Heinz Rudolf Kunze dpa/Jörg Carstensen

Seit 40 Jahren steht Heinz Rudolf Kunze auf der Bühne, 46 Alben hat er herausgebracht, daneben Bücher, Essays und Geschichten verfasst. Ist der Musiker mit der markanten Brille ein Workaholic? Woher kommt seine Schaffenskraft? „Spieltrieb“, sagt Kunze im Interview der Deutschen Presse-Agentur. „Irgendwann findet mich ein Einfall, meldet sich zu Wort.“ Dann schreibe er das auf.

„In den zwei Corona-Jahren habe ich 950 Songtexte geschrieben“, erzählt der 64-jährige Niedersachse. „Das ist natürlich Blödsinn, weil ich sie nie im Leben vertonen kann. So viel Zeit gibt mir der liebe Gott nicht mehr, es sei denn, wir erfinden das ewige Leben.“

Neues Best-of-Album „Werdegang“ von HRK am 19. November

Schon 1999 erschien das erste Best-of-Album des Deutschrockers namens „Nonstop“. Nun (Veröffentlichung: 19. November) bringt HRK, wie ihn seine Fans nennen, „Werdegang“ heraus – ein weiteres Best-of-Album mit neu interpretierten Songs. „Überrascht mich, bringt mich zum Lachen!“, habe er fünf jungen Produzenten gesagt, berichtet der Sänger und Songwriter. Dies sei gelungen.

Den Song „Finden Sie Mabel“ zum Beispiel hätten seine Band und er 1986 als Country-Rock-Nummer angelegt, heute klinge er nach NDW (Neue Deutsche Welle). Kunze: „Die jungen Leute empfinden einen Sound als zeitgemäß, den ich für Anfang 80er-Jahre halte.“

Fans bestimmten die Songs

Die Auswahl der ersten zwölf Songs haben 1000 Fans getroffen – es sind vor allem Klassiker wie „Dein ist mein ganzes Herz“ oder „Alles was sie will“. Die Lieder der zweiten CD hat Kunze selbst bestimmt. Besonders am Herzen liegt ihm „Götter in Weiß“. Das sei eine Symphonie in acht Minuten, sagt der Komponist und lacht: „In dem Song sind mehr Akkorde enthalten als im Lebenswerk von Lou Reed.“ Es gehe um weißen Imperialismus, Kolonialismus und Ausbeutung.

Heinz Rudolf Kunze hat sich immer in gesellschaftliche Debatten eingemischt, wobei er sich keinem politischen Lager zuordnen lassen will. „Wenn es vorbei ist“ heißt der einzige neue der 24 Songs. Die opulente Hymne feiert – ohne es explizit zu benennen – das Ende der Pandemie. Der Romantiker singt: „Wir werden lieben, für immer lieben, unser Blick geht nur noch nach vorn.“

Den neuen Song habe er auf das Album geschmuggelt, um zu zeigen, dass er „nicht ganz verkalkt und eingeschlafen“ sei, sagt Kunze. „Ich bin ja auch zum Mutmachen da.“