Bachelor Niko Griesert beim Spree-Fahrt-Date mit Kandidatin Anna in Berlin. Foto: TVNow

Am Mittwoch steht das Finale beim Bachelor an. Und schon jetzt ist sicher: Es war eine denkwürdige Staffel, die viele Menschen sobald nicht vergessen werden. Und damit soll nicht auf ein wirklich spektakuläres Finale angespielt sein, dass TVNow-Abonnenten bereits in der vergangenen Woche sehen konnten. Und auch nicht auf Spekulationen über alles, was danach noch passiere könnte. Dieser Kommentar soll kein Spoiler sein, sondern eine Liebeserklärung an den Bachelor-Standort Deutschland.

Was wurde im Vorfeld geunkt. Der neue Bachelor soll seine große Liebe nicht bei 25 und mehr Grad in Mexiko suchen, sondern im deutschen Winter. Wie soll Romantik aufkommen, wenn alles grau ist? Und überhaupt weiß doch jeder, dass im Sommer die Laune besser ist. Und wenn schon. Corona machte es eben kaum anders möglich, als in Deutschland zu drehen. Und würde es nach mir gehen, dürfte die Produktion das gerne so oft sie will wiederholen.

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Die Dates waren vielschichtig wie nie. Niko und seine Kandidatinnen hingen nicht zum 100. Mal an der Slackline zu, fütterten auf einer völlig austauschbaren Zitronenplantage Ziegen oder saßen beim Essen mit schrumpeligen Füßen bis zu den Knien im Meer. Das mag beim ersten Mal noch aufregend sein, ist nach neun Staffeln aber zumindest für den Zuschauer ausgelutscht. Da waren eine Busfahrt durch Berlin, ein Helikopterflug über Hamburg oder eine Fahrt mit dem Rasenden Roland über Rügen echte Besonderheiten. Ganz zu Schweigen von dem Date, als Niko und fünf Kandidatinnen die Zugspitze ganz für sich allein hatten. Das dürfte allerdings nach der Corona-Pandemie so nicht zu wiederholen sein. Und Deutschland hat noch mehr zu bieten. Wieso nicht mal eine Kahnfahrt im Spreewald oder eine Wattwanderung auf Sylt? Material für die Zukunft wäre noch da.

Die Dates wirkten doch so besonders sie teilweise waren, nahbarer. Sie wirkten, als könnte man einfach seinen Liebsten oder seine Liebste packen und diese Dates wiederholen.

Bachelor Niko passte perfekt in diese urbane Szenerie

Das lag möglicherweise auch an Bachelor Niko und dessen Inszenierung durch die Produktion. Denn anders als vorherige Rosenkavaliere, die als möglichst fehlerlos dargestellt wurden wie beispielsweise Andrej Mangold oder Sebastian Pannek, erschien Niko wie ein Mann von nebenan. Als einer, der sich an einer Spreefahrt begeistern kann, im Hoodie in die Frauenvilla geht und immer wieder betont: „Ich bin der schlechteste Bachelor.“ Ein urbaner, emotionaler Mann im feinsten Ikea-Katalog-Chic, der vielleicht etwas zu sehr versucht, allen Kandidatinnen, ein gutes Gefühl zu geben, und dennoch glaubhaft respektvoll mit ihnen umgeht, bietet eben mehr Anknüpfungspunkte, als ein Anzugtragender Rosen-Roboter mit schmierigen Sprüchen.

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Und noch etwas fiel auf. Die aufgrund der Witterung in Deutschland ohnehin weniger gewordenen Szenen, in denen die Kandidatinnen einen Bikini trugen, wurden nicht so voyeuristisch ausgeschlachtet, wie in den Vorjahren. Es gab keine oder zumindest deutlich weniger unnötige Schwenks über bestimmte Körperregionen. Es ging offenbar nicht nur Bachelor Niko sondern auch der Produktion dieses Mal ums große Ganze und nicht um eine zusätzliche Sexualisierung der Frauen. Ich würde mir wünschen, dass dieser Schritt ins 21. Jahrhundert auch beibehalten wird, wenn der Bachelor-Tross wieder nach Mexiko zieht. Denn dass der Rosenkavalier nun jedes Mal aus Deutschland kommt, bleibt wohl mein persönlicher unerfüllter Wunsch.