Die Berliner Symphoniker: Sie sind das erste Klassikorchester, das in der Wuhlheide mit einem großen Konzert auftritt. Foto: Berliner Symphoniker/Antonia Richter

Das gab es noch nie: Die Parkbühne Wuhlheide wird jetzt klassisch! Zum ersten Mal in der Geschichte der Open-Air-Arena tritt dort ein großes Klassik-Orchester auf. Die Berliner Symphoniker, die im September die Wuhlheide-Bühne in einen riesigen Konzertsaal unter freien Himmel verwandeln werden.

Seit den 90er-Jahren war der Ort nur Schlager- oder Rockgrößen vorbehalten. Peter Kraus, Michael Wendler, Peter Maffay, Die Ärzte, Seeed, Whitney Houston, Metallica, Rammstein: Die Liste der Stars ist lang, die in der Vergangenheit  dort auftraten. Doch anders als in der Waldbühne, wo die Berliner Philharmoniker ihr Können zeigen, wagte sich bisher noch kein Klassik-Orchester in die Wuhlheide, um dort etwa Werke von Beethoven zu spielen.

Sabine Völker (53) ist die Intendantin der Berliner Symphoniker, die mit ihrem Beethoven-Programm Klassik in die Wuhlheide bringen. Foto: Gudath

Das will Geigen- und Bratsche-Spielerin Sabine Völker (53) nun ändern, die seit über einem Jahr Intendantin der 1966 gegründeten Berliner Symphoniker ist. Dessen Spielstätte ist normalerweise die Philharmonie. „Unser Motto lautet ‚Musik ohne Grenzen‘. Warum sollen wir also nicht in der Wuhlheide auftreten, wo sonst ganz andere Musik erklingt?“, sagt sie. Daher werden am 13. September 50 Musiker der Symphoniker auf der Parkbühne mit „250 Jahre Beethoven“ Werke des Komponisten aufführen (Beginn: 15 Uhr, Karten: zwischen 35 und 49 Euro).

Das Konzert ist eine Herausforderung. „Das Orchester hat zwar Open-Air-Erfahrungen, aber auf so einer Rocker-Bühne waren wir noch nie. Mal sehen, wie es unser Publikum annehmen wird“, sagt die Orchester-Chefin. „Es ist ein neuer Schritt für uns, den wir auch machen müssen. Das sind wir dem Publikum und den Musikern schuldig.“

„Auch in Corona-Zeiten sind Konzerte möglich!“

Die Corona-Krise ist der Grund. Der Auftritt der Symphoniker in der Wuhlheide ist als ein Signal zu verstehen. „An die Berliner, denen wir zeigen, dass wir wieder da sind, dass trotz Corona Konzerte möglich sind“, sagt Völker. „Und an unsere Musiker, die wir in der Zeit der Krise nicht fallen lassen wollen.“

Das Orchester finanziert sich selbst, bekommt  nur  200.000 Euro/Jahr vom Senat. Die Musiker sind freie Mitarbeiter, Corona wurde für sie zur Existenzfrage. „Keine Auftritte, kein Verdienst“, sagt Völker. „Am 8. März war das letzte Konzert. Tourneen nach Kasachstan und Slowenien fielen aus.“ Die  Chefin nutzte die Zeit, um neue Auftrittsmöglichkeiten zu finden, „damit die Musiker wieder arbeiten können“.

Die Parkbühne Wuhlheide ist so eine, die wegen der Corona-Krise bisher nicht bespielt wurde. Nun erlauben Lockerungen des Senats dort wieder Konzerte, wenn ab 1. September in Berlin Großveranstaltungen im Freien mit bis zu 5000 Menschen stattfinden können. Die Parkbühne bietet 17.000 Zuschauern Platz.  „Aber wir sind froh, auch vor 5000 spielen zu dürfen“, sagt Völker.

So kennen wir die Wuhlheide als Rock-Bühne, hier beim Metallica-Konzert (2003). Foto: imago-images/Heinrich

Damit alles klappt, bekommen die Klassik-Musiker Hilfe von Rock-Stars. „Zwar ist die Akustik in der Wuhlheide hervorragend“, sagt Völker. „Damit aber unsere Musik auch in den oberen Rängen noch gut zu hören ist, brauchen wir technische Verstärkung wie bei Rockkonzerten.“ Diese liefert Ex-Puhdys-Manager Rolf Henning. „Mit der Anlage waren City, Karat, Dieter Birr und Matthias Reim auf der Rock-Legenden-Tour unterwegs“, sagt er.

Das Konzert der Symphoniker in der Wuhlheide soll keine einmalige Sache bleiben. „Es könnte eine schöne jährliche Berliner Tradition werden, wenn zum Sommeranfang die Philharmoniker in der Waldbühne nahe der Herthaner spielen und wir  im September im Union-Revier Wuhlheide den Sommer klassisch ausklingen lassen“, so Völker.