Timo Jacobs (46) bei der Premiere des tschechischen Films  „Nationalstraße“ in Berlin vor wenigen Tagen. Er brauchte die Corona-Soforthilfen.
Foto: DAVIDS/Sven Darmer

Als hätte jemand den Aus-Knopf gedrückt: Ab März wurden die Dreharbeiten für Filme und Serien abgesagt. Darsteller bekamen weder Anfragen noch Geld. Erst seit Juli wird wieder gedreht. Doch nur mit Mundschutz, Abstand und verpflichtenden Corona-Tests. Berliner Schauspieler berichten im KURIER von ihrem Schicksal in der Pandemie. 

Mathias Harrebye-Brandt (45) musste sich vor dem Neustart am Filmset testen lassen. Zusammen mit Axel Prahl dreht er einen Film fürs ZDF. „Der Abstrich hinten im Rachen war ungewohnt. Doch ich akzeptiere alle Auflagen. Niemand will eine zweite Welle“, sagt er. Neuerdings gibt es beim Dreh Hygiene-Beauftragte, die aufpassen, dass sich niemand ansteckt. Damit jetzt die Abstandsregeln eingehalten werden, wurden Drehbücher sogar umgeschrieben. Wer nicht gefilmt wird, braucht am Set eine Corona-Maske.

Mathias Harrebye-Brandt (45) bei der Verleihung des Deutschen Comedypreises 2017 Foto: imago/Horst Galuschka

Brandt ist den Fans durch zahlreiche Fernsehserien („Küstenwache“, „Tatort“) bekannt. Er arbeitet als Theaterschauspieler bei den Wühlmäusen. Doch er hat mit seinem Job kein Vermögen verdient. Als Selbstständiger musste der Berliner die Corona-Zwangspause von mehreren Monaten komplett überbrücken.

„Es stand von dem einen auf den anderen Tag alles still. Die Produktionen wurden abgebrochen. Es kamen keine Anfragen mehr rein. Niemand wusste, wie es weitergeht. Für Leute, die angestellt sind, ist das manchmal schwer nachzuvollziehen“, sagt Mathias Harrebye-Brandt.

Er hatte genug Rücklagen, das Geld reichte und er musste sich nicht sorgen. „Ich habe Berlin für ein paar Monate verlassen und habe mich um meine Eltern in Schleswig-Holstein gekümmert“, sagt er.  

Corona hat für Mathias Harrebye-Brandt trotzdem gezeigt: „Auch in einem der reichsten Länder der Erde wie Deutschland verdienen viele Menschen nicht genug, um sich Rücklagen zu schaffen. Unser kapitalistisches System ist fragil. “

Vor dem Dreh in Quarantäne

Andere Schauspielkollegen haben versucht, Soforthilfe zu bekommen. Wie der Serienschauspieler, Produzent und Regisseur Timo Jacobs (46). Er hat in seiner Laufbahn viele kleine Rollen angenommen,  spielte zuletzt in der ZDF-Serie „Der Kriminalist“ mit. Für dieses Jahr hatte Jacobs ein paar gute Rollen bekommen. Der „Tatort“ wollte ihn wieder.  Doch nach der Berlinale im Februar war Schluss für ihn.  Die Produktionen fielen entweder aus oder wurden aufs Jahresende gelegt.   

„Corona ist für die Filmbranche eine echt krasse Erfahrung. Die Produzenten drehen jetzt auf eigene Faust weiter, riskieren viel. Denn wenn sich beim Drehen jemand infiziert, sind sie dagegen nicht versichert“, so Timo Jacobs.

Für den ARD-Fernsehfilm „Ranger“ reist er jetzt häufiger in die Sächsische Schweiz. Nach der Ankunft ist ein Corona-Test notwendig. Danach muss er in Quarantäne bleiben, bis das Testergebnis vorliegt. „Ich verstehe, dass manche unter der Einsamkeit leiden. Doch ich bin ein Einzelkind, ich habe gelernt, allein zu sein. Den Corona-Blues bin ich gewohnt.“ 

Inzwischen plant Timo Jacobs wieder größere Reisen. Anfang September beginnen die Internationalen Filmfestspiele in Venedig. Ein Film, in dem er mitspielt, läuft im Programm. Dort will er Kollegen treffen. Wenn Corona so will.  

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