Die „Bares für Rares“-Kandidatin bricht in Tränen aus, als sie den unfassbaren Schätzpreis von Experte Detlef Kümmel hört. ZDF

Im Auftrag ihrer Freundin ist Marlies Fischer (55) aus Duisburg bei „Bares für Rares“. Ein außergewöhnliches Bild von Otto Mueller hat sie unter dem Arm. Sie selbst mag die Farben besonders. „Meine Freundin hat das von ihrem Vater zum Staatsexamen bekommen, ursprünglich ist es aber vom Urgroßvater“, erklärt sie. Weil die Freundin das Bild aber auf dem Dachboden lagerte, soll es nun eine schönere Daseinsberechtigung finden. Was dann aber passiert, das treibt der Verkäuferin Tränen in die Augen. Spoiler: Es ist das teuerste Bild, was jemals in der Sendung den Besitzer wechselte.

Galerist Detlef Kümmel zerlegt das Bild zunächst einmal. „Ich hatte Langeweile“, sagt er, als Moderator Horst Lichter ihn drauf anspricht. In Wirklichkeit aber nimmt der „Bares für Rares“-Experte es in diesem Fall einfach ganz genau. Und das hat einen guten Grund. Aber der Reihe nach …

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„Bares für Rares“-Moderator: „Das hat jemand relativ zügig gemalt“

„Bares für Rares“-Moderator Horst Lichter nimmt sich erst einmal Zeit für seine ganz eigene Expertise: „Ich mag das Bild. Das hat jemand relativ zügig gemalt. Aber er wusste genau, was er will. Es gefällt mir von den Farben her besonders – mit dem Blau und dem Gelb … Und jetzt bist du dran“, übergibt er dann doch das Wort an den eigentlichen Fachmann.

Diese kolorierte Lithografie des bekannten Brücke-Malers Otto Mueller aus der Zeit um  1920 steht bei „Bares für Rares“ zum Verkauf. ZDF

„Du hast gerade schon in ganz kurzen Zügen gesagt, um welche Kunstrichtung es sich hier handelt: den Expressionismus“, verrät Detlef Kümmel. Im Expressionismus geht es darum, in ganz kurzer Zeit eine Stimmung aufzugreifen. „Der Maler war wirklich ein hervorragender Maler. Wir nennen das Bild mal wie es heißt: Badende junge Frau hinter einem gegabelten Baum auf Fehmarn. Die Frau ist nicht das Hauptthema, der Baum ist vielmehr zu sehen und dahinter ist die Dame. Man hat das Gefühl, dass man aus einer Ecke flüchtig auf die Dame schauen darf, ein bisschen beobachtet, wie sie badet. Sie weiß aber nicht, dass sie gemalt wird. Alles, was auf diesem Bild schwarz ist, ist das eigentliche Motiv. Und das hat Otto Mueller – den Namen nennen wir jetzt einfach mal – als Kreide- Lithografie angefertigt.“

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Eigentlich sei diese Lithografie das Werk gewesen – im Ursprünglichen. Davon gibt es zwischen 15 und 20 Blätter. Die seien von ihm signiert worden. „Hier hat Otto Mueller aber etwas Besonderes gemacht. Hier hat er sich nochmals ranbegeben und das Blau aufgetragen. Und alles, was gelb ist. Das hat er mit einer sehr dicken Aquarellfarbe“, erklärt der Fachmann.

„Bares für Rares“-Fachmann schwärmt vom Kunstwerk

Wer jetzt denkt, das könne ja jeder gewesen sein, der das Bild koloriert hat, dem zieht Detlef Kümmel den Zahn: „Da habe ich genauestens geschaut. Die Signatur ist von Otto Mueller mit Bleistift aufgetragen. Wenn ich mit nassem Aquarell über einen Bleistift gehen würde, würde das verwischen. Das heißt, die Farbe war drauf, bevor er es signiert hat.“

Moderator Horst Lichter muss zugeben, den Namen des Malers zum ersten Mal zu hören. „Wenn ich aber höre, mit welcher Leidenschaft du von diesem Maler berichtest, muss er wohl sehr berühmt sein“, ahnt er. Detlef Kümmel sortiert ihn den Brücke-Künstlern zu, er habe nicht viele Werke gemalt. Originale von ihm sind sehr selten. „Hier haben wir wirklich ein tolles Objekt vor uns“, findet der „Bares für Rares“-Fachmann. Rund 100 Jahre sei es alt.

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„Bares für Rares“-Händler Fabian Kahl interessiert sich sehr für das Bild. ZDF

„Der Zustand des Blattes ist vom Papier her sehr gut. Bis auf – da muss ich leider ein bisschen weinen – dass das Blatt stabilisiert worden ist und mit einer rückwertigen Pappe verbunden wurde. Das ist nicht so schlimm, muss aber gelöst werden. Das ist aufwendig und frisst viel Zeit“, gibt es noch ein paar Worte zum Schluss der Expertise.

Und schon geht es um den Preis. 10.000 Euro würde sich die Kandidatin für ihre Freundin wünschen. Auch nur, weil sie im Internet Vergleiche gefunden habe, die in den höheren fünfstelligen Bereich gehen. Aber ist ihr Mitbringsel wirklich so viel wert? Da muss sie selber schmunzeln.

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„Bares für Rares“-Kandidatin bricht in Freudentränen aus

Doch Detlef Kümmel bremst sie nicht aus. „Wenn das Blatt Papier nur bedruckt wäre, wären wir schon deutlich über 10.000 Euro. Koloriert ist es ein Unikat. Ich glaube an dieses Bild, ich lege mich auf 30.000 bis 35.000 Euro fest.“

Die „Bares für Rares“-Kandidatin kann es kaum fassen, bricht in Tränen aus. „Ich würde dich am liebsten in den Arm nehmen“, sagt Horst Lichter und versucht auf sie einzureden. Durch Corona ist das natürlich nicht drin. „Da muss ich ja mitweinen“, sagt der Moderator. „Ich habe schon das Wasser in der Brille stehen.“

Als sie sich beruhigt hat, darf Marlies Fischer dann natürlich zu den Händlern. Die staunen ebenso. „Eine handkolorierte Lithografie. Nicht schlecht“, stellt Fabian Kahl fest. „Und dann ist es ein Unikat“, meint Daniel Meyer.

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„Wussten Sie, was für einen Schatz Sie da haben“, will Wolfgang Pauritsch zur Begrüßung gleich mal wissen. „Nein“, gibt die Kandidatin zu. „Das Bild gehört meiner Freundin und es lag lange Jahre auf dem Dachboden.“

„Das ist aber ein Glücksfall. Sonst wäre das Aquarell vielleicht ausgeblichen“, stellt Daniel Meyer fest. „Das ist richtig farbfrisch.“ – „Ich habe Herzklopfen“, deutet Wolfgang Pauritsch an, dass sich die Händler allemal bewusst sind, was sie vor sich haben. „Wer jetzt das erste Gebot macht, kann nur verlieren“, meint Kollege Daniel Meyer.

„Bares für Rares“-Händler: „Das ist wie auf mich maßgeschneidert“

Wolfgang Pauritsch ist mutig: 5000 Euro bietet er und verkündet, sich damit nicht als Verlierer zu fühlen. „Aber das ist nicht das adäquate Angebot dafür“, mahnt Daniel Meyer trotzdem. Fabian Kahl erhöht auf 10.000 Euro. Da ist der Wunschpreis schon erreicht. Bei 19.000 Euro erzählt die Kandidatin von der Expertise. Alle Händler – außer Walter „Waldi“ Lehnertz – bieten mit. Susanne Steiger will 30.000 Euro auf den Tisch legen.

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Doch das Bild bekommt sie nicht. Denn Fabian Kahl legt noch einmal 500 Euro oben drauf. Grinsend stimmt die Verkäuferin zu. Die Händler klatschen. Natürlich kann der Käufer das Bild nicht bar bezahlen. 2000 Euro zahlt er für das teuerste Bild der „Bares für Rares“-Geschichte an. „Der Rest kommt als Überweisung“, verspricht er. „Das ist wie auf mich maßgeschneidert. Ich liebe Brücke-Künstler und Otto Mueller ist mein liebster“, sagt er und will das Bild behalten.

Als teuerstes Bild der „Bares für Rares“-Geschichte geht die Lithografie von Otto Mueller für 30.500 Euro an Fabian Kahl. Bar bezahlen kann er das natürlich nicht. ZDf

„Meine Freundin bricht, glaube ich, in Tränen aus. Das wird sie mir nicht glauben“, ist auch die Kandidatin aus dem Häuschen.

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