Drama oder nicht?

Falsches Zertifikat bei „Bares für Rares“ – dann machen die Händler DAS

Diese Uhr ist teuer, sauteuer sogar. Zumindest in der Theorie. Doch es gibt einen gewaltigen Haken. Was machen die Händler nun bei „Bares für Rares“?

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Diese skelettierte Taschenuhr soll bei „Bares für Rares“ verkauft werden.
Diese skelettierte Taschenuhr soll bei „Bares für Rares“ verkauft werden.ZDF

Es gibt Dinge, die kommen nach Jahren der Versenkung wieder in Mode. Und in der ZDF-Trödelsendung Bares für Rares gibt es solche alten Stücke in schöner Regelmäßigkeit zu bestaunen. Heute: eine Taschenuhr. „Sollte man ruhig mal wieder tragen“, meint Moderator Horst Lichter. Dafür muss man sie aber erst mal besitzen. Ein Exemplar steht diesmal in der Sendung zum Verkauf. Nur: Das Zertifikat ist falsch. Was das bedeutet?

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„Mein Gott, das sah ja im ersten Moment aus wie ein schönes Amulett“, staunt Horst Lichter, als Expertin Wendela Horz ihm die Uhr entgegenstreckt. „Die ist ja komplett skelettiert.“ Die Expertin strahlt über beide Ohren, so verzückt ist sie von dem zeitmessenden Schmuckstück, das die Kandidatin mitgebracht hat.

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„Bares für Rares“-Expertin Wendela Horz ist begeistert von der Uhr von Audemars Piguet.
„Bares für Rares“-Expertin Wendela Horz ist begeistert von der Uhr von Audemars Piguet.ZDF

Die heißt Simone, kommt aus Berlin und hat das gute Stück aus dem Nachlass des Künstlers Ingo Insterburg. „Wir waren viele, viele Jahre befreundet. Mein Mann hat viele Tourneen mit dem Ingo veranstaltet, zum Schluss waren wir wie eine Familie. Und so hat sich das ergeben“, erzählt sie. Und schon wieder staunt Horst Lichter nicht schlecht. „Ingo Insterburg, das ist natürlich eine Sensation“, meint er.

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Uhren-Skelett bei „Bares für Rares“

Wendela Horz fängt gleich an zu singen. „Ich liebte ein Mädchen in Wannsee, die konnt kein nackten Mann sehen. Ich liebte ein Mädchen im Grunewald, bei der war immer die Bude kalt.“ Ja, auch der Spaß darf bei „Bares für Rares“ nicht zu kurz kommen.

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Das Uhrwerk des Meisterstücks der Firma Audemars Piguet, das bei „Bares für Rares“ verkauft werden soll, funktioniert einwandfrei.
Das Uhrwerk des Meisterstücks der Firma Audemars Piguet, das bei „Bares für Rares“ verkauft werden soll, funktioniert einwandfrei.ZDF

Doch zurück zur Uhr. Denn darüber kann die Expertin natürlich noch viel mehr erzählen, als nur einen Hit ihres Vorbesitzers wiederzugeben. „Diese Uhr zu betrachten ist eine Freude“, schwärmt sie. „Eine große Freude. Es handelt sich um eine Taschenuhr der Firma Audemars Piguet. Audemars Piguet ist ein ganz großer Name der Uhrmacherkunst. Aus der Schweiz, gegründet 1874 und bekannt für feine, feine Uhrmacherkunst.“

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Das besondere an dieser Uhr – das sieht auch der Laie – ist die Skelettierung. Diese Taschenuhr verfügt über ein Handaufzugswerk. Und sie läuft einwandfrei. „Skelettierte Uhren gab es 1750 – zunächst aber bei Tischuhren. Ab 1930 hat Audemars Piguet diese alte, fast vergessene Technik wiederentdeckt und angefangen, Uhrwerke zu skelettieren. Dieses Stück ist vermutlich vor 1972 hergestellt worden.“

Jedes Detail ist Handarbeit, schwärmt die „Bares für Rares“-Expertin.
Jedes Detail ist Handarbeit, schwärmt die „Bares für Rares“-Expertin.ZDF

Vor allem aber die ungewöhnlich gute Qualität begeistert die „Bares für Rares“-Expertin: „Erst mal ist das Kaliber sehr flach, es ist eine sehr elegante Taschenuhr. Und es benötigt wirklich einen virtuosen Umgang mit Säge, Feile und Stichel, um ein Werk so schön zu skelettieren. Von dem ursprünglichen Werk bleiben nur noch 20 Prozent übrig, wenn ein Meister seines Fachs eine Uhr skelettiert.“

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An dieser Uhr stimmt einfach alles. Diverse Feinheiten kann man erkennen. „Allein die feinen Rubinpaletten am Anker“ – Wendela Horz kann gar nicht mehr aufhören zu schwärmen. „Also, es ist eine sehr, sehr schöne Arbeit.“

Falsches Zertifikat bei „Bares für Rares“

Außen auf dem Gehäuse der Uhr, das eine hexagonale Form hat, gibt es einen Besatz aus Lapislazuli. Dieser Schmuckstein ist ein natürlich vorkommendes, tiefblaues, metamorphes Gestein. Leider haben die Jahre Spuren an der Uhr hinterlassen und so fehlt der Besatz am Bügel. Man könnte das aber in Ordnung bringen, meint die „Bares für Rares“-Expertin.

Leider wurde das Zertifikat der Uhr bei „Bares für Rares“ falsch ausgestellt.
Leider wurde das Zertifikat der Uhr bei „Bares für Rares“ falsch ausgestellt.ZDF

Das Gehäuse ist aus 750er-Gold, die Kette ebenfalls. Das Uhrwerk selber ist aus Messing, das vergoldet wurde. Doch einen Nachteil gibt es: die alte Garantiekarte. „Was hier passiert ist, kommt öfter mal vor, ist in dem Fall aber nicht optimal. Hier wurde eine Nummer eingetragen, die nicht mit der Nummer der Uhr übereinstimmt. Das passierte bei Juwelieren öfter mal, da wurde was vertauscht. Das ist gut möglich, das das auch hier passiert ist“, erklärt Wendela Horz.

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Ein falsches Zertifikat also. Was bedeutet das jetzt? Erst mal nicht viel. „Denn ich zweifle hier überhaupt nicht an der Qualität oder der Echtheit“, schiebt die „Bares für Rares“-Expertin hinterher. Horst Lichter fragt also nach dem Wunschpreis. „Ab 4000 Euro“, meint die Kandidatin. Klingt nach richtig viel.

„Für diese Uhren werden teilweise sehr, sehr hohe Beträge bezahlt. Ich fange hier auch nicht mit einem Goldankaufswert an – das wäre unter der Würde der Uhr. Mein Schätzpreis liegt bei 6000 Euro“, sagt Wendela Horz.

„Bares für Rares“-Duell der Extraklasse

Aber ist dieser Preis auch bei den „Bares für Rares“-Händlern zu bekommen? „Ein wunderschönes Werk“, ist Wolfgang Pauritsch begeistert beim ersten Anblick. Er startet mit 2000 Euro. Und dann fliegen Gebote durch den Raum, so schnell kommt man gar nicht mit. Julian Schmitz-Avila hat Interesse, Walter „Waldi“ Lehnertz für einen Moment auch.

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„Bares für Rares“-Händler Wolfgang Pauritsch ist von Anfang an begeistert von der Uhr und kauft sie für 6100 Euro.
„Bares für Rares“-Händler Wolfgang Pauritsch ist von Anfang an begeistert von der Uhr und kauft sie für 6100 Euro.ZDF

Doch schließlich geht es nur noch zwischen Wolfgang Pauritsch und Julian Schmitz-Avila hin und her. „Ich höre ganz begeistert zu“, meint Susanne Steiger. Bei 6000 Euro fragt Julian Schmitz-Avila, ob die Dame verkaufen möchte. Doch Wolfgang Pauritsch setzt noch einen drauf. Bei 6100 Euro bekommt er den Zuschlag. 3100 Euro zahlt er an, der Rest wird überwiesen. „Es gibt keinen Wiederbeschaffungswert für solche Uhren“, strahlt er über beide Ohren.

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Sie wollen mehr spektakuläre Antiquitäten und deren Verkäufe sehen? „Bares für Rares“ läuft montags bis freitags um 15.05 Uhr im ZDF.