann blieb (bis heute), die Plattenfirma wechselte und Bonnie schwenkte um auf Rockmusik. 

Ausgerechnet Jim Steinman schreibt für Bonnie Tyler 

Neuer Songschreiber (und Produzent) war ausgerechnet Bombast-Rocker Jim Steinman. Ausgerechnet, weil ich mich gerade mit seinen Songs anfreundete, die er für Meat Loaf geschrieben hatte. Das Album „Bat out of hell“ war einfach ein Kracher. Und jetzt trällerte Bonnie auf einmal Steinman-Songs. Mist. Und „A total eclipse of the heart“ ging auch noch durch die Decke. Sollte ich deswegen Jim Steinman verdammen? Also schloss ich eine Art Burgfrieden.  

In den kommenden Jahren wurde es ruhiger um Bonnie, ein Album floppte, dann produziert sie drei Alben mit Dieter Bohlen (ja, richtig, mit DEM Dieter Bohlen), für Bonnie war es ein So-lala-Erfolg, meine Welt war wieder gradegerückt (mit Bohlen geht doch gar nicht). 

Bonnie Tyler spritzt sich Botox, kippt gern Whisky

Aber Bonnie Tyler ging unbeirrt ihren Weg weiter. Sie trat auf, verzückt ihre Fans, verströmt eine große Freude und macht diejenigen, die ihre Lieder mögen, glücklich, spritzt sich Botox, steht dazu, kippt vor jedem Auftritt einen Schluck Jack-Daniel's-Whisky mit Red Bull. Cool. Warum nicht?

Mehr als 80 Singles hat sie veröffentlicht, im Februar erschien ihr 18. Studioalbum „The Best Is Yet To Come“. So etwas kann nur jemand schaffen, der mit ganzem Herzen dabei ist. Jetzt wird sie 70 - und freut sich darauf, endlich wieder auf die Bühne zu gehen. „Dann können wir wieder anfangen zu leben.“ Ich finde das großartig, gratuliere aufrichtig, auch wenn ich mir sicher bin, dass ich zu keinem Konzert gehen werde. Happy birthday, Gaynor!