Ein in jeder Hinsicht außergewöhnliches Bild steht bei „Bares für Rares“ zum Verkauf. ZDF

Ungeliebte Familien-Erbstücke sind noch immer die besten Objekte bei „Bares für Rares“. Denn oft sind sie es, die so richtig außergewöhnlich sind. Auch ein Gemälde aus dem 18. Jahrhundert gehört zu dieser Reihe an Schätzen. Zu Hause will es keiner haben, also ab damit zur Trödelsendung, dachten sich seine Besitzer. Und dann passiert das Unfassbare: Das schon ziemlich kaputte Werk eines Friedrich-Schiller-Freundes bringt tatsächlich einen Wahnsinns-Preis.

„Das Bild wollte keiner haben, nachdem mein Opa gestorben ist. Ich habe es gern genommen, ich finde es wunderschön. Aber ich wohne in einer kleinen Dachgeschosswohnung und habe, seit ich es habe, es nie aufgehängt. Von daher hänge ich auch nicht persönlich dran“, erklärt Verena Herwig, die mit ihrem Vater Andreas da ist.

Das gar nicht so kleine Gemälde nimmt „Bares für Rares“-Kunsthistorikerin Dr. Bianca Berding unter die Lupe. „Die Größe hat auch ihren Grund. Das war eine Supraporte, also eine dekorative Ausformung über einer großen Tür“, erklärt die Fachfrau.

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„Bares für Rares“-Expertin findet viele Beschädigungen

Das Gemälde sei auf Fernsicht und Untersicht konzipiert. Das sieht man an der Position: Unten sieht man die Tischplatte, auf der sich die verschiedenen Gegenstände befinden. Und wenn dieses Gemälde hoch hängt, verkürzt sich die Tischplatte perspektivisch, wird schmaler und man sieht viel mehr den Aufbau hin zu den Figuren.

„Bares für Rares“-Kunsthistorikerin Dr. Bianca Berding hat schlechte, aber auch sehr gute Nachrichten. ZDF

Der Jakob Friedrich Weckherlin wurde 1761 geboren und ist 1814 gestorben. Er lebte zur Zeit von Friedrich Schiller, kannte den berühmten Dichter aus seiner Zeit an der Stuttgarter Karlschule und hatte ihn auch portraitiert. Es sind aber kaum Werke von ihm im Kunsthandel zu finden.

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Das Gemälde bei „Bares für Rares“ ist nach dem Entwurf des Hofmalers Nicolas Büwall entstanden und Weckherlin hat es ausgeführt.  „Es wird zu einer Reihe von allegorischen Supraporten gehört haben, in denen der Herzog Karl Eugen als Förderer der Karlschule dargestellt wurde“, erklärt die „Bares für Rares“-Expertin.

„Das rätselhafte Bildmotiv stellt wohl die Venus mit den noch jungfräulichen Brüsten dar, wie sie sich in der Werkstatt des Vulkanus befindet, ihres eigentlich ungeliebten Ehemanns, und ihn um die Rüstung für den Sohn bittet“, versucht sich Dr. Bianca Berding an der Deutung des Motives.

„Unglaublich. Ich bin vollkommen platt und muss das erstmal verdauen“, meint „Bares für Rares“-Moderator Horst Lichter. „Dass der mit Schiller in der Schule war, mein Gott.“

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„Bares für Rares“-Händler Fabian Kahl schaut sich das ungewöhnliche Gemälde ganz genau an. ZDF

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Der Rahmen sei original, das Gemälde um 1780 entstanden. Der Zustand ist nicht mehr so gut, ergänzt die Fachfrau noch. „Wir haben einige Farbabplatzungen. Es gibt eine größere Reihe an Retuschen. Wir haben einen großen Riss, der sich durch die gesamte Leinwand zieht. Und das Gemälde ist schon einmal umfassend restauriert worden. Da müsste dringend etwas fachmännisch gemacht werden“, sagt sie.

Wunschpreis wird bei „Bares für Rares“ verdoppelt

„Aber es handelt sich um das Werk eines Schülers, der nach einem Hofmaler-Entwurf gemalt hat. Insofern wäre eine Signatur auch fehl am Platz gewesen.“ Man könnte es Weckherlin aber sicher zuschreiben.

„Ich würde mir eine vierstellige Summe wünschen, kann es aber überhaupt nicht einschätzen. Ich weiß ja um die Beschädigungen“, sagt Kandidatin Verena Herwig zum Wunschpreis. Für unter 750 Euro will sie es nicht hergeben.

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„Ich wäre bei einem Preis von 1400 bis 1700 Euro“, hat Dr. Bianca Berding aber gute Nachrichten. Klar, gibt es da die Händler-Karte. Als die Kandidaten schon auf dem Weg zu den Händlern sind, philosophieren Moderator und Kunsthistorikerin schon über den potenziellen Käufer: „Eigentlich muss es in ein Schloss, und zwar über eine Tür“, sagt die Expertin. Ob Fabian Kahl da zugreifen wird?

„Bares für Rares“-Händler Fabian Kahl kauft das Bild für 1500 Euro. ZDF

Zumindest nimmt der das ungewöhnliche Gemälde schon mal in Augenschein. „Schön, dass wir ein Gemälde aus dem ausgehenden 18. Jahrhundert hier haben“, freut sich auch Lisa Nüdling, die es thematisch spannend findet.

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Julian Schmitz-Avila startet dann mit 500 Euro als erstem Gebot. Alle anderen „Bares für Rares“-Händler bieten ebenfalls mit. Der Schätzpreis ist schnell erreicht. 1500 Euro legt Fabian Kahl am Ende auf den Tisch – doppelt so viel wie der gewünschte Mindestpreis.

Sie wollen mehr spektakuläre Antiquitäten und deren Verkäufe sehen? „Bares für Rares“ läuft montags bis freitags um 15.05 Uhr im ZDF.

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