Eidinger am Samstag weinend bei der Berlinale. Dort stellte er seinen Film „Persian Lessons“ vor. Foto: dpa/Michael Kappeler

Man wollte es erst kaum glauben, aber da saß Lars Eidinger auf dem Podest und weinte bittere Krokodilstränen. Der Film- und Schaubühnen-Star (44, „Peer Gynt“) sollte bei der Pressekonferenz eigentlich nur über seinen „Berlinale Special Gala“-Beitrag „Persian Lessons“ sprechen, der am Sonnabendnachmittag im Berlinale Palast Weltpremiere feierte. Eidinger spielt darin den Nazi-Offizier Koch, der sich von einem als Perser getarnten Juden (Nahuel Pérez Biscayart) in Farsi unterrichten lässt. Was Koch nicht weiß: Sein „Lehrer“ spricht gar kein Farsi, er erfindet Wort für Wort eine Sprache, die so klingt. Ein wirklich ungewöhnliches Werk von Regisseur Vadim Perelman.

Wie auch immer, angesprochen auf den Film, traten Eidinger plötzlich Tränen in die Augen, und der Schauspieler wurde emotional. „Ich finde, unsere Gesellschaft ist so dermaßen vergiftet, was Hass und Missgunst angeht“, sagte Eidinger mit brechender Stimme. Eidinger erinnerte an einen Text des Schriftstellers Stefan Zweig (1881-1942), in dem es „um die moralische Entgiftung Europas“ nach dem Ersten Weltkrieg gegangen sei.

Lars Eidinger: „Sprache ist für mich eigentlich alles“

Darin habe Zweig nach einem Medium verlangt, das die Menschen wieder zusammenbringe und sich der Liebe verschreibe. Das Internet ist ja genau dieses Medium“, sagte Eidinger, „es wird aber genau für das Gegenteil genutzt.“ Das berühre ihn sehr. Für ihn sei das Anlass, „dagegen zu kämpfen“. „Es ist natürlich umso tragischer, wenn man versucht, ganz platt Liebe in die Welt zu tragen und kriegt dafür Hass als Antwort.“

An Perelmans Film reizte ihn besonders die Tatsache, dass er die Nazi-Episode Deutschlands auf plastische Weise erfahrbar mache: „Gerade jetzt merkt man ja gerade wieder, wie schnell die Gefahr droht, dass sich Geschichte wiederholt und wie sehr wir täglich wieder Schuld auf uns laden“, so Eidinger. Außerdem sei die Bedeutung von Sprache im Film für ihn eine der Hauptmotivationen gewesen, die Rolle anzunehmen: „Ich merke immer als Schauspieler: Sprache ist für mich eigentlich alles.“

Lars Eidinger mit zweitem Werk präsent

Lars Eidinger ist auf dem diesjährigen Festival noch mit einem zweiten Werk präsent: als Darsteller des Schweizer Wettbewerbsbeitrags „Schwesterlein“ (Regie und Buch: Stéphanie Chuat, Véronique Reymond), der am Montag startet. Nina Hoss ist Co-Darstellerin. 2016 sei übrigens eine ganz besondere Berlinale für Eidinger gewesen: „Die Zeit mit Meryl Streep in der Jury war eine der schönsten Wochen meines Lebens.“