Schauspieler Bob Odenkirk in der Erfolgsserie „Better Call Saul“
Schauspieler Bob Odenkirk in der Erfolgsserie „Better Call Saul“ Imago/ZUMA Press

„Turbulent!“ So fasst Bob Odenkirk kurz und knapp die letzte Staffel von „Better Call Saul“ zusammen. Das traf auch auf ihn persönlich zu. Denn der Star der Serie erlitt im letzten Juli während der Dreharbeiten einen schweren Herzinfarkt – und überlebte nur knapp. Nach zweijähriger Pause können sich die Fans ab Dienstag auf Netflix nicht nur auf Odenkirks Comeback, sondern auch auf das von zwei alten Bekannten freuen. Die Kultserie hat zeitlich die Originalserie „Breaking Bad“ eingeholt, weshalb Odenkirk als wandlungsfähiger Anwalt Jimmy McGill alias Saul Goodman auf seinen späteren Boss Walter White (Bryan Cranston ) und Jesse Pinkman (Aaron Paul) trifft. Doch das ist – laut dem 59-Jährigen – nicht der einzige Grund, warum die letzte Staffel richtig sehenswert wird.

Bob Odenkirk: In den ersten Staffeln haben sich die Serienfiguren langsam entwickelt. Doch jetzt passiert alles viel schneller und Entscheidungen haben immense Auswirkungen. Es wird richtig Action geben und mehr Durchsicht!

KURIER: Was meinen Sie mit Durchsicht?

Es gab einige Dinge und Details in den letzten fünf Staffeln zu sehen, die für die Zuschauer keinen Sinn ergeben haben. Doch in dieser Staffel wird dann alles klar werden!

Sie müssen sich ja auch endgültig von Jimmy McGill in den gewissenlosen Anwalt Saul Goodman verwandeln, der dann in „Breaking Bad“ zu Walter Whites Handlanger wird.

Genau! Jimmy hat in den letzten fünf Jahren langsam aber sicher seinen moralischen Kompass verloren. Allerdings meldet dieser sich ab und zu noch. Doch dann passiert etwas in den letzten 13 Folgen, das Jimmy dazu bringt, ganz zu Saul zu werden. Ich verrate nicht, was passiert. Aber am Ende hat er eine interne Konversation mit sich selbst und sagt dann: „Fuck you, Welt! Ich bin jetzt Saul, ob ihr wollt oder nicht!“

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Bob Odenkirk mit dem Team von „Better Call Saul“: Peter Gould, Rhea Seehorn, Tony Dalton, Jonathan Banks, Bob Odenkirk, Michael Mando, Patrick Fabian, Giancarlo Esposito (v. l.).
Bob Odenkirk mit dem Team von „Better Call Saul“: Peter Gould, Rhea Seehorn, Tony Dalton, Jonathan Banks, Bob Odenkirk, Michael Mando, Patrick Fabian, Giancarlo Esposito (v. l.). Imago/Cover-Images

Sie sehen wieder fit wie eh und je aus. Dabei liegt Ihr schwerer Herzinfarkt gerade mal neun Monate zurück.

Erst einmal muss ich sagen, wie surreal die Reaktionen auf Social Media waren. Die Leute haben mich wie einen Engel behandelt. All die Unterstützung war unfassbar ergreifend, und ich bin bis heute jedem Einzelnen dafür dankbar.

Das hatten Sie nicht erwartet?

So ein guter Mensch bin ich nun auch nicht (grinst). Ich habe ungefähr eine Woche gebraucht, bis ich wieder klar denken konnte. Ich hatte einen echten Gedächtnis-Blackout.

Sie wussten also nicht, was mit Ihnen passiert war?

Nein! Ich weiß noch, wie ich meine Kids irgendwann angerufen habe und meinte: „Habt ihr gesehen, was die Leute über mich auf Twitter alles sagen? Stimmt das etwa?“ Da habe ich zum ersten Mal erfahren, was wirklich passiert war und wie knapp alles war.

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Es hieß, dass Sie schon tot waren und man Ihr Herz mit dem Defibrillator wieder zum Schlagen bringen musste!

Das stimmt. Es war eine schreckliche Erfahrung. Aber dennoch war im Nachhinein nicht nur alles negativ.

Zum Beispiel?

Ich muss gestehen, dass ich Social Media zuvor allein als Hort des Bösen wahrgenommen hatte. Doch dann wurde es für mich ein Ort voller unglaublicher Liebe, Wärme und Unterstützung. So richtig kann ich es noch immer nicht wahrhaben. Ich danke allen, für all das Mitgefühl und die Welle der Hilfsbereitschaft, die sich über mich ergossen hat. Ich werde davon den Rest meines Lebens zehren.

Und jetzt sind Sie wieder ganz der Alte?

Ja, auf jeden Fall. Die Ärzte haben mein Herz aufgeräumt. Sie haben einen Draht reingesteckt und es gesäubert. Ich bin besser in Form, so wie ich es schon viele Jahre nicht mehr war.

Und Ihr Gedächtnis ist auch wieder voll intakt?

Soweit ich das beurteilen kann, ja (lacht). Aber ich kann mich bis heute nicht an die acht Tage nach meinem Infarkt erinnern. Ich habe alles vergessen. Meine Frau Naomi hat mir in der ersten Woche jeden Tag denselben Zeitungsartikel zum Lesen vorgelegt. Es war eine Huldigung auf mich, und ich habe mich jeden Tag wieder darüber mächtig gefreut, weil ich es in meinem Kopf noch nie gelesen hatte. Meine Frau hat das per Video aufgenommen und meinen Kollegen geschickt. Die haben sich darüber amüsiert.

War es komisch, wieder zurück ans „Better Call Saul“-Set zu kommen?

Ich konnte es kaum erwarten. Sie haben ja inzwischen ohne mich weitergedreht. Es war gutes Timing mit meinem Infarkt, weil ich eh für ein paar Wochen nicht eingeplant gewesen war. Allerdings habe ich schon etwas länger gebraucht, um mich zu erholen. Ich wäre schon viel früher zurückgekommen, doch man hat mich nicht gelassen.

Wenn Sie in einem Satz zusammenfassen können, wie Jimmy alias Saul tickt …

… wäre das kein Problem. Er ist ein Mann, der eigentlich geliebt werden will und der sich Ablehnung mehr zu Herzen nimmt, als er es zeigt.