Die Familie begleitet den Berliner Schauspieler Ernst-Georg Schwill auf seinem letzten Weg. Foto: Volkmar Otto

In schwierigen Momenten zeigen sich die wahren Freunde: Dieser Satz passt gut zur Beerdigung des Ur-Berliner Schauspielers Ernst-Georg Schwill (DEFA, Tatort, Polizeiruf 110). Er starb am 9. April im Alter von 81 Jahren. Wegen Corona und Urlaubszeit können nicht alle Kollegen und Freunde zur Beisetzung auf den Friedhof der Georgen-Parochialgemeinde (Greifswalder Straße) kommen. Die, die aber gekommen sind, nehmen umso würdevoller Abschied. Die Schauspieler Klaus Gehrke (81), Jürgen Trott (65), Carl Heinz Choynski (84) und Starpilot Heinz-Dieter Kallbach (79) begleiten ihren Freund auf seinem letzten Weg.

Während der Trauerfeier in der benachbarten Kirche sind alte Fotos zu sehen. Schwill als junger, adretter Mann in den Filmen „Ecke Schönhauser...“ und „Sie nannten ihn Amigo“. Schwill im Berliner Tatort, in dem er von 1999 bis 2013  neben Boris Aljinovic und Dominic Raacke  spielte. Schwill, der sich hochgearbeitet hatte vom schwer erziehbaren Waisenkind zum Schauspieler. Seine Hilfsbereitschaft ist vielen hier in der Kirche im Gedächtnis. „Is doch keene Frage nich“, hat der 1,63 große Mann immer gesagt. Seine Autobiografie trägt den Spruch als Titel. In den Trauerreden hört man immer wieder: „Schwille“, der Kumpel aus Berlin, „Ernstl“, der Vater und Großvater. 

Schauspielkollege Jürgen Trott (65) erinnert sich gerne an die gemeinsame Zeit Foto: Volmar Otto

Boris Aljinovic ist nicht gekommen. Er lässt aber ein paar Worte verlesen, in denen er dem verstorbenen Kollegen postum den Rücken stärkt. Der Grund: Ernst-Georg Schwill war nach der Wende wegen seiner Stasi-Vergangenheit in die Kritik geraten.

Mit Carl Heinz Choynski (84) spielte Schwill zusammen am Berliner Ensemble Foto: Volkmar Otto

Unter Tränen bringen Tochter Heike (50) und Enkelin Pia (27) die Urne aus der Kirche auf den Friedhof an der Greifswalder Straße. Die Polizei hat dafür sogar die Straße abgesperrt. Vor der Beisetzung sagt Studienkollegen Klaus Gehrke: „Er konnte keiner Fliege etwas zuleide tun, ein richtig guter Kumpel.“ Vieles, was über ihn geredet wurde, sei Blödsinn gewesen. Heinz-Dieter Kallbach hat ins Kondolenzbuch eingetragen: „Er bleibt unvergessen.“

Nach der Beerdigung erzählt Jürgen Trott ein paar Anekdoten: Wie „Schwille“ und er in dem Polizeiruf „Der Kreuzworträtselfall“ (1988) zu sehen waren. Schwill fand die Leiche, Trott war der Tatverdächtige. Fernab der Dreharbeiten haben sie häufiger im „Metzer Eck“ am Senefelder Platz gesessen. Es gab ordentlich Bier.

Noch fehlt der Grabstein, berichtet Tochter Heike Schwill. Wenn der Stein aber steht, will Boris Aljinovic vorbeikommen. Ein Bierchen bringt er dann auch mit, hat er versprochen.