Das Trinkgefäß, dass bei „Bares für Rares“ verkauft wurde, ist innen sogar vergoldet.   ZDF

Wahnsinn! Hammer! Unfassbar! Die Superlative für den Verkauf eines kaiserlichen Trinkgefäßes in der XXL-Version der Trödelshow finden kein Ende! Da kommt eine Dame mittleren Alters, bringt ein Schälchen vom Flohmarkt mit – gekauft für fünf Euro – und bekommt den Schock ihres Lebens, als sie den eigentlichen Wert erfährt. 40.000 bis 60.000 Euro lautet die Expertise. Doch dann verkauft sie trotzdem für „nur“ 29.000 Euro. Abzocke? Oder alles richtig gemacht aus Sicht der Verkäuferin?

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Klar, geht es in den sozialen Medien hoch her nach diesem Sensations-Verkauf bei Bares für Rares. Das Kovsh von Katharina der Großen ging als eines der teuersten Objekte in die Show-Geschichte ein.

Als „Bares für Rares“-Expertin Dr. Heide Rezepa-Zabel den Schätzpreis von 40.000 bis 60.000 Euro nennt, sind Horst Lichter und Kandidatin Sabine fassungslos. ZDF

Da wäre zum einen die Frage nach der Moral:  Die Fans litten mit der Flohmarkt-Verkäuferin, die das museale Stück unwissend für 5 Euro hergab. Ob die sich jetzt wohl sprichwörtlich in den Hintern beißt? Oder gar Ansprüche stellen kann? Vielleicht bekommt sie von der Sendung aber auch gar nichts mit? Oder die „Bares für Rares“-Kandidatin macht sie im Nachhinein ausfindig und gibt ihr etwas vom Gewinn ab?

„Bares für Rares“-Kandidatin verkauft für Hälfte des Schätzpreises

Aber auch die Frage, ob die „Bares für Rares“-Händler die Kandidatin mit dem vermeintlich niedrigen Preis abgezockt haben, stellt sich – mal wieder – vielen. Immerhin hatte Expertin Dr. Heide Rezepa-Zabel sogar gesagt, ihre Expertise sein eine vorsichtig Schätzung: „Der Markt hat sich noch nicht stabilisiert. Das ist durchaus ein vorsichtiger Preis.“

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Doch Händlerin Susanne Steiger, die zwischenzeitlich 15.000 Euro geboten hatte, gibt auch zu bedenken: „Es ist ein einmaliges Stück. Aber auch für uns ist eine Preisfindung ohne eine weitläufige Recherche wirklich sehr, sehr schwierig.“ Am Ende bekam Daniel Meyer für 29.000 Euro den Zuschlag, knapp der Hälfte der oberen Experten-Schätzung. Und eigentlich hätte die Kandidatin da auch nicht einschlagen müssen, hätte ihren wertvollen Schatz wieder mitnehmen können. Warum hat sie es nicht getan, wenn es doch soviel mehr wert ist?

„Bares für Rares“-Händler Daniel Meyer kauft das Trinkgefäß für 29.000 Euro. ZDF

Eigentlich scheint die Antwort darauf sehr klar und eindeutig: Wo soll sie denn bitte mehr für ihren Flohmarkt-Fund bekommen? Im Auktionshaus, mögen vom Preis enttäuschte Fans jetzt schreien. Doch so einfach ist die Sache nicht.

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Wer seine Antiquität im Auktionshaus anbieten will, muss in Vorleistung gehen. Beispiel eins: Sie hätte das Kovsh professionell reinigen lassen müssen. Sie hätte es womöglich versichern lassen müssen. Womöglich hätte das Auktionshaus einen Belege gefordert, das die Echtheit des Werkes bestätigen. Die Kosten für entsprechende Echtheitszertifikate, Gutachten und Recherchen trägt ebenfalls der Verkäufer. Dann muss der teure Schatz im Auktionskatalog beworben werden. Rund 500 Euro muss man dafür wohl aufbringen.  Und schnell ist man einen vierstelligen Betrag los, ohne zu wissen, ob sein Objekt am Ende auch wirklich verkauft wird.

„Bares für Rares“: Verkauf ohne Extrakosten 

Und wenn es dann verkauft wird, wird Provision fällig zuzüglich Mehrwertsteuer. Rund 20 Prozent sind üblich. Vielleicht verkauft die „Bares für Rares“-Kandidatin ihren Kovsh tatsächlich für 50.000 Euro, bleiben abzüglich der Provision und Vorleistungen vielleicht rund 35.000 Euro. Das ist im Vergleich zu dem Aufwand, den die Verkäuferin im Vorfeld investieren muss, nicht so viel mehr, als das, was sie bei „Bares für Rares“ mal eben mit nach Hause nimmt. Oder in diesem Fall überwiesen bekommt.

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Und dass ist nur der glückliche Fall. Wird das Objekt vielleicht nur für 40.000 Euro versteigert (unterer Schätzwert), hat sie vermutlich keinen Cent mehr in der Tasche, als hätte sie es gleich bei „Bares für Rares“ den Händlern überlassen.

Und jetzt noch mal die Frage, die jeder selbst beantworten muss: Wurde die Kandidatin wirklich abgezockt? Muss sie sich im Nachhinein ärgern? Oder hat sie vielleicht doch alles richtig gemacht, ihren 5-Euro-Flohmark-Fund für 29.000 Euro verkauft zu haben?

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Übrigens: Es ist nicht das erste Mal, dass den „Bares für Rares“-Händlern Abzocke vorgeworfen wird. Auch nach dem Verkauf des bisher teuersten Objekt der Show-Geschichte, einem funkelnde Diamanten-Kreuz mit frühhistorischer Bedeutung (Expertise: 60.000 bis 80.000 Euro, verkauft für 42.000 Euro an Susanne Steiger) gab es diese Diskussion. Damals beschäftigten sich sogar Anwälte mit der Richtigkeit des Vertrages.